Infografik

Wo funktioniert das öffentliche WLAN im Land Bremen – und wo nicht?

Kostenlos im Internet surfen – das soll an vielen Stellen möglich sein. Doch warum klappt es nicht immer? Und wo funktioniert es am besten? Wir haben 50 Hotspots getestet.

Ein Smartphone, was die wlan verbindung anzeigt.

Ein kurzer Whatsapp-Anruf beim Einkaufen oder mal schnell auf dem Weg zur Arbeit die E-Mails checken: Das soll an vielen Orten in Bremen und Bremerhaven möglich sein, ohne das eigene Datenvolumen auf dem Handy zu verbrauchen. Doch die Realität sehe anders aus, beschweren sich manche Nutzer in sozialen Netzwerken.

Aktuell gibt es im Land Bremen mehr als 800 öffentliche, kostenlose Hotspots und Zugangspunkte, angeboten von Vereinen wie der Cityinitiative Bremen oder dem Freifunk. Wer ein Bild des Rolands kostenlos verschicken will, wird es wahrscheinlich mit einem Free-Key-Hotspot tun. An etwa 20 Stellen zwischen Hauptbahnhof und Weser können die Nutzer mit dem Provider Free-Key surfen. Betreut werden diese Hotspots zum Teil von der Cityinitiative Bremen, zum Teil von privaten Anbietern.

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Hinzu kommen die Router von Freifunk und die offenen Netzwerke bei Schulen, Bibliotheken, Einrichtungen und Behörden. buten un binnen hat etwa 50 Hotspots und Freifunk-Knoten an öffentlichen Plätzen in Bremen und Bremerhaven getestet. Dies sind die Ergebnisse.

So haben wir getestet

Pro Stadtteil haben wir mehrere Hotspots und Knoten stichprobenartig getestet. Um die Free-Key-Hotspots zu nutzen, muss man sich in zwei Schritten einloggen. Bei den Freifunk-Knoten erfolgt das Log-in meist automatisch, wenn sich das Gerät in Reichweite befindet.

Der Bremer Marktplatz
Zwischen Marktplatz und Am Brill ist die Innenstadt fast flächendeckend mit Free-Key-Hotspots abgedeckt.

Wir haben die Hotspots mit zwei verschiedenen Smartphones getestet, einem iPhone und einem mit Android-Betriebssystem. Um die Belastbarkeit der Verbindung zu testen, haben wir versucht, einen Artikel via Facebook zu öffnen und ein kurzes Youtube-Video anzuschauen.

Die Mitte: Hier sind die meisten Free-Key-Hotspots

Auf dem Marktplatz und in der Innenstadt hat alles sehr schnell geklappt. Bei unserem Test sind die Pop-up-Fenster von Free-Key schnell auf dem Bildschirm aufgetaucht. Nur auf dem Domshof konnte das Android-Gerät den Artikel nicht öffnen. In der Innenstadt soll es flächendeckend WLAN geben. Doch teilweise muss man sich von Hotspot zu Hotspot erneut anmelden, was störend sein kann, wenn man sich im Zentrum bewegt.

Domsheide
Die Cityinitiative, die das offene WLAN in der City betreut, plant zunächst keine technischen Erweiterungen.

Anders als ein Nutzer bei Facebook suggerierte, war die Verbindung an der Domsheide sehr schlecht, das iPhone konnte sich nicht einmal verbinden. Auch an der Schlachte war eine Verbindung nicht möglich. Sehr schnell ging es hingegen auf dem Bahnhofsvorplatz.

Ein weiterer WLAN-Anbieter in der Innenstadt ist Freifunk, eine bundesweite, nicht-kommerzielle Initiative für freie Netzwerke. Von zwei getesteten Freifunk-Knoten war einer nicht erreichbar, der andere funktionierte jedoch einwandfrei. Auch vor dem Kulturverein Spedition am Güterbahnhof war die Verbindung sehr schnell. In der Innenstadt haben wir auch das offene WLAN der Stadtbibliothek Bremen getestet, das sehr gut abschnitt.

Östliche Vorstadt und Neustadt: die Freifunk-Hochburgen

Eine Straßenkreuzung in Bremen.
Auch im Viertel gibt es mehrere Hotspots und Zugangspunkte von verschiedenen Anbietern.

