Ghost Bikes: Wie Fahrräder an tödlich verunglückte Bremer erinnern

So gedenkt man bei Unfällen getöteter Radfahrer in Bremen

Bild: Radio Bremen | Martinvon Minden

In Bremen finden sich immer wieder weiße Fahrräder. Sie sollen an Radfahrer erinnern, die durch einen Unfall ums Leben kamen.

Unterhalb der Erdbeerbrücke steht momentan ein weißes Fahrrad – mit einer ganz besonderen Bedeutung. Es handelt sich nämlich um ein sogenanntes Ghost Bike, das auf einen dort verunglückten Radfahrer aufmerksam macht.

Ghost Bike am Brill erinnerte an schweren Radunfall

Auch 2018 – nach dem schweren Unfall, bei dem ein Lastwagen die 24-jährige Katharina Stella am Brill überfuhr, wurde so ein Ghost Bike aufgestellt. Auch wenn Birte Meckes, die Mutter der jungen Frau, den Brill als schlimmsten Ort Bremens in Erinnerung behält, ist sie froh über diese Geste.

Für mich war das Ghost Bike, das für Katharina aufgestellt wurde, etwas ganz Besonderes. Es hat diesem Moment ein anderes Gewicht gegeben und die Menschen noch mal darauf aufmerksam gemacht.

Birte Meckes, Mutter der Verstorbenen

ADFC möchte mit Ghost Bikes ein Zeichen setzen

Seit mehr als zehn Jahren tauchen solche Ghost Bikes immer wieder in der Stadt auf. Die weißen Fahrräder werden vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) aufgestellt. "Wir möchten uns nicht damit abfinden, dass Unfälle einfach passieren", erklärt Albrecht Genzel vom ADFC. Dem Verein gehe es dabei weniger darum, einen Erinnerungsort zu schaffen, sondern eher, ein Ausrufezeichen zu setzen. "Es ist ein Hinweis darauf, dass wir alle besser aufeinander Acht geben müssen. Denn böse Unfälle passieren nicht einfach, sondern immer fahrlässig."

Ein Grund für die Fahrlässigkeit sei laut ADFC unter anderem, dass die Radfahrerinnen und Radfahrer die zunehmende Geschwindigkeit – verstärkt durch die Elektromobilität – oft unterschätzen. So ist zwar die Zahl der Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt sind, so niedrig wie seit fünf Jahren nicht mehr: 1732 im Land Bremen, davon 229 in Bremerhaven. Doch die Todesfälle bleiben konstant: Vier Radfahrer starben im Straßenverkehr.

In Bremen stehen Ghost Bikes maximal 2 Monate

Auch in Bremerhaven finden sich Ghost Bikes, beispielsweise eines im Gewerbegebiet Wulsdorf. Im Gegensatz zu Bremen bleiben sie hier allerdings dauerhaft stehen. In Bremen selbst gibt es noch keine Regelung dafür, wie lange Ghost Bikes am Ort des Unfalls bleiben. Nach maximal zwei Monaten werden die Räder wieder weggeräumt – in Absprache mit der Polizei. Die Mutter der verstorbenen Katharina Stella würde sie am liebsten dauerhaft vor Ort lassen: "Es hat mich jeden Tag dahin gezogen, und ich finde, sie sollten stehenbleiben, vielleicht kann man aber auch Pflastersteine setzen, irgendwas, das zeigt, hier ist dann und dann ein Mensch ums Leben gekommen. Das würde mir sehr viel bedeuten."

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Autorin

  • Katja Runge

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. Dezember 2021, 19:30 Uhr