Zootiere aus Geldmangel notschlachten – ist das wirklich möglich?

Ein Zoo in Schleswig-Holstein sorgt für Aufruhr: Er will seine Tiere angeblich notschlachten, wenn das Geld wegen der Corona-Krise knapp wird. Kann das passieren – auch in Bremen?

Zwei junge Eisbären toben auf Steinen.
Auch der Zoo am Meer leidet unter der Corona-Krise. Bild: Zoo am Meer

Seit mehreren Wochen sind die Tore der Zoos und Tierparks in Deutschland wegen der Corona-Krise geschlossen. Und wenn es keine Besucher gibt, gibt es auch kaum Einnahmen. Doch die Kosten laufen weiter.

Für den Fall, dass das Geld so knapp werden sollte, dass die Versorgung der Tiere nicht mehr gewährleistet werden kann, hat ein Tierpark in Neumünster nach eigenen Angaben einen Notfallplan erarbeitet – und damit für Empörung gesorgt. Denn im Fall der Fälle sollen einige Tiere geschlachtet werden, um die anderen weiter ernähren zu können. Aber wie wahrscheinlich ist es, dass diese Pläne wirklich umgesetzt werden – und könnte das auch im Zoo am Meer in Bremerhaven passieren?

Tatsächliche Schlachtungen unwahrscheinlich

Dass der Tierpark in Neumünster wirklich Tiere wegen der Corona-Krise schlachten muss, ist unwahrscheinlich: Laut Zoodirektorin Verena Kaspari haben bereits andere Parks Fisch- und Fleischlieferungen zugesagt, falls die Situation sich dramatisch verschlechtert.

Darüber denken wir nicht einmal nach.

Bastian Lange, Tierarzt Zoo am Meer in Bremerhaven

Auch den Zoo am Meer in Bremerhaven trifft die aktuelle Situation hart. Normalerweise hätte es an Ostern große Umsätze gegeben, 3.500 Menschen täglich kommen laut Direktorin Heike Kück sonst in den Osterferien. Durch die Schließung verliere der Zoo am Meer jeden Tag etwa 23.000 Euro. Doch Notschlachtungen von Tieren – "darüber denken wir nicht einmal nach", sagte Zootierarzt Bastian Lange. "Da lassen sich immer andere Mittel und Wege finden."

Zoologische Gärten fordern Rettungsschirm

Sebastian Scholze, Sprecher des Verbands der zoologischen Gärten, hat von keinen vergleichbaren Plänen wie denen in Neumünster gehört, wie er sagte. "Das ist nicht das Thema, was wir derzeit haben", so Scholze weiter. Denn: Nicht die Futterkosten seien die höchsten Ausgaben der Zoos, sondern das Personal.

Laut Scholze gehen aktuell zwar in vielen Zoos Spenden ein, für die man sehr dankbar sei. Doch um wirklich über die Runden zu kommen, müssten laut Verband die Zoos mit in den Rettungsschirm der Regierung aufgenommen werden. Deshalb habe der Verband bereits Ende März für seine 56 Mitglied-Zoos ein Soforthilfe-Programm in Höhe von 100 Millionen Euro erbeten.

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Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 16. April 2020; 23:30 Uhr