Verwirrung um WHO-Empfehlung: Sollte ich trotz Corona zum Zahnarzt?

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Zahnarztbesuche nur in dringenden Fällen. Doch Bremer Zahnärzte sehen das anders – aus vor allem einem Grund.

Ein Patient beim Zahnarzt in Behandlung
Die Zahnärzte sehen eher keine erhöhte Infektionsgefahr. Bild: Radio Bremen

Verunsichernde Nachrichten für alle, die den Sommerurlaub mal wieder für eine Zahnkontrolle nutzen wollten: Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, nur bei wirklich dringenden Fällen den Zahnarzt zu besuchen und Vorsorgetermine lieber zu verschieben.

Als Begründung nennt die WHO die Aerosole, also winzige Tröpfchen in der Luft. Die flögen beim Zahnarzt-Besuchen aus dem weit geöffneten Mund, vor allem, wenn gebohrt und gespült wird. Deswegen hält die WHO Zahnärzte und ihre Helfer und Helferinnen für stark infektionsgefährdet.

Allerdings schränkt die Weltgesundheitsorganisation diese Ansage selbst ein: Sie empfiehlt, nach den jeweiligen gesundheitspolitischen Richtlinien vor Ort zu handeln – und für Deutschland gibt es die Ansage, nur in dringenden Fällen zum Zahnarzt zu gehen, ausdrücklich nicht.

Zahnärzte kritisieren Empfehlung

Und das ist so auch angemessen, finden die Zahnärzte – zum Beispiel Jörg Bauer, Geschäftsführer der Zahnärztekammer Bremen. Er sagt, die WHO-Empfehlung sei global gedacht. Und für manche Länder sei das auch sinnvoll, da das Infektionsrisiko wegen vieler Corona-Fälle dort höher ist. Doch in Deutschland gelte es berechtigterweise nicht, da es hohe Hygienestandards gebe. In Bremen und Deutschland kenne er außerdem keinen einzigen Fall, bei dem sich jemand in einer Zahnarztpraxis angesteckt hat.

Unter den Patienten ist die Meinung unterschiedlich: Laut einer Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung haben seit März 20 Prozent der Befragten einen Termin beim Zahnarzt wegen Corona zumindest verschoben. Ein ähnlich gemischtes Bild lässt sich auch auf Bremens Straßen einfangen. So sagt ein Passant: "Ich wollte ehrlich gesagt diesen Sommer hingehen. Die haben ja eh einen Mundschutz auf und wenn es für meinen Zahnarzt okay ist, dann hätte ich da auch keine Bedenken." Eine Passantin dagegen erzählt, dass sie einen Termin abgesagt hat und nur hingeht, wenn es unbedingt sein muss.

Rückblick März: Zu wenig Schutzmaßnahmen: Corona-Gefahr im Beruf?

Video vom 27. März 2020
Ein Mann und eine Frau stehen hinter einem Tresen in einer Arztpraxis. Beide tragen einen Mundschutz.
Bild: Importer

Autor

  • Jens Otto

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, der Nachmittag, 13. August 2020, 14:15 Uhr