Infografik

Darauf müssen Spaziergänger in der Welpenzeit der Wölfe achten

Im Bremer Umland gibt es immer mehr Wölfe – in Osterholz wird ein Rudel vermutet und einzelne Jungtiere sind auf Wanderschaft. Was aber tun, wenn ich einem Wolf begegne?

Eine Wolfsmutter mit ihren Welpen im Wald.
Wenn die Welpen noch klein sind, bewegt sich das Wolfsrudel auf einem recht kleinen Gebiet ihres Territoriums (Symbolfoto). Bild: DPA / Blickwinkel | D. & M. Sheldon

Mit dem Frühling beginnt die Zeit, in der die Tiere unserer Region wieder Junge bekommen – sowohl unsere domestizierten Haus- und Nutztiere als auch die Wildtiere. Und ein Tier ist in den vergangenen Jahren immer häufiger im Nordwesten aufgetreten: der Wolf.

Mittlerweile gibt es im Nordwesten mehrere Wolfsrudel, -paare aber auch Einzeltiere, sagt Lotta Cordes. Sie ist Pressesprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums. So wird im Raum Garlstedt im Landkreis Osterholz aktuell zum Beispiel ein Wolfsrudel vermutet. Dieses Rudel sei somit so nah an der Stadt Bremen, wie kaum eines zuvor.

26 Wolfsrudel leben derzeit in Niedersachsen

Anfang 2017 wurden in Garlstedt erstmals Wölfe nachgewiesen und ein Wolfspaar siedelte sich dort an. Ein Jahr später kam der erste Nachwuchs und deshalb vermutet die Landesjägerschaft Niedersachsen dort eine Rudelbildung. Die Landesjägerschaft ist in Niedersachsen für das Wolfsmonitoring zuständig und erfasst, welche Wölfe wo unterwegs sind.

In diesen Regionen leben die Wölfe in Niedersachsen:

WölfeWölfe Wolfsrudel Wolfspaar unter Beobachtung Wolfsrudel (Nachweis ausstehend)
Auch wenn ein Blick auf die Wolfspopulation in Niedersachsen zeigt, dass es rund um Bremen noch nicht so viele Wölfe gibt, kommt es immer wieder zu Sichtungen in der Region.

Bestätigt sind in Niedersachsen derzeit 26 Wolfsrudel, fünf Wolfspaare und ein residenter Einzelwolf.

Rund um Bremen sind vor allem einzelne Jungwölfe unterwegs

Die Größe der Rudel schwankt im Jahresverlauf. Daher sei nicht genau möglich zu sagen, wo in der Region wie viele Wölfe leben, erklärt Cordes. "Durchschnittlich wird von minimal drei bis zu elf Tieren pro Rudel ausgegangen und wir gehen von rund 230 Wölfen in Niedersachsen aus."

Rund um Bremen seien aktuell vermehrt Einzelwölfe unterwegs, sagt Harro Tempelmann. Er ist der Bremer Stadtjäger und beschäftigt sich ebenfalls mit den Wölfen in der Region. Diese Wölfe hätten sich aber noch nicht an einem festen Ort niedergelassen. Sie seien auf Wanderschaft.

In Lilienthal lief neulich sogar ein Jungtier auf den Straßenbahnschienen spazieren.

Harro Tempelmann, Bremer Stadtjäger

Cordes erklärt, dass die Jungtiere in der Regel im Alter zwischen elf und 22 Monaten auf die Suche nach einem eigenen Territorium gehen. "Manche versuchen sich in der Nachbarschaft anzusiedeln, andere wandern hunderte Kilometer", sagt Cordes.

Vier bis sechs Welpen pro Wolfspaar

Wolfswelpe
2012 gab es die erste Wolfssichtung in Niedersachsen seit rund 100 Jahren. Inzwischen gibt es 26 Rudel. Bild: dpa | blickwinkel

Die Zahl der wandernder Tiere sein nicht genau zu beziffern, sagt Cordes. In der Regel würde man bei jedem Rudel beziehungsweise Wolfspaar meist vier bis sechs Welpen erwarten – da die Welpensterblichkeit aber sehr hoch sei, sei schwer abzuschätzen, wie viele Jungtiere wirklich überleben und auf Wanderschaft gehen.

Wölfe paaren sich im Januar oder Februar und werfen nach 63 Tagen Tragzeit. "Die Population in Deutschland wächst derzeit recht konstant um 30 Prozent jährlich", sagt Bremens Wolgsberaterin Annette Siegert vom Bund für Umwelt und Naturschutz (NABU). Jetzt im Frühling und im Sommer sind die Wölfe hauptsächlich mit der Jungenaufzucht beschäftigt und das Rudel bewegt sich recht kleinräumig um die Wurfhöhlen beziehungsweise um die sogenannten Rendezvousplätze. Das sind die Aufenthaltsorte der Welpen nach Verlassen der Wurfhöhlen. Erst wenn die Jungtiere größer sind, so im Spätsommer oder Herbst, erweitern die Tiere wieder ihren Aktionsradius innerhalb ihres Territoriums, erklärt Siegert.

