Ein Jahr Digitalpakt an Bremer Schulen: Das hat er gebracht

Angesichts der Corona-Krise kam er zu spät. Aber zumindest hat der Bund-Länder-Pakt für digitale Bildung an Schulen schon einiges angestoßen. Eine Zwischenbilanz.

Schülerinnen lernen während des Unterrichts am Alten Gymnasium Oldenburg (AGO) mit einem iPad. Das Alte Gymnasium gehört beim digitalen Lernen zu den führenden Schulen im Nordwesten.
Der Digitalpakt soll die Schulen ins digitale Zeitalter katapultieren. Bisher haben Bremen und Niedersachsen allerdings nur etwa fünf Prozent des Geldes bewilligt. (Symbolbild) Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich

Laptops, elektronische und interaktive Tafeln mit Internetanschluss, schnelles W-LAN, Fortbildungen für Lehrer – das alles soll mit dem milliardenschweren Programm finanziert werden. Bund und Länder hatten zuvor lange über die Finanzierung und Umsetzung des Paktes gestritten, ein Vermittlungsausschuss musste eingesetzt werden. Aus heutiger Sicht verschenkte Zeit. Bremen und Niedersachsen haben bisher nur etwa fünf Prozent des Geldes aus dem Digitalpakt bewilligt. Ein Grund: Jede Schule musste erst ein Medien-Konzept entwickeln.

Dazu kommt: Bundesgelder zu beantragen und auszuzahlen ist ein langwieriger Prozess. Deshalb hatte Bremen im vergangenen Jahr ein sogenanntes Initialbudget aus eigenen Haushaltsgeldern für die Schulen vorgestreckt. So konnten die Schulen im Vorgriff auf den Digitalpakt schon vergangenes Jahr loslegen. Zwischen 10.000 und 20.000 Euro gab es pro Schule.

An der Oberschule Helgolander Straße ist man schon recht weit mit der digitalen Ausstattung. Es gibt elektronische Tafeln, W-LAN sowie einen Greenscreen-Room, der mit Kamera, Beleuchtung, Stativ und drei Rollos (grün, schwarz, weiß) ausgestattet ist, damit man Personen filmen und anschließend den passenden Hintergrund einspielen kann. Die Lehrkräfte beherrschen die elektronische Lernplattform "itslearning". Es gibt Computerräume. Außerdem hat ein Viertel der rund 500 Schülerinnen und Schüler ein mobiles Netbook. Bezahlt wurden diese allerdings bisher von den Eltern.

Zu wenige Laptops an den Schulen

Die noch immer relativ schlechte Ausstattung der Schulen mit mobilen Geräten und schnellem Internet fiel ihnen jetzt in der Corona-Krise besonders schmerzhaft vor die Füße. Als die Schülerinnen und Schüler zum Lernen nach Hause geschickt wurden, konnten viele dort nicht lernen, weil sie privat keinen Computer haben. Auch brachen die Netze der Schulen immer wieder zusammen, wenn zu viele Lehrkräfte und Schüler auf "itslearning" zugreifen wollten. Inzwischen sind die Anfangsprobleme halbwegs behoben. Die Schulbehörden in Bremen und Bremerhaven haben fieberhaft nachgebessert. Lehrkräfte wurden an Ostern zum Thema digitales Lernen geschult, die W-LAN-Netze vor Ort verstärkt und mobile Leihgeräte organisiert.

Claudia Dreyer ist Schulleiterin am Gymnasium an der Hamburger Straße. Sie ist auch in der IT-Steuergruppe des Zentrums für Medien. Ihr Schule ist seit 2017 digitale Schule. Mit den ersten Mitteln aus dem Digitalpakt hat sie 20 I-Pads eingekauft. Und dennoch war auch ihre Schule anfänglich mit dem Ausnahmezustand durch die Corona-Krise überfordert.

Wir müssen zukünftig besser gewappnet sein und uns vermutlich auch noch mittelfristig – hoffentlich nicht langfristig – mit dem Thema 'Lernen zu Hause' in digitaler Form und Begleitung dabei auseinandersetzen. Das heißt auch, dass wir die Verfügbarkeit von digitalen Endgeräten und die Netzanbindung bei den Schülerinnen und Schülern zu Hause sicherstellen müssen.

Claudia Dreyer
Claudia Dreyer, Schulleiterin am Gymnasium an der Hamburger Straße

Abfrage in Bremerhaven

In Bremerhaven hatte der Schuldezernent nach den Osterferien in allen Schulen nachgefragt, wie viele Schülerinnen und Schüler zu Hause kein Endgerät und kein W-LAN besitzen. Für diese wurden dann Laptops oder I-Pads bestellt, für manche auch ein LTE Cube für W-LAN. Die Beschaffungen für die Leihgeräte laufen noch. Das Problem beim Digitalpakt: Bisher sollten nur zehn Prozent der Mittel aus dem Digitalpakt für Tablets und Co. ausgegeben werden.

Weitere Bundesmittel für mobile Endgeräte

Inzwischen aber will der Bund nachlegen. Rund 500 weitere Millionen Euro sollen an die Schulen gehen, um mobile Endgeräte anschaffen zu können. 150 Euro pro Schüler war die Summe, die der Bund ins Spiel gebrachte hatte. Jetzt soll das Geld über den Digitalpakt und die Länder an die Schulen gehen. Für Bremen sind das gut 4,8 Millionen Euro, die zusätzlich für mobile Endgeräte ausgegeben werden können. Für Niedersachsen circa 47 Millionen Euro. Bund und Länder sollen sich inzwischen über das Verfahren geeinigt haben, heißt es aus der Bremer Bildungsbehörde. Dort erarbeite man jetzt ein Konzept, wie und an welche Schulen das Fördergeld verteilt werden soll.

Auf fünf Jahre ist der Digitalpakt angelegt. Bis Ende 2024 können die mehr als fünf Milliarden Euro von den deutschen Schulen ausgegeben werden, um digital aufzurüsten. Jetzt aber muss alles schneller gehen, sagt auch Bremens Bildungssenatorin, Claudia Bogedan (SPD): "Die Corona Krise hat gezeigt, dass wir keine Zeit zu verlieren haben. Wir müssen jetzt noch schneller vorangehen, um alle digital fit zu machen." Das beinhalte beispielsweise noch mehr Fortbildungen für Lehrkräfte sowie Leihgeräte für Schüler. Die Digitalisierung habe durch die erhebliche Steigerung der Nutzung von Lernplattformen wie beispielsweise "itslearning" einen enormen Schub erfahren. Dies müsse jetzt fortgesetzt werden, sagt die Senatorin.

Der Digitalpakt: Was ist das überhaupt?

Video vom 29. August 2019
Eine Grafik mit der Aufschrift Digitalpakt, einer Schule und zwei Schülern.

Autorin

  • Heike Zeigler

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 15. Mai 2020, 6 Uhr