Interview

Weltpressefoto-Nominierung für Bremerin: Das sagt die Fotografin

Zwei Eisbären schleichen um das Forschungsschiff "Polarstern" herum – die Fotografin der Arktis-Expedition "Mosaic" erzählt, wie sie diesen Moment erlebt hat.

Zwei Eisbären stehten im Licht eines Scheinwerfers und begutachten rote Fähnchen.
Dieses Foto von Esther Horvath ist für den World Press Photo Award in der Kategorie Umwelt als Einzelbild nominiert. Bild: Esther Horvath für The New York Times

Die gebürtige Ungarin Esther Horvath begleitet die Polarregion bereits seit 2015 fotografisch, jetzt ist sie damit für den renommierten World Press Photo Award nominiert worden. Genauer: Für das Bild einer Eisbärin samt Nachwuchs. Ein Highlight für die 41-Jährige, die erst vor zwei Jahren nach Deutschland kam, in Bremen wohnt und beim Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven arbeitet. Zuvor lebte und studierte sie Fotografie in den USA. Nach kurzer Unterbrechung reist sie Ende März zurück in die Arktis, um ihrer ganz persönlichen Mission zu folgen.

Wie ist das Eisbären-Foto entstanden?
Das Foto entstand zu Beginn der Expedition, eines Abends nach dem Abendessen. Ich war draußen auf dem Schiff, es war Zufall, dass die Eisbärin mit ihrem Jungen nahe heran kamen, auf vielleicht 30 Meter. Die beiden waren neugierig und haben unsere Ausrüstung auf dem Eis ausgecheckt. Es war ein schöner Moment, von dem ich schon vor der "Mosaic"-Expedition geträumt habe. Ich bin keine Wildlife-Fotografin, aber habe mir Eisbären herbei gewünscht. Ich wollte zeigen, dass wir Gäste im Land der Eisbären sind und sie uns dort besuchen kommen. Als es so weit war, habe ich gemerkt, dass wir etwas sehr, sehr besonderes im Scheinwerfer des Schiffes erleben. Es war ein visuelles Erlebnis, das ich noch nirgends gesehen habe.
Eine Frau steht in einer roten Jacke mit Kopflampe und Kamera im Schnee.
Die Mission der Fotografin Esther Horvath ist es, Aufmerksamkeit auf die fragile Umwelt der Arktis zu lenken. Bild: Alfred-Wegener-Institut | Jakob Stark
Was bedeutet Ihnen die Nominierung?
Es ist für jede Fotografin ein Traum, für den World Press Photo Award nominiert zu sein. Das ist einer der großen Erfolge und Freuden meiner Fotografie. Auch ich habe davon geträumt Preisträgerin zu sein. Nun bin ich unter den Top 3 in der Kategorie Umwelt, Einzelbild. Ein anderes nominiertes Foto zeigt die Brände in Kalifornien. Jetzt warte ich, ob es Platz eins, zwei oder drei wird. Teil der weltweiten Ausstellung ist das Foto definitiv, es wird in etwa einem Jahr auch in Oldenburg ausgestellt. Ich sehe es aber nicht als mein Preis sondern als Auszeichnung für die Zusammenarbeit und für die Reise, die für mich 2015 angefangen hat. Auf diesem Weg gab es viele Leute, die an mich geglaubt und mich unterstützt haben. Es gibt einige ganz besondere Menschen, die dazu beigetragen haben, dass ich hier bin. Auch für das Vertrauen und die Unterstützung vom AWI bin ich sehr dankbar. Am 16. April wird das Ergebnis bekannt gegeben. Ich bin dann bereits wieder auf der Polarstern. Eine Freundin fährt für mich zur Preisverleihung nach Amsterdam, ich freue mich dann wieder in der Arktis zu sein.
Wie ist es unter extremen Bedingungen in der Arktis zu fotografieren?
Sehr kalt, -35 bis -45 Grad. Man muss sich sehr gut vorbereiten. Dabei hilft mir meine Erfahrung. Wichtig ist, sich gut anzuziehen. Vor allem an den Händen, die schnell vor Kälte schmerzen. Mein Trick ist, erst dünne Handschuhe mit einem Handwärmer anzuziehen und darüber Fausthandschuhe. Ich habe gelernt damit die Kamera zu bedienen, alles andere wäre viel zu kalt. Für die Technik ist es eine Herausforderung. Ich bin täglich sieben Stunden draußen unterwegs und habe dann immer zwei Profi-Spiegelreflexkameras dabei. Eine davon geschützt, damit ich sie austauschen kann, wenn Spiegel oder Zoom nicht mehr funktionieren. Auf dem Schiff kann ich sie dann langsam auftauen lassen und wieder zum Leben erwecken.
Was verbindet Sie mit der Polarregion?
Seit 2015 begleite ich diese Gegend fotografisch. Zum ersten Mal war ich dort im Auftrag eines US-Magazins. Da habe ich mich in die Umgebung verliebt. Ich beschloss, mich auf die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern zu konzentrieren. Um Aufmerksamkeit auf diese sich am schnellsten verändernde Umwelt zu lenken. Ich spüre ständig die Mission in mir, diese Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die Kombination aus Information und Dokumentation ist wichtig.

Einmalige Expedition der Polarstern zum Nordpol beginnt

Video vom 20. September 2019
Das Forschungsschiff Polarstern in einer Eis- und Schneewüste

Autor

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 28. Februar, 23:30 Uhr