Fragen & Antworten

Wird Zugfahren zwischen Bremen und Bremerhaven günstiger?

Zugtickets in Bremerhaven und Bremen sind jungen Mitgliedern der SPD zu teuer. Sie haben eine Petition gestartet und fordern, dass der Preis mehr als halbiert wird.

Video vom 19. Februar 2021
Auf einem Handy sind Preise für Zugtickets zu erkennen.
Bild: Radio Bremen | Jan Harbers
Bild: Radio Bremen | Jan Harbers

Mit dem Zug von Bremerhaven nach Bremen fahren – oder auch andersherum – ist den Jusos aus Bremerhaven zu teuer. Die jungen Politikerinnen und Politiker der SPD haben deshalb eine Petition gestartet. Die wird an diesem Freitag im Petitionsausschuss der Bürgerschaft diskutiert. Ihr Wunsch: Ein Tagesticket für maximal 10 Euro für Bremen, Bremerhaven und die Strecke dazwischen. Mehr als 400 Personen haben mittlerweile unterzeichnet.

Was kostet eine Fahrt von Bremen nach Bremerhaven?
Ein Tagesticket, mit dem man sich in Bremen, Bremerhaven und auf der Strecke dazwischen bewegen kann, kostet aktuell 23 Euro.
Welche Argumente liefern die Jusos?
Sie verweisen darauf, dass Preis, Strecke und Nutzungsmöglichkeiten nicht zusammenpassen. Als Beispiel nennen sie unter anderem das Niedersachsenticket, mit dem man beispielsweise von Emden nach Göttingen fahren kann, das ebenfalls 23 Euro kostet. Dabei ist das in etwa die fünffache Strecke im Vergleich zu Bremen-Bremerhaven, so die Jusos. Außerdem sollte eine Bahnfahrkarte nicht mehr kosten als eine Fahrt mit dem Auto. Sie haben selbst ausgerechnet, dass Hin- und Rückfahrt mit einem Pkw zwischen beiden Städten rund 17 Euro kostet – eingerechnet haben sie maximale Verschleißkosten. Dementsprechend gebe es keinen Anreiz, auf die Bahn umzusteigen. Ein 10-Euro-Ticket könnte außerdem die Autobahn entlasten und die CO2-Bilanz verbessern. Außerdem könnte das Ticket einen Besuch beider Städte für Touristen attraktiver machen und auch den Austausch zwischen Bremerhavenern und Bremern stärken, finden die Jusos.
Wie sieht es in anderen Regionen aus? Kann man da günstiger Bahn fahren?
In vielen Städten sind die Tickets günstiger. In Berlin gibt es zum Beispiel das von den Jusos geforderte 10-Euro-Tagesticket. Und wenn man mal berechnet, wie viel Strecke man damit zurücklegen kann, ist das deutlich mehr als im Land Bremen. Denn mit dem Berliner Ticket kann man am Tag rund 2.000 Kilometer fahren, hier in Bremen und Bremerhaven gerade mal rund 1.000 Kilometer. Und in diese 1.000 Kilometer ist die Strecke zwischen Bremen und Bremerhaven auch schon mit eingerechnet.
Was sagt die Politik dazu?
Bremens Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne) hat vor einigen Wochen schriftlich auf die Petition reagiert. Jetzt, kurz vor dem Petitionsausschuss, wollte sie sich nicht erneut äußern. In dem Schreiben aus dem Dezember an den Vorsitzenden des Petitionsausschusses teilte Schaefer unter anderem mit, dass ein Tagesticket zwischen Bremerhaven und Bremen aus ihrer Sicht nicht mit einem Tagesticket aus Berlin oder Hamburg vergleichbar sei. Denn dort gelte das Ticket jeweils nur innerhalb einer Stadt, für Bremen und Bremerhaven gebe es schließlich auch jeweils Städtetickets. Das vergleichbare Ticket für die Stadt Bremen kostet 8 Euro, für Bremerhaven 7 Euro. Auch der Vergleich mit dem Niedersachsenticket für 23 Euro hinkt laut Schaefer, da das Niedersachsenticket montags bis freitags erst ab 9 Uhr gültig ist. Darüber hinaus weist sie darauf hin, dass beim Tagesticket des VBN zwischen Bremen und Bremerhaven jede weitere Person 3 Euro kostet, beim Niedersachsenticket sind es 5 Euro.
Gibt es Hoffnung, dass das günstige Ticket bald kommt?
An diesem Freitag wird das Thema erstmal von Politikerinnen und Politikern im Petitionsausschuss der Bürgerschaft diskutiert. Die Grüne Jugend sowie die Bremerhavener CDU haben bereits mitgeteilt, dass sie den Vorschlag prinzipiell gut finden. Eine generelle Absenkung der Tarife des VBN ist laut Mobilitätssenatorin Schaefer grundsätzlich möglich. Und sie stimme zu, dass der öffentliche Nahverkehr attraktiver werden müsse. "Unter den derzeitigen finanziellen Randbedingungen" werde nach Angaben von Schaefer derzeit aber eher überlegt, zunächst die Preise für Schüler, Auszubildende, Freiwilligendienstleistende und Bezieher von Sozialleistungen zu senken. Zudem werden laut Schaefer aktuell andere Modelle, wie etwa das 365-Euro-Ticket, mit dem man das ganze Jahr fahren könnte und somit nur einen Euro pro Tag zahlen müsste, geprüft.
Wie geht es nach dem Petitionsausschuss weiter?
Der Petitionsausschuss verfasst nach den Beratungen eine Stellungnahme zu dem Thema und legt sie der Bürgerschaft als Empfehlung vor. Die Bremische Bürgerschaft entscheidet dann, ob das Thema an den Senat weitergegeben wird oder nicht.

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Autoren

  • Sonja Harbers Autorin
  • Leonard Steinbeck

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. Februar 2021, 19:30 Uhr