Wie Bremer Klinikclowns seit 20 Jahren Menschen begeistern

Audio vom 25. September 2021
Ein Klinikclown bläst für einen kleinen Patienten einen Luftballon auf
Bild: Bremer Klinikclowns e.V.
Bild: Bremer Klinikclowns e.V.

Seit Gründung ihres Vereins besuchen die Klinikclowns kranke Kinder, Menschen mit Behinderung und demente Senioren. Das kommt gut an bei den Zuschauerin.

Sie schubst ihn – er fällt vorne über – alle lachen: Julia Wiegmann und Christian Braun sind Klinikclowns. In ihren Rollen als Wilma und Kurt besuchen die beiden die Albert-Schweitzer-Wohnstätte in Bremerhaven. Hier leben 25 Menschen mit Behinderungen. Einmal im Monat bekommen sie Besuch von den Klinikclowns. Heute mit einer roten Clownsnase als Mitbringsel.

Spielerisch, tollpatschig treten die beiden Spaßmacher vor ihr Publikum. Wilma mit bunter Strumpfhose und einem pink-grünen Blumen-Oberteil. Kurt trägt eine blaue Hose und ein rot kariertes Hemd mit Hosenträgern. Dabei gehört zu ihrem Berufsalltag neben den Auftritten noch viel mehr: langjährige Erfahrung, Trainings und Fortbildungen helfen Wiegmann und Braun dabei, sich als Clowns immer weiter zu entwickeln. Denn eine feste Spielart gibt es nicht.

Das Besondere der Klinikclownerie

Julia Wiegmann hat sich ganz bewusst dafür entschieden, als Clown in Krankenhäuser zu gehen: "Clown sein ist ja erstmal ein großer Bereich. Da denke ich an Bühne und Zirkus. Da braucht es andere Motivationen und Techniken. Ich habe mich für die Klinikclownerie entschieden. Was mich daran reizt ist, dass ich nicht vorgefertigte Programme spiele, dieses Unvorhersehbare und Überraschende mich lebendig und wach macht."

Vor 20 Jahren gründete sie den Verein Bremer Klinikclowns. Angenommen wird die Arbeit des Vereins gut, dennoch würde Julia Wiegmann sich über mehr Wertschätzung für den Beruf freuen.

Das ist einfach eine ganz tolle und wichtige Arbeit, die wir leisten. Die man nicht einfach so wegdenken kann, die ins Gesundheitswesen gehört. Und klar wünschen wir uns, dass das mehr anerkannt wird.

Julia Wiegmann, Gründerin der Bremer Klinikclowns e.V.

"Simsalabim, dreimal schwarzer Kater…"

Zwei Clowns balancieren auf einem Bein stehend.
Aufwärmübung für die Spaßmacher vom Dienst: Julia Wiegmann und Christian Braun vor ihrem Auftritt in der Albert-Schweitzer-Wohnstätte. Bild: Radio Bremen | Orestis Skenderis

Und auch Christian Braun ist von der besonderen Energie zwischen Klinikpublikum und Clown ergriffen: "Was mich so reizt, ist der besondere Moment, den man da gemeinsam kreiert. Dass Humor in Situationen getragen wird, wo es Menschen gerade mal nicht so gut geht. Ein Moment, wo Menschen auch mal aussteigen können, aus dem, was sie sonst so belastet."

Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern der Albert-Schweitzer-Wohnstätte kommt der Auftritt der Klinikclowns Wilma und Kurt gut an. Ihnen gefällt das leichtfüßige Rumhopsen der Clowns und ihr Engagement: "Ich finde, dass die Clowns ganz gut sind hier für uns. Und vor allem finde ich das gut, dass die das für uns machen können."

Nicht alle sind begeisterungsfähig

Aber nicht alle schauen sich die Auftritte der beiden an. Einige fehlen, haben kein Interesse. Einer davon ist Volker, erzählt Julia Wiegmann. Er würde oft aufstehen und gehen, wenn die Clowns ihre Arbeit beginnen würden. "Heute kam er plötzlich rein, hat sich hingesetzt, hat geklatscht. Das habe ich wahrgenommen. Ich habe mich sehr gefreut", berichtet die Clownfrau.

Christian Braun und Julia Wiegmann sind mit ihrem Auftritt in der Albert-Schweitzer-Wohnstätte zufrieden. Rund 40 Minuten spielen, tanzen und blödeln sie mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Jeder Auftritt ist anders und spontan. Für Christian Braun gehört dazu, Neues ausprobieren um frisch zu bleiben. Denn eine Garantie für einen guten Auftritt gebe es nicht. In einem Monat werden sie wieder hier sein. Und erneut die Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrer Tollpatschigkeit, den Zaubertricks und der Musik zum Lachen bringen.

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Autor

  • Orestis Skenderis Volontär

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 4. September 2021, 9:15 Uhr