5 alternative Wohnformen: Auch Modelle für Bremen?

In Bremen ist bezahlbarer Wohnraum knapp. Parallel dazu entstehen immer mehr Initiativen für alternative Wohnräume. Hier finden Sie einige der aktuellsten Vorschläge.

Wohncontainer stehen in Berlin
Container mit Panoramascheibe: Wohncontainer des Containerstudentendorf Plänterwald in Berlin Bild: Imago | Reiner Zensen

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist eines der größten Themen in Bremen. Vor allem Wohnungen für Alleinstehende und kleine Familien seien Mangelware, beklagen auch Vereine und Experten.

Das Problem des Wohnraummangels betrifft jedoch nicht nur Bremen. Um steigenden Mietpreisen entgegenzuwirken, sind in den vergangenen Jahren verschiedene Initiativen bundesweit gegründet worden. Einige davon versuchen, das Problem auf kreative Art zu lösen und setzen auf alternative Wohnräume. Doch nicht alle seien für Bremen geeignet, warnen die Behörden.

1 Wohnen in leer stehenden Kirchen

Die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt, deshalb bleiben viele Gotteshäuser leer. Oder sie müssen aus Spargründen geschlossen werden. Auch in Bremen und Niedersachsen sind in den vergangenen Jahren mehrere Sakralgebäude umgenutzt worden: 14 haben die katholische und evangelische Kirche in Bremen bereits aufgegeben. Oft wurden sie in Kindertagesstätten oder Begräbnisorte verwandelt.

In Aumund-Vegesack beschäftigt sich jetzt eine Initiative mit möglichen Weiternutzungen von entwidmeten Gotteshäusern. Eine ihrer Ideen: günstigen Wohnraum schaffen. In anderen Städten – etwa Berlin, Köln oder Wuppertal – sind Projekte dieser Art bereits Realität. Allerdings sind die Hürden oft sehr hoch. Wärmeschutz, Akustik, Belüftung entsprechen oft nicht denen einer normalen Wohnung. Einige Gebäude stehen zudem unter Denkmalschutz.

In Bremen seien momentan keine leer stehenden Kirchen bei der Baubehörde gemeldet, teilte Sprecher Jens Tittmann auf Anfrage mit. Bei der Umnutzung von Gotteshäusern solle man bedenken, ob diese nicht eher als Versammlungsort oder für kulturelle Initiativen genutzt werden könnten.    

2 Wohnen in Tiny Houses

Kaum ein Wohntrend hat in den vergangenen Jahren weltweit so Fuß gefasst wie die sogenannten Tiny Houses, also Minihäuser. Auch in Deutschland entstehen immer mehr solcher Siedlungen. Teilweise werden sie als Lösung für Wohnraummangel und hohe Mieten betrachtet, teilweise als kritische Antwort auf die Konsumgesellschaft.

Ein kleines Haus als Anhänger hinter einem Auto.
Klein und mobil: Wer in einem Tiny House wohnt, mag oft dieses Gefühl der Freiheit. Bild: DPA | Jefferson County Sheriff's Office/AP Photo

In Bremen fokussiert sich das Projekt "Tiny-House-Kultur" auf günstigen Wohnraum und Nachhaltigkeit. "Momentan ist man in Gespräch wegen der Kleingartengebiete in Walle", sagt Bauressort-Sprecher Tittmann. Dort seien mehrere Kleingärten nicht verpachtet worden, da das Interesse an den Parzellen sinke. Das Ziel ist es, dass die Tiny Houses nicht über die ganze Stadt verstreut werden.

Oft sind Tiny Houses auf Rädern montiert und ähneln daher Bauwagen. Minihäuser sind aber oft teurer als klassische Bauwagen: Für ein neues kann man schnell auf mehrere Zehntausend Euro kommen.

3 Wohnen im Container

Studentenwohnungen in Containern: In Berlin, Lüneburg und Bonn haben Studierende solche Projekte bereits getestet. In Berlin werben die Initiatoren des Projekts "EBA51" mit dem Spruch: "Das coolste Studentenwohnheim in Berlin". In Lüneburg sind vor wenigen Jahren Studenten in leere Flüchtlingsunterkünfte gezogen.

Ob das auch eine Lösung für Bremen wäre? "Es ist nicht der Anspruch der Hansestadt Bremen, so etwas dauerhaft als Wohnform zu etablieren", kommentiert es Tittman. Die Container für die Flüchtlingsunterkünfte seien als Übergangslösung gedacht gewesen.

Die Dekanin der Fakultät Architektur Bau und Umwelt an der Hochschule Bremen, Ulrike Mansfeld, ist der Container-Idee nicht abgeneigt. So haben ihre Studierende zum Beispiel ein Projekt entwickelt, in dem aus bestehenden Wohncontainern "ein attraktives, gemischtes Wohn- und Arbeitsumfeld für Studierende und Geflüchtete in Ausbildung geschaffen wird – auf eine bestimmte Zeit, nicht für immer und ewig."

4 Wohnen auf Park- und Kaufhäusern

Neue Wohnungen könnten auch auf Dächern von Tankstellen, Park- und Kaufhäusern entstehen. In Köln wird das bereits ausprobiert.

In Bremen zeigt sich die Baubehörde eher skeptisch: Auf Tankstellen Wohnräume zu bauen, sei allein schon wegen der Abgase und des Benzin-Geruchs wenig attraktiv. Auf Parkhäusern könnte auch der Lärmpegel Probleme bereiten. Und wenn es um Kaufhäuser gehe, müssten die Eigentümer selbst Initiative ergreifen, so der Sprecher.

Auch Dekanin Mansfeld sieht das Vorhaben in Bremen eher kritisch: "Im Moment bieten die Großstrukturen der Park- und Warenhausflächen keine geeignete Basis für das Wohnen obenauf:"

5 Wohnen auf dem Hausboot

Hausboote am Victoriakai in Hamburg.
In Hamburg sind die Preise für Wohnungen und Häuser meist sehr hoch. Ein Hausboot könnte sich dann unter Umständen lohnen. Günstig sind schwimmende Häuser jedoch meistens nicht. Bild: Imago | Hoch Zwei Stock/Angerer

In Holland hat das Wohnen in schwimmenden Häusern Tradition. In Deutschland wird das Leben auf dem Wasser beispielsweise in Hamburg vorangetrieben. Berlin hält sich da eher zurück. Und in Bremen? "Der Unterschied zwischen Flut und Ebbe beträgt mehr als vier Meter", erläutert Tittmann. Daher seien die gesetzlichen Auflagen für den Wohnraum mit einem Hausboot nicht leicht zu erfüllen.

Trotzdem gibt es auch in Bremen Nachfrage nach Hausbootsplätzen. Gerade würden mehrere Plätze geprüft, so der Bauressort-Sprecher. Allerdings würden die Hausboote auch als Gastronomie- und Eventlocation genutzt. Oft seien Hausboote zudem nicht besonders günstig.

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  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 22. März 2019, 23:30 Uhr