Hafenarbeiter-Warnstreik: Schilling fordert Schlichtungsverfahren

48-Stunden-Warnstreik: Norddeutsche Häfen stehen still

Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck
  • Hafenarbeiter streiken erneut – diesmal für 48 Stunden
  • Arbeitgeber wollten Warnstreik vor Gericht beenden – Gericht lehnte Antrag an
  • Schilling fordert ein Schlichtungsverfahren

Bremens Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD) und die Arbeitgeber haben im Streit um die Löhne der Hafenarbeiter ein Vermittlungsverfahren gefordert. Es müsse schnellstmöglich eine Einigung erzielt und weiterer Schaden abgewendet werden, so Schilling.

Am Donnerstagnachmittag hatte das Arbeitsgericht Bremerhaven einen Eilantrag der Arbeitgeber abgewiesen, den Warnstreik, zu stoppen. Mehrere Hafenunternehmen hatten vom Gericht gefordert, den Warnstreik zu untersagen. Sie argumentierten, dass die Lieferketten ohnehin schon durch Logistikprobleme extrem belastet seien. Durch den Streik sehen sich die Unternehmen in ihrer Existenz gefährdet.

Die Häfen sind in einem Wettbewerb – insbesondere zu Rotterdam und Antwerpen – aber zunehmend auch zu polnischen Häfen. Wir sehen die Gefahr, dass Ladung langfristig woanders hingeht und damit die Bedeutung der deutschen Seehäfen immer weiter verliert.

Ulrike Riedel, Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe

Das Gericht hingegen wies den Antrag in allen Punkten zurück und betonte unter anderem die hohe Bedeutung des Rechts auf Arbeitskampf. Es gebe auch keine Pflicht zu einem Schlichtungsverfahren. Mehrere andere Gerichte im Norden hatten ebenfalls entsprechende Anträge der Unternehmen abgelehnt.

Am Donnerstag waren bis zu 1.000 Hafenarbeiter durch die Bremerhavener Innenstadt gezogen, um für bessere Löhne zu demonstrieren.

Die Überstunden wurden immer mehr. Wir haben immer mehr Bereitschaft gezeigt, die Überstunden abzuleisten, weil der Schiffsstau auch immer größer wird. Jetzt wollen wir die Wertschätzung haben, was hier die letzten zwei Jahre von den Kollegen im Hafen geleistet wurde.

Frank Bögen, Hafenarbeiter

Warnstreiks in allen wichtigen Seehäfen

Am Freitag sind weitere Aktionen in Hamburg geplant. Betroffen vom Warnstreik bis Samstagmorgen sind die deutschen Nordseehäfen – darunter Bremerhaven, Bremen, Hamburg, Emden und Wilhelmshaven.

Verdi fordert für die insgesamt rund 12.000 Hafenarbeiter unter anderem 1,20 Euro mehr pro Stunde und einen Inflationsausgleich. Logistikexperten erwarten, dass der Streik wieder zu Schiffsstaus vor den Häfen führt. Die Auswirkungen der Lieferverzögerungen auf Handel und Wirtschaft würden sich weiter verschärfen.

Hafenarbeiter streiken in Bremerhaven mit Warnwesten vor der großen Kirche

Erneuter Warnstreik in den norddeutschen Seehäfen

Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 14. Juli 2022, 6 Uhr