In der Östlichen Vorstadt gibt es noch einige, wenige Free-Key-Hotspots. Bei den meisten dauert aber das Verbinden relativ lang. Das Viertel und die Neustadt haben allerdings zahlreiche Freifunk-Knoten. Leider funktionieren nicht alle gleichmäßig gut. Sind die Knoten in Sielwall vor der Aids-Hilfe und an der Brunnenstraße sehr schnell, war der getestete in der Hamburger Straße beispielsweise eher langsam. Etwas schneller ging es mit dem iPhone-Gerät.

In der Neustadt wurde das Signal außerdem kurz nach der Verbindung getrennt. Auf dem Buntentorsteinweg, in der Korn- und der Friedrich-Ebert-Straße dauerte das Verbinden sehr kurz, allerdings war es kaum möglich, Facebook und Youtube zu nutzen.

Der Bremer Osten: Gute Verbindungen an wenigen Stellen

Ähnlich sieht es in Bremen-Ost aus: In Hemelingen gibt es freies Internet beispielsweise vor dem Bürgerhaus. In der Vahr waren die meisten getesteten Freifunk-Knoten nicht stark genug, um eine Verbindung lange aufrechtzuerhalten. Anders als in der Berliner Freiheit, in der ein Openspot das Surfen problemlos ermöglicht. In Osterholz waren die Ergebnisse gemischt. Vor allem im Schweizer Viertel gab es jedoch sehr gute Freifunk-Verbindungen. Im Nordosten in Borgfeld konnten wir hingegen die auf der Karte angezeigten Freifunk-Knoten nicht finden.

Der Bremer-Süden: spärliche Internetzugänge

Je weiter östlich, westlich oder südlich man fährt, desto weniger öffentliche WLAN-Netze findet man insgesamt. In Obervieland kann man vor dem Gymnasium Links der Weser und an der Robert-Koch-Straße und in Huchting am Vorfeld kostenlos surfen. Die meisten getesteten Freifunk-Knoten in den drei Stadtteilen konnten aber nicht gefunden werden. In Woltmershausen war die Verbindung an der Woltmershauser Straße an zwei von drei Freifunk-Knoten allerdings zuverlässig.

In Gröpelingen das schnellste, offene Internet Bremens

Unterschiedlich sieht es nördlich und westlich der Bremer City aus: Während in Findorff zwei von drei getesteten Freifunk-Knoten nicht funktioniert haben, gibt es in Gröpelingen an vier Standorten Bremens schnellstes Internet (200 Mbit pro Sekunde): Rund um den Fähranleger (der eigentlich zum Stadtteil Häfen gehört), auf dem Platz vor dem Torhaus-Nord, dem Bibliotheksplatz und dem Platz beim Ohlenhof. Betrieben werden die Hotspots von heimischen Einrichtungen, Betrieben und dem Verein Gröpelingen Marketing. Vor allem vor dem Pier 2 war die offene Internetverbindung sehr schnell.

Bremen-Nord: Free-Key-Hotspots in Vegesack

In Bremen-Nord findet der Nutzer mehrere Free-Key-Hotspots in Vegesack. Das Ergebnis unseres Tests dort war sehr positiv. Sowohl an der Fähre (Free-Key) als auch vor dem Bürgerhaus Vegesack (Freifunk) und in der Fußgängerzone konnte man sich schnell verbinden. Um die Free-Key-Hotspots kümmert sich das Vegesack Marketing.

Bremerhaven: Ziemlich löchrige Versorgung

Uwe Böye, Leiter der Abteilung Informations- und Kommunikationstechniken der Magistratskanzlei Bremerhaven, nennt 25 aktuelle Hotspots in städtischen Einrichtungen. Sie befinden sich unter anderem im Sozialamt, in Freizeiteinrichtungen und Seniorentreffpunkten. Derzeit eingerichtet wird laut Böye ein Hotspot im Bürger- und Ordnungsamt in der Abteilung Migration und Einbürgerung, Bürger 20. Zudem plant die Stadt, das Stadttheater Bremerhaven und die Gemeinschaftsunterkunft an der Wiener Straße 12 mit einem öffentlichen WLAN-Anschluss auszustatten.

