In diesem Bremer Haus warten 300 Mieter seit Wochen auf warmes Wasser

Nach einem Brand Anfang Juli wurde die Gasleitung gekappt. Das bedeutet für die Mieter: kein warmes Wasser und keine Heizung. Hilfe kommt nur zögerlich.

Video vom 3. August 2020
Ein junger Mann, der mit einem Wasserkocher Wasser in eine Kanne gießt.
Bild: Radio Bremen

Seit einem Monat sind die rund 300 Bewohnerinnen und Bewohner eines Wohnblocks im Bremer Ortsteil Tenever von der Gasversorgung abgeschnitten. Ein Brand Anfang Juli hatte die Leitung beschädigt. Seither müssen die Menschen in der Neuwieder Straße 3 ohne Heizung und warmes Wasser auskommen.

Ein 25-Jähriger und eine 21-Jährige hatten am Morgen des 4. Juli mutmaßlich an mehreren Stellen in Tenever Feuer gelegt. Die Polizei verdächtigt das Pärchen, Müllcontainer an dem Wohnblock in der Neuwieder Straße angezündet zu haben. Das Feuer griff auf das Haus über, zerstörte Teile der Fassade und beschädigte eine Gasleitung. Außerdem zersprangen aufgrund der Hitze Fensterscheiben bis in die siebte Etage hinauf. 

Zehn Duschen für mehr als 300 Menschen

Der Eigentümer, die ZBI Gruppe mit Sitz in Erlangen, ließ im Anschluss aus Sicherheitsgründen die Gasversorgung des Hauses kappen. Für die Mieterinnen und Mieter bedeutet das: kein warmes Wasser und keine Heizung seit Anfang Juli. "Man kann sich nicht die Haare waschen und Abwaschen ist nur mit Wasserkocher möglich, man ist ständig behindert", sagt Heike Groth, die mit ihrem Mann eine Wohnung in der ersten Etage bewohnt.

Flammen schlagen an einem Wohnhaus hoch
Anfang Juli brannte es an dem Hochhaus in Tenever. Das Feuer griff auf das Haus über, zerstörte Teile der Fassade und beschädigte eine Gasleitung. Bild: Radio Bremen

Fabian Drapiaty lebt mit seiner Familie in dem Wohnblock. Seine Kinder hat er notgedrungen mit einer Gießkanne abgebraust. "Das Wasser dafür habe ich vorher mit dem Wasserkocher heiß gemacht", erzählt er.

Man kann sich nicht die Haare waschen und Abwaschen ist nur mit Wasserkocher möglich.

Bewohnerin Heike Groth

Mittlerweile hat der Vermieter Container mit insgesamt zehn Duschen für die mehr als 300 Menschen im Haus aufgestellt. Wer eine Dusche nutzen will, muss sich an vorgegebene Zeitfenster halten. Jeder Person sind jeweils 15 Minuten pro Duschgang erlaubt. Ein Hygieneteam ist dafür zuständig, die Nasszellen nach jeder Benutzung zu desinfizieren. "Es ist für den Moment Okay, aber ich will schon hoffen, dass das warme Wasser bald wieder funktioniert", sagt Fabian Drapiaty.

Die Duschcontainer sind nicht barrierefrei

Heike Groth ist auf einen Rollator angewiesen. Für sie sind die Duschcontainer  unbenutzbar, weil sie nicht barrierefrei sind. Unter anderem deshalb sind sie und ihr ebenfalls gehandicapter Mann vorübergehend zu ihrer Tochter gezogen. Andere Menschen mit Behinderung, die im Haus leben, hätten diese Möglichkeit nicht, berichtet Groth.

Ein Mann füllt Wasser aus einem Wasserkocher in eine Gießkanne
Fabian Drapiaty musste seine Kinder mit der Gieskanne duschen. Bild: Radio Bremen

Viele Betroffene fühlen sich vom Vermieter allein gelassen. In zahlreiche Wohnungen sei der Rauch eingedrungen und habe Kleidung und Mobiliar unbenutzbar gemacht. "Die Hausverwaltung sagt, was innen drin ist, das interessiert uns nicht", sagt Groth.

Der Ortsamtsleiter von Osterholz-Tenever, Ulrich Schlüter (CDU), vermutet hinter der zögerlichen Hilfe des Vermieters Kalkül. In dem Wohnhaus lebten die Ärmsten der Armen. "Diese Menschen haben keine Rechtsschutzversicherung und gehen nicht zum Anwalt", sagt er.

Bewohnerinnen und Bewohner wollen sich besser organisieren

Die zuständige Hausverwaltung ZBVV, eine Tochter der ZBI Gruppe, verweist auf die komplizierten Reparaturen an der Fassade, deren Vorbereitung sehr zeitaufwendig sei. "Selbstverständlich ist uns daran gelegen, dass sich die Situation für die Bewohner baldmöglichst wieder normalisiert", teilt ein Sprecher mit.

Heike Groth und dem Ortsamtsleiter reicht das nicht. Sie wollen die Bewohnerinnen und Bewohner nun besser organisieren, um Druck aufzubauen. Nicht nur der Vermieter müsse helfen, auch die Behörden seien gefragt. Am Mittwoch ist eine Versammlung aller Betroffenen geplant.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. August 2020, 19:30 Uhr