Fragen & Antworten

Kinder-Schwimmkurse starten wieder: Bremer Anbieter völlig überlaufen

In dieser Woche sind die ersten Schwimmkurse für Kinder in Bremen und Bremerhaven wieder gestartet. Doch viele Eltern verzweifeln, denn es fehlen freie Plätze.

Video vom 9. Juni 2021
Ein paar Kinder stehen mit Poolnudeln am Beckenrand in einem Schwimmbad.
Bild: Radio Bremen
Bild: DPA | Fabian Sommer

Die Bremer Bäder haben es groß angekündigt: Die Schwimmkurse gehen weiter. Kinder und Eltern freut das, doch in ganz Bremen gehen auch viele leer aus. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst.

Wann und wo lernen Kinder in Bremen normalerweise schwimmen?
In Nicht-Pandemie-Zeiten ist das Angebot an Schwimmkursen in Bremen relativ groß, auch wenn es schon vor Corona mitunter zu Engpässen gekommen ist. Die Bremer Bäder bieten Schwimmkurse an, genauso wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), verschiedene Schwimmvereine und einige private Schwimmschulen. Außerdem haben eigentlich alle dritten Klassen in der Schule Schwimmunterricht. All' diese Kurse sind im vergangenen Jahr komplett ausgefallen oder wurden abgebrochen.
Wie ist die aktuelle Lage in Bremen: Wer bietet wo Schwimmkurse an?
Im Moment bieten vor allem die Bremer Bäder Schwimmkurse an sowie die kleineren Schwimmschulen. Die DLRG und die Schwimmvereine stehen ebenfalls ungeduldig bereit. Zurzeit haben sie allerdings deutlich weniger Beckenzeit in den Bremer Bädern als sonst – und müssen ihre Angebote deshalb weiterhin stark einschränken. In Bremerhaven finden Intensivkurse statt, in denen noch einzelne Plätze frei sind.

Die Angebote richten sich zurzeit übrigens ausschließlich an ältere Kinder. Schwimmkurse für Babys und Kleinkinder finden aktuell nicht statt.
Wie viele Plätze fehlen aktuell für Kinder, die eigentlich schwimmen lernen sollten?
Eine genaue Zahl gibt es nicht. Im Prinzip fehlt einem kompletten Jahrgang von Kindern der Schwimmunterricht – vom Babyschwimmen bis zum Schwimmabzeichen "Gold". Dieser Rückstau macht sich auf den Wartelisten bemerkbar und die sind bei allen Anbietern sehr lang. Allein bei den Bremer Bädern sind nach eigenen Angaben durch das "verlorene" Jahr rund 10.000 Plätze in Schwimmkursen weggefallen.
Welche Lösungen gibt es für das Problem?
In Bremerhaven sollen die Intensivkurse, die schon laufen, zunächst die größten Lücken füllen. Auch in Bremen sollen in den Sommerferien solche Kurse stattfinden. Schon im vergangenen Sommer hat das Programm "1.000 Abzeichen" einige der ausgefallenen Kurse ersetzt – und Kinder zu einem Schwimmabzeichen gebracht.

Außerdem arbeitet die DLRG an einem Konzept zu Schwimmunterricht in den Bremer Badeseen. Martin Reincke, Präsident des DLRG Bremen, hofft, dass es klappt mit dem sogenannten "Seetraining". Er sagt: "So könnten wir ganz vielen Kindern ein Angebot machen."
Was ist die Sorge der DLRG?
Die DLRG warnte schon im vergangenen Jahr davor, dass die fehlenden Kurse zu mehr Badeunfällen führen könnten. Die DLRG zählte damals deutlich mehr Familien mit kleinen Kindern an den Bremer Badeseen, so Martin Reincke. Rund 200 Mal mussten die Rettungsschwimmer helfen. Ob das an den fehlenden Schwimmkursen lag, lässt sich aber nicht belegen. Badetote gab es im Sommer 2020 lediglich zwei in Bremen.

Laut Martin Reincke steigt die Zahl der Rettungseinsätze schon seit rund zehn Jahren stetig an. "Das sind erheblich mehr geworden", sagt der Bremer DLRG-Präsident. Das Problem: Menschen, die nicht sicher schwimmen können, paddeln aufs Wasser bis sie erschöpft sind – und müssen dann von der DLRG zurückgeholt werden. Solche Einsätze gehen meist glimpflich aus. Für die DLRG seien sie aber ein Zeichen eines Kulturwandels beim Schwimmen – und ein Warnsignal, so Reincke.
Was können Eltern tun?
Viele Kinder und Eltern müssen wohl weiterhin vor allem Geduld haben. Wer keinen Platz im Schwimmkurs bekommen hat, kann aber trotzdem mit der Wassergewöhnung weitermachen. Am besten ohne Druck, empfiehlt Schwimmlehrer Jörg Preuß vom Schlossparkbad in Sebaldsbrück. Planschen, blubbern und paddeln können Kinder schließlich auch ohne Schwimmabzeichen.

Ganz grundsätzlich gilt: Kinder sollten nie unbeaufsichtigt sein im Wasser – und zwar unabhängig davon, ob sie schon einen Schwimmkurs besucht haben oder nicht.

Das ist das Hygienekonzept für die Eröffnung der Bremer Bäder

Video vom 28. Mai 2020
Das Schwimmbecken des Stadionbades in Bremen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Sarah Kumpf Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 9. Juni 2021, 19:30 Uhr