Das Problem: Die städtischen Einrichtungen sind nur zu den Öffnungszeiten zugänglich. Und nicht immer kann man sich hier problemlos einloggen: In unserem Test gab es zum Beispiel in der Volkshochschule keinen öffentlichen Zugang, obwohl die Magistratskanzlei hier einen offenen WLAN-Hotspot angegeben hat. "Im Moment ist der nur für unsere Teilnehmer offen“, sagt Werner Bruns, Systemadministrator der Bremerhavener Volkshochschule. Bald soll der Zugang aber ohne Passwort möglich sein.

Eingang zur Stadtbibliothek Bremerhaven.
Vor und in der Stadtbibliothek gibt es einen freien WLAN-Hotspot.

Als städtischer Hotspot bekannt ist die Stadtbibliothek im Hanse-Carré. Hier kann man, wie unser Test zeigt, nicht nur schnell und zuverlässig surfen, sondern sich auch gemütlich hinsetzen. Und dafür muss man die Bibliothek nicht einmal betreten: Die Bänke vor der Bücherei sind fast immer von Smartphone-Nutzern besetzt. Alle Altersklassen nutzen das WLAN-Angebot, sagt Juliane Keil, stellvertretende Leiterin der Stadtbibliothek Bremerhaven. Rund 6.000 Zugriffe gibt es monatlich. Wer nur mal kurz etwas im Netz nachschauen möchte, kann schon im Eingangsbereich des Hanse-Carrés den Hotspot von Saturn nutzen. Die Verbindung kommt in unserem Test schnell zustande und Videos lassen sich problemlos abspielen. Auch dieses WLAN-Angebot scheint bekannt zu sein: Vor dem Eingang des Elektronikmarktes stehen immer wieder Passanten mit ihren Smartphones.

Surfen beim Einkaufen im Mediterraneo nur bedingt

Blick in die Bürgermeister-Smidt-Straße in Bremerhaven.
Die Stadtwerke (SWB) und die Weser-Elbe-Sparkasse (WESPA) bieten WLAN in der Bürger.

Kostenfreies WLAN unter freiem Himmel gibt es seit August vergangenen Jahres in der Bürgermeister-Smidt-Straße. Die Stadtwerke (SWB) und die Weser-Elbe-Sparkasse (WESPA) werben mit "Shoppen in der Bürger und nebenbei eine Stunde gratis Surfen". Kunden der SWB können den Hotspot sogar unbegrenzt nutzen. Allerdings war der Hotspot in unserem Test nicht wie beworben vom Theodor-Heuss-Platz bis zur Keilstraße erreichbar. Beim Start auf dem Theodor-Heuss-Platz war der Hotspot noch nicht zu finden, er wurde erst auf Höhe von Karstadt, kurz vor dem SWB-Kundencenter, angezeigt. Dafür ist der Hotspot aber nicht nur bis zur Keilstraße, sondern sogar bis zur Loydstraße nutzbar. Die Verbindung steht schon nach einer Sekunde, Videos laufen ohne Unterbrechung. Wie viele den Hotspot nutzen, kann Angela Dittmer, Pressesprecherin der SWB, nicht sagen. Zu eventuellen Ausbauplänen gibt es laut Dittmer zwar Überlegungen, aber nichts Konkretes. "Wir gucken immer, was gemacht werden und was Sinn machen könnte."

Im Einkaufszentrum Mediterraneo gibt es kostenfreies WLAN.
Auf der Piazza im Mediterraneo gibt es kostenfreies WLAN.

Wer beim Shoppen einen kostenlosen WLAN-Hotspot nutzen möchte, wird zudem im Mediterraneo fündig. Allerdings funktioniert der Zugang nicht im gesamten Einkaufszentrum, sondern nur auf der Piazza und den Terrassen, hier aber in unserem Test einwandfrei. Wer das Mediterraneo aus Richtung Klimahaus betritt, kann dort den kostenfreien Zugang der Bäckerei Haferkamp nutzen.

