Interview

Habeck hofft auf neue Windkraft-Jobs – auch in Bremerhaven

Klimaminister: "Grüner Stahl war vor vier Jahren noch ein Ferntraum"

Bild: dpa | Mohssen Assanimoghaddam

Bei seinem Antrittsbesuch im Land Bremen hat Bundeswirtschaftsminister Habeck mit buten un binnen über fehlendes Gas und die Zukunft der Windkraft-Branche gesprochen.

Herr Habeck, Sie sind in Bremen und alle reden über fehlendes Gas aus Russland. Wie hat das Ihre Pläne für Ihren Besuch hier in Bremen geändert?
Es hat sie gar nicht geändert. Es gibt einen engen Zusammenhang. Ich war bei dem großen Stahlwerk von ArcelorMittal. Die wollen von Kohle auf Wasserstoffe umstellen. Ich war vor vier Jahren schon hier und da war das ein Ferntraum. Jetzt ist es konkret. Die Frage ist, gibt es dann genügend Wasserstoff oder muss mit Gas überbrückt werden? Das will eigentlich niemand mehr. Dafür ist es viel zu teuer. Also werden wir sehen, dass der Hochlauf von grünem Wasserstoff viel schneller, viel größer sein wird als die Versorgung mit Erdgas.
Skeptiker sagen, das klappt gar nicht so schnell. Da muss doch Kohle als Brückentechnologie herhalten. Sehen Sie das auch so?
Nein, das ich sehe ich nicht so und das ist auch nicht richtig. Auf der ganzen Welt müssen sich Stahl-Unternehmen mit dieser Frage beschäftigen. Wir müssen eher aufpassen, dass wir nicht die Letzten sind.
Wir glauben immer, weil wir Deutschland sind, weil wir Europa sind, dass wir die Nase vorn haben. So ist es aber überhaupt nicht. ArcelorMittal ist ein globales Unternehmen und die stehen in starkem Standort-Wettbewerb miteinander. Es gibt schon Standorte, die das umsetzen. Wir müssen in die Gänge kommen. Ich habe heute mit der Geschäftsleitung gesprochen. Die Hoffnung ist, dass bis Ende des Jahres wirklich alle Genehmigungsbescheide da sind und dann kann das Unternehmen loslegen. So dass die Planung jetzt schon los gehen kann.
Es gibt auch Unternehmen, die Gewinne machen durch die Drosselung, aus dieser Krise. Aus Bremen gibt es den Vorstoß im Bundesrat eine Übergewinnsteuer einzuführen. War das heute Thema bei Ihrem Besuch?
Nur am Rande im Gespräch mit Andreas Bovenschulte. Dabei ging es aber eher um die Möglichkeiten des kartellrechtlichen Vorgehens. Die Argumente zur Übergewinnsteuer sind ausgetauscht. Jetzt verfolge ich in meiner Zuständigkeit einen Weg, solche Situationen, wo Unternehmen von Krisen profitieren, und aus der Krise Gewinne ziehen, die eigentlich der Gesellschaft helfen würden, wenn das mit Kartellen mit Monopolen, Oligopolen zusammengeht, über das Kartellrecht eine Möglichkeit zu schaffen, diese Übergewinne abzuschöpfen.
Bei der Energiedebatte haben Sie gesagt, ganz klar müsse das Ziel sein, die erneuerbaren Energien auszubauen und das schnell. Nun sind Sie in Bremerhaven. Windkraft spielte da mal eine riesige Rolle. War das heute auch Thema, welche Rolle Bremen bei dem Ausbau der Erneuerbarer Energien spielen kann?
Am Rande. Ich war häufig in Bremen und Bremerhaven und kenne die Geschichte. Und das muss man sagen, das ist eine der großen Tragiken der deutschen Industriepolitik. Alles war schon da, 5.000 Arbeitsplätze, Infrastruktur geschaffen, dann ging es ein bisschen los und dann ist es politisch nicht weiterverfolgt worden. Dann war das alles wieder weg. Ziemlich dumm, das muss man leider sagen, von Deutschland, etwas, das schon da war, das die Zukunft war, nicht zu halten oder gar zu zerstören. Jetzt fangen wir mit einem Neustart an und schauen, dass wir die Kapazitäten onshore und offshore wieder nach oben bekommen. Ich hoffe sehr, dass dadurch Industrie-Arbeitsplätze in den Häfen und in der Fertigung entstehen.
Auch in Bremen?
Auch in Bremen beziehungsweise Bremerhaven. Das ist jetzt ein Wettbewerb der Standorte. Da wird jetzt ein großer neuer Markt geschaffen. Es wäre tragisch, wenn der nur von Dänemark oder den Niederlanden bedient werden würde. Da sollte auch ein Stück vom Kuchen für uns abfallen. Das sind Investionsentscheidungen, die die Unternehmen treffen müssen. Aber die Gespräche dafür, das Hinführen, das will ich gern organisieren.

Habeck besucht das Land Bremen – samt Stahlwerk und Klimahaus

Bild: Radio Bremen

Autor

  • János Kereszti Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. Juni 2022, 19. 30 Uhr