Während Wolfsrudel sich in der Regel sehr abgelegene Territorien suchen, seien die Jungtiere neugieriger, bestätigen auch Cordes und Tempelmann. Deshalb würden diese Tiere auch mal in der Nähe von Menschen gesichtet werden.

Begegnung mit einem Wolf: Wie verhalte ich mich?

Doch wie wahrscheinlich ist es, dass mir beim Spaziergang auf einen Wolf treffe – und wenn ich einen sehe, wie sollte ich mich verhalten?

"Die Wahrscheinlichkeit, beim Spaziergang einem Wolf zu begegnen, ist eher gering", sagt Cordes. Und in der Regel gehe von den Tieren für den Menschen auch keine Gefahr aus.

Wölfe gehen den Menschen meist aus dem Weg – wobei junge Wölfe neugieriger sein können als ausgewachsene Tiere.

Lotta Cordes, Pressesprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums

Auch in Gebieten, in denen Wölfe leben, könne man sich weiterhin frei bewegen. Autos und Häuser würden vom Wolf hingegen nicht mit dem Menschen in Verbindung gebracht. Daher werden sie nicht als Bedrohung empfunden und nicht unbedingt gemieden.

Sollte man dennoch mal ein Tier sichten, gelten laut Cordes folgende Regeln: Beobachten Sie den Wolf und halten Sie – wie zu anderen Wildtieren – respektvollen Abstand. Fühlen Sie sich unwohl, ziehen Sie sich langsam mit Blickrichtung zum Tier zurück. Wenn das Tier Sie bemerkt, wird es sich in der Regel zurückziehen. Geben Sie ihm Zeit und Raum dazu. Der Rückzug erfolgt meist nicht in panischer Flucht. Der Wolf entfernt sich zum Beispiel, indem er langsam davontrabt und sich eventuell auch mehrfach umdreht.

Fotos machen, wenn es die Situation erlaubt

Wenn es die Situation zulässt, sollte man versuchen, Fotos vom Tier zu machen – wichtig ist aber: Den Wolf nicht verfolgen.

Da junge Wölfe häufig neugieriger sind als ausgewachsene Wölfe, kann es auch mal vorkommen, dass ein Tier dem Spaziergänger folgt. In dem Fall sollte man anhalten und möglichst selbstbewusst auftreten. "Gehen Sie eher auf das Tier zu als von ihm weg. Machen Sie Lärm und versuchen Sie, das Tier einzuschüchtern, indem Sie sich groß machen, Arme und Kleidungsstücke schwenken, es anschreien oder auch mit Gegenständen bewerfen", erklärt Cordes.

Auf keinen Fall dürfe man versuchen, den Wolf anzulocken, damit der sich nicht an die Nähe zum Menschen gewöhne. Und erst recht ist es verboten, Wölfe zu füttern. Denn dann bestünde die Gefahr, dass sie sich an die bequeme Nahrungsquelle gewöhnen – und in dem Fall kann der Wolf tatsächlich aufdringlich oder gefährlich werden.

Wolf ist für Hunde gefährlich

Gefährlich ist ein Wolf für Hunde. Harro Tempelmann erzählt, dass Jäger in der Region bereits Hunde verloren hätten, weil diese in einem Wolfsterritorium unterwegs waren und die Wölfe die Hunde getötet hätten. Wahrscheinlich weil sie sie als Konkurrenten in ihrem Bereich angesehen haben.

Den Menschen greift der Wolf nicht an, die Hunde aber schon. Deshalb brechen wir Jagden sofort ab, wenn wir wissen, dass Wölfe in dem Gebiet unterwegs sind.

Harro Tempelmann, Bremer Stadtjäger

Für Hundebesitzer gelte in Wolfsgebieten deshalb, dass ihr Hund nur dann ohne Leine unterwegs sein sollte, wenn er in Rufweite bleibe und zuverlässig zum Mensch zurückkehre.

Ob Hund oder Wolf ist oft schwer zu sagen

Streuende Hunde von Wölfen zu unterscheiden kann je nach Hunderasse gar nicht so einfach sein. Das erklärt Annette Siegert vom Naturschutzbund Bremen. Viele Hunde haben laut Siegert Ähnlichkeit mit dem Wolf und gerade bei schlechten Lichtverhältnissen ist eine zweifelsfreie Identifikation kaum möglich.

Am ehesten erkennt man Unterschiede über längere Beobachtung. So läuft ein Hund meist im Zickzack über Wiesen, weil es überall interessant riecht. Wölfe sind eher zielstrebig geradeaus unterwegs. Sie tragen ihre Rute meist hängend, bei Hunden im Freilauf ist sie oft aufgestellt. Für einen zweifelsfreien Wolfsnachweis braucht es entweder viel Erfahrung oder plausible Spuren, wie zum Beispiel Fährten oder DNA-Nachweis aus Fell, Kot oder gerissenen Tieren.

Annette Siegert, NABU und Bremer Wolfsberaterin

Mehr zum Thema:

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 9. April 2019, 23:30 Uhr