Fragen & Antworten

So reagieren Sie nach einem Zeckenbiss richtig

Nach dem milden Winter entwickeln sich Zecken derzeit in und um Bremen zur Plage. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Zecken.

Zecke auf behaarter Haut.

Zecken mögen ein warmes und feuchtes Klima – laut Schutzgemeinschaft Deutscher Wald fühlen sie sich bei Temperaturen zwischen 14 und 23 Grad am wohlsten. Ein Biss der Blutsauger ist unangenehm, oftmals bemerkt man die anfangs nur wenige Millimeter großen Tiere aber gar nicht – mit teilweise gefährlichen Folgen, denn viele Zecken übertragen Krankheiten.

Das Wichtigste zuerst: Wie werde ich eine Zecke los?
Zeckenexpertin Ute Mackenstedt von der Uni Hohenheim rät zu Pinzette oder Zecken-Karte. Sie selbst benutzt den "Kuhfuß" (Zeckenhaken): "Ich finde, damit kann man sie ganz gut erfassen und raushebeln." Wenn man kein Hilfsmittel zur Verfügung hat: einfach mit den Fingern rausziehen mit einem kräftigen Ruck.
Was hilft gegen Zecken und was nicht Zeckenkarte Zeckenzieher Pinzette Öl Eiswürfel Klebstoff Mit Fingern entfe r nen
Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Uni Hohenheim
"Öl ist aussichtslos," sagt die Expertin. Deshalb rät sie davon ab: Zecken atmen nur etwa acht Mal am Tag. Sie ersticken zu wollen, schlägt in der Regel fehl. Zur Verdeutlichung: Selbst einen Schleudergang in der Waschmaschine überleben sie unbeschadet.
Wie man Zecken entfernt, hält die Zeckenfachfrau Mackenstedt für nicht so relevant. Entscheidend ist, die Wunden danach genau zu beobachten und mit einem Stift einen Kreis darum zu malen. Ob die Zecke beim Entfernen wirklich vermehrt Erreger in die Wunde abgibt, ist nicht erwiesen.
Was passiert, wenn der Kopf der Zecke in der Haut stecken bleibt?
Diese Annahme ist ein Irrtum – nicht der Kopf bleibt in einigen Fällen in der Haut stecken, sondern Reste der Beißwerkzeuge. Das kann zwar zu einer örtlichen Entzündung führen, eine gefährliche Krankheit wie Borreliose oder aber eine Hirnhautentzündung kann dadurch aber nicht ausgelöst werden. Steckt die Zecke bis zu 12 Stunden in der Haut, besteht nahezu keine Infektionsgefahr. Danach steigt die Infektionsgefahr exponentiell an.
Welche Krankheiten können durch Zecken übertragen werden und in welchen Regionen kommt das besonders häufig vor?
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis – kurz FSME – wird hauptsächlich von Zecken übertragen. Der Virus gelangt über einen Zeckenbiss in den Körper und kann zu einer Hirnhautentzündung führen. Eine zweite schwere Krankheit ist die Lyme-Borreliose, die durch Bakterien ausgelöst wird und ebenfalls durch einen Biss einer infizierten Zecke übertragen werden kann. Etwa 30 Prozent aller Zecken in Deutschland tragen diese Erreger in sich. Doch nicht jede infizierte Zecke überträgt die Bakterien automatisch. Verschiedene Faktoren spielen hier eine Rolle, zum Beispiel wie lange sich die Zecke in der Haut fest beißt. Infizierte Zecken treten in ganz Deutschland auf. Bei FSME sieht es anders aus: Das Robert Koch Institut (RKI) stuft hier weite Teile Baden-Württembergs und Bayerns sowie einige Regionen in Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen und Sachsen als FSME-Risikogebiete ein.
In Norddeutschland muss man sich bezüglich FSME also keine Sorgen machen?
2019 wurde erstmalig auch der Landkreis Emsland in Niedersachsen zum FSME-Risikogebiet erklärt – es ist das nördlichste Risikogebiet in ganz Deutschland. Ob FSME in Zukunft auch in Bremen oder anderen Regionen Niedersachsens zur Gefahr werden könnte, kann nur schwer vorausgesagt werden. In Bremen besteht – im Gegensatz zu Bayern oder Baden-Württemberg – keine Meldepflicht der aufgetretenen FSME-Fälle.
Wie erkennt man, dass man von eine infizierten Zecke gestochen wurde?
Das erste Stadium der Borreliose ist eine kreisförmige Rötung der Haut, die hin zur Bissstelle verblasst. Sie tritt meistens sieben bis zehn Tage nach dem Biss auf und juckt nicht. Wenn Betroffene solch eine Rötung feststellen, sollten sie schnell einen Hautarzt aufsuchen. Der Biss muss dann mit einer mehrwöchigen Antibiotika-Kur behandelt werden, um die Erkrankung zu stoppen. Das zweite Stadium erkennt man an starken Schmerzen im Gesicht und Lähmungen, im dritten Stadium kommt es zusätzlich zu Gelenkproblemen oder chronischer Müdigkeit.
Bei einer FSME-Infizierung treten etwa sieben bis 14 Tage nach einem Zeckenbiss ähnliche Symptome wie bei einer Grippe auf: Man fühlt sich schlapp, hat Fieber, Kopfschmerzen und Schwindel.
Wann ist eigentlich Zecken-Saison?
Zecken können sich erst ab etwa sieben Grad Celsius bewegen und vermehren. Sie brauchen Wärme, deswegen besteht auch ab dem späten Frühjahr und während der Sommermonate eine erhöhte Gefahr, sich einen Zeckenbiss einzufangen. Richtig heißes Wetter mögen Zecken wiederum nicht und werden wieder inaktiver, sagt Dr. Andreas Gerritzen, Leiter des Medizinischen Labors Bremen.
Wo lauern Zecken?
Zecken fallen nicht etwa von Bäumen, wie viele meinen. Sie leben insbesondere in bewaldeten Gebieten, meist in halbhohem Gras oder in Gebüschen. Zecken warten auf einen Kontakt mit einem Menschen oder einem Tier und klammern sich dann an den jeweiligen Wirt.
Warum "beißen" Zecken eigentlich?
Zecken beißen nicht, sondern stechen streng genommen. Über ihren Stechrüssel saugen sie das Blut ein und ernähren sich damit. Der Speichel der Zecke verhindert einerseits, dass das Blut gerinnt. Darüber können aber auch Krankheitserreger übertragen werden.
Was macht man mit einer Zecke, die man entfernt hat?
Wer Zecken im Waschbecken oder in der Toilette versenken will, bekommt bald wieder Besuch von ihr, denn das beeindruckt sie nicht, sagt Zeckenexpertin Ute Mackenstedt. Um sie für immer loszuwerden, gebe es nur vor allem diese drei Möglichkeiten: "Zerdrücken, zerquetschen oder abfackeln." Mackenstedt selbst wirft die lebenden Tiere einfach wieder zurück ins Gras: "Bei Milliarden von Zecken macht die eine den Kohl auch nicht fett".

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. Juni 2019, 19:30 Uhr