Ausschuss gibt grünes Licht für Bergung der "Seute Deern"

  • Entscheidung fiel einstimmig
  • 1,1 Millionen Euro sind vorgesehen
  • Bergung dauert mehrere Wochen
Experten hängen in einer Gondel am Kran und montieren die letzten Stangen von den Masten der Seute Deern ab.
Am Donnerstag montierten Experten die letzten Rahen, die Querstangen an den Masten, ab.

Der Wissenschaftsausschuss in der Bremischen Bürgerschaft hat am Donnerstagnachmittag der Finanzierung der Bergung der "Seute Deern" zugestimmt. Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD) hatte die Bergung vor rund einer Woche in einer Eilentscheidung abgesegnet – weil das Schiff umzukippen drohte.

1,1 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. Das Land Bremen übernimmt 990.000 Euro. Das Geld kommt aus verschiedenen Töpfen: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt bekommt rund 200.000 Euro weniger Zuschuss, die Amtliche Materialprüfungsanstalt muss auf 300.000 Euro verzichten und fast 500.000 Euro sollen aus dem Topf "Zuschüsse für die infrastrukturelle Erschließung" genommen werden. Die Stadt Bremerhaven zahlt 110.000 Euro.

Es hätte Tote geben können

Es gehe nicht nur darum, das Schiff vor weiteren Schäden zu bewahren, