Infografik

Nur jedes zweite Kind in Bremen geht regelmäßig zum Zahnarzt

Wer in Bremen lebt, dessen Zahnversorgung ist nicht ganz billig. Eine neue Studie fühlt der Republik auf den Zahn und zeigt besorgniserregender Details auf.

Ein kleiner Junge mit einer Zahnbürste blickt in die Kamera.
Kleine Kinder muss man früh an Mundhygiene heranführen – was in Bremen oft nicht geschieht. Bild: DPA | Bodo Marks

Die Krankenkasse Barmer GEK listet im neuen Zahnreport auf: Wer geht regelmäßig zur Prophylaxe, wer lässt sich mit Kronen versorgen, Zähne ziehen oder Beißschienen anfertigen. Und vor allem: Was kostet das alles und was zahlen Patienten aus eigener Tasche? Die Studie stellt dabei wieder große regionale Unterschiede fest. Die wichtigste Diagnose für Bremen: Die Bremer sind Zahnarztmuffel. 64,7 Prozent lassen sich ein- oder mehrmals im Jahr beim Zahnarzt blicken. Das bedeutet aber auch: Ein Drittel bleibt ihm fern. Damit liegt das Land Bremen unter dem Bundesdurchschnitt (71,5 Prozent). Nur die Saarländer gehen noch seltener zum Zahnarzt.

Basis der Studie sind die Daten der Versicherten bei der Barmer Ersatzkasse (siehe Infokasten). Michael Walter, der am diesjährigen Zahngesundheitsatlas mitgearbeitet hat, macht vor allem Sorge, dass nicht nur die Erwachsenen den Gang zum Zahnarzt meiden. Bremen und das Saarland sind die Schlusslichter, wenn es um die Früherkennungsuntersuchungen bei Kleinkindern geht. Nur gut 30 Prozent der Eltern stellen ihre Kleinkinder beim Zahnarzt vor. Bei Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 17 Jahren sieht es in Bremen noch übler aus: Nur rund die Hälfte war laut Studie 2017 zur Überprüfung beim Zahnarzt. Walters Vermutung: "Wenn man Prophylaxe in dem Alter nicht wahrnimmt, dann legt man den Grundstein für eine schlechte Zahngesundheit im späteren Leben."

In der Kindheit wird das Gesundheitsbewusstsein entwickelt.

Michael Walter, Medizinische Fakultät der TU Dresden

Wenige Zahnarztbesuche, doch teure Behandlungen

Während in Bremen der Eigenanteil an den Zahnbehandlungskosten im Mittelfeld liegt, sind die Gesamtkosten vergleichsweise hoch beim Zahnersatz: Mit 1.745 Euro im Jahr belegt das Land Bremen den dritten Platz hinter Niedersachsen und Bayern. Woher das rührt? Walter vermutet: "Je weniger die Leute zum Zahnarzt gehen, um so mehr muss gemacht werden."

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Insgesamt gebe es bei der zahnmedizinischen Versorgung in Deutschland zum Teil dramatische regionale Unterschiede. Der Einsatz von neue Kronen und Brücken war in Niedersachsen und Bremen deutlich teurer als in ostdeutschen Bundesländern.

Der Eigenanteil liegt in Bremen hingegen vergleichsweise niedrig im moderaten Mittelfeld. Walter vermutet, das hängt auch damit zusammen, dass in Bremen überdurchschnittlich viele Patienten von bestimmten Zuzahlungen nicht betroffen sind: Hier gibt es laut Zahnreport doppelt so viele Härtefallregelungen als in Bayern.

Schlechte Prophylaxe bedeutet nicht schlechtere Zähne

Ein Patient in einer Zahnarztpraxis während einer Behandlung
Gut zwei Drittel der Bremer gehen ein- oder mehrmals im Jahr zum Zahnarzt.

Studien zu lesen ist eine Kunst. Und so beteuert Walter, dass sich aus dem Zahnreport nicht ableiten ließe, wie es um die individuelle Zahngesundheit der Bremer bestellt sei. Ob Zahnfüllungen, Brücken, Kronen oder gar Zahnextraktionen: Bremen liegt da teilweise sogar noch unter dem Bundesdurchschnitt. Wie das mit den hohen Ausgaben zusammenpasst? Walter hat zwei Vermutungen: Dadurch, dass manche Bremer verhältnismäßig selten zum Zahnarzt gehen, sind deren Behandlungen entsprechend aufwendiger und langwieriger. Und die Bonushefte zeigen weniger Wirkung.

Walter beklagt, dass die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen offenbar noch nicht bekannt genug sind und nach wie vor Angst vor dem Arzt sowie die drohende finanzielle Eigenleistung wichtige Rollen spielen. Sein Apell als Arzt: "Man muss nicht zweimal im Jahr zum Zahnarzt gehen. Einmal sollte schon reichen."

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Autorin

  • Eva Linke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 11. Juli 2019, 10:00 Uhr