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Angriffe nehmen zu: So sollen Deichschafe vor Wölfen geschützt werden

Schafe sichern beim Weiden Deiche, sind jedoch zunehmend durch Wölfe bedroht. Nun sollen Elektrozäune zwischen Bremen und Bremerhaven Angriffe abwehren.

Schafe stehen auf einem Deich und weiden.S
Schafe leisten beim Weiden eine wichtige Deichpflege. Sie sollen nun zwischen Bremen und Bremerhaven vor Wolfsangriffen geschützt werden. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Wölfe stellen Schäfer vor eine Vielzahl von Problemen. Tödliche Angriffe auf ihre Schafe häufen sich – doch die Raubtiere stehen unter Artenschutz und können nicht einfach abgeschossen werden. Darum wurden auf einer Deichlinie zwischen Bremern und Bremerhaven nun für 420.000 Euro elektrische Zäune installiert, um die für den Hochwasserschutz wichtigen Schafe zu schützen. Am Dienstag ist das Pilotprojekt "Deich und Wolf" offiziell angelaufen.

Welche Probleme verursachen Wölfe an Deichen?
Im Landkreis Cuxhaven wurden laut niedersächsischem Wolfsmonitor im vergangenen Jahr 22 Nutztiere von Wölfen gerissen, im Landkreis Wesermarsch waren es sogar 29. Erst in diesem Frühjahr tötete, dem Deichverband zufolge, ein Wolf Schafe am Weserdeich im Landkreis Osterholz. Neben wirtschaftlichen Folgen für die Schäfer ist das auch ein Problem für den Deichschutz – so steigt die Gefahr durch Sturmfluten und Hochwasser. Denn Schafe treten die Grasnarbe beim Weiden fest und machen sie so haltbar. Die Diskussion um den Artenschutz des Wolfs wird laut Deichverband kontrovers geführt. Während ihn die einen für richtig halten, befürworten andere die Jagd auf das Raubtier. Wiederum andere stören sich an den neuen Zäunen, die den Blick und den Zugang zum Deich verstellen.
Ein Mann steht auf einem Quad hält einen Stab in  der Hand.
Die elektrischen Zäune auf der Außenseite des Deichs müssen mit einem kleinen Fahrzeug immer wieder auf- und abgebaut werden. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann
Wie soll die Lösung mit den Zäunen funktionieren?
Auf insgesamt 30 Kilometern Deichlinie zwischen der Bremerhavener Luneplate und der Bremer Stadtgrenze wurden nun die Zäune an der Innenseite des Deiches mit Holzpfählen auf etwa anderthalb Meter erhöht und unter Strom gesetzt. Auf der Außenseite des Deiches lassen Sturmfluten nur mobile elektrische Zäune zu. Sie müssen mit einem Quad auf- und abgebaut werden. Das Land Niedersachsen, der Deichverband und die Deichschäfer wollen in den nächsten fünf Jahren beobachten, ob die Zäune die Schafe vor Wölfen schützen können – und auch, ob sie für andere Wildtiere zum Problem werden, weil sie zum Beispiel ihre Lebensräume durchschneiden. Von den 420.000 Euro Projektkosten zahlt das Land Niedersachsen 375.000 Euro, den Rest der Deichverband Osterstader Marsch.
Ein Mann steht vor einem Deich mit Schafen.
Deichschäfer Jörg Studer sieht die Ausbreitung des Wolfs mit gemischten Gefühlen. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann
Und was sagen die Schäfer?
Man müsse nun erstmal sehen, wie sich der Zaun bewährt, sagt Jörg Studer aus Rechtenfleth – einer der beiden Deichschäfer zwischen Bremerhaven und Bremen. Für ihn ist das Auf- und Abbauen der mobilen Zäune eine Mehrarbeit. Außerdem muss das Gras unter den mobilen Zäunen kurz gehalten werden, weil es sonst hineinwächst. Studer sagt jedoch auch, der Wolf sei nunmal da und ginge nicht wieder weg: "Mein Kopf sagt, ich bin gegen den Wolf, mein Herz sagt, ich bin für den Wolf. Letzten Endes ist es ein Tier, was dazugehört." Als betroffener Schäfer sei es schwierig. "Wir müssen miteinander auskommen."

Immer mehr Wölfe in Niedersachsen: Landwirte setzen auf Elektrozäune

Video vom 30. Juni 2020
Im Wasser läuft ein Wolf. Am Himmel fliegt einem aufgrschreckte Möve.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier läuft, 25. August, 16:15 Uhr