Für die WLAN-Verbindung in Bussen braucht man Glück

Genauso gut funktioniert die Verbindung in der Stadt- und in der Eishalle. Die Stadthalle Bremerhaven GmbH stellt seit vergangenem Jahr einen kostenlosen WLAN-Hotspot für die Besucher zur Verfügung. Bis zu 2.000 Besucher sollen hier gleichzeitig im Netz surfen können.

Ein Bus hält in der Innenstadt in Bremerhaven.
In einigen Bussen bietet Bremerhaven Bus einen kostenfreien WLAN-Zugang an.

Mobile WLAN-Hotspots bietet die Verkehrsgesellschaft Bremerhaven. Jedoch nicht in allen Bussen. 23 von insgesamt 75 Fahrzeugen sind mittlerweile mit WLAN ausgestattet. Nur auf der Hauptlinie 502, die zwischen Leherheide-West und Grünhöfe pendelt, fahren durchgängig Busse mit offener WLAN-Technologie. "Die übrigen Fahrzeuge laufen auf allen Linien ohne spezielle Vorgaben", sagt Betriebsleiter Jörg Fröhlich. Hier braucht man also Glück. Zu erkennen ist das WLAN-Angebot an einem blauen WLAN-Piktogramm im Bereich der Eingangstür. 15.000 Nutzungen registriert die Verkehrsgesellschaft monatlich. Nennenswerte Ausfälle oder Beschwerden gibt es laut Fröhlich nicht. Auch bei unserem Test war die Verbindung schnell und stabil. Ob weitere Fahrzeuge mit WLAN ausgestattet werden sollen, ist bisher unklar.

Außerhalb der Innenstadt ist die Versorgung noch schlechter. Die Free-Key-App ist in Bremerhaven nicht verfügbar, Freifunk-Knoten gibt es nur wenige. Von flächendeckendem WLAN kann also in Bremerhaven keine Rede sein.

Darum fallen die Ergebnisse so unterschiedlich aus

Wie gut oder wie schlecht das öffentliche WLAN in Bremen funktioniert, lässt sich pauschal schwer beurteilen. Außerdem fiel das Ergebnis des Tests nicht nur je nach Stadtteil und Anbieter, sondern teilweise auch je nach benutztem Gerät anders aus. Die Erfahrungen vieler Nutzer in den sozialen Netzwerken konnten wir zudem nicht teilen.

In der City funktioniert es nicht.

Alex J. Reis - 8. März 2019, 10:26 Uhr.

Fußgängerzone Vegesack gibts nur ein " Blaues Band"....nix W-Lan.

Ilke Schusdziarra - 8. März 2019, 11:49 Uhr.

Doch woran liegt es, dass die Ergebnisse so unterschiedlich sind? Für die Free-Key-Verbindungen in der City gilt: Je mehr Nutzer gerade aktiv sind, desto langsamer wird die Verbindung. "An einigen Hotspots stehen insgesamt 50, an anderen 100 Mbit pro Sekunde zur Verfügung", erläutert Jan-Peter Halves von der Cityinitiative Bremen. Das Datenvolumen wird unter den verbundenen Nutzern geteilt. Längere Videoanrufe dürften dabei schwieriger werden. Doch eine Erweiterung des Angebots sei zunächst nicht geplant. "Alle wichtigen Punkte der Innenstadt sind momentan versorgt", fügt Halves hinzu. Und das koste sehr viel Geld.

Anders funktionieren die Knoten der Freifunk-Initiative. "Dass die Verbindungen bei den Knoten unterschiedlich gut sind, hat vor allem zwei Gründe: Zum einen liegt es am Router, der benutzt wird. Nicht alle haben dieselbe Stärke und Reichweite. Zum anderen liegt es an der Internetverbindung. Jede ist unterschiedlich schnell und wenn sie sehr langsam ist, dann bleibt auch für Freifunk wenig übrig", sagt der Freifunker "Joda" Stößer. Auch das Gerät, mit dem der Nutzer surft, spielt dabei eine Rolle. "Es kommt stark darauf an, wie gut die Antenne des Smartphones ist", so Stößer. Das liege aber nicht am Betriebssystem. 

Mehr zum Thema:

  • Serena Bilanceri
  • Sonja Klanke

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. März 2019, 19:30 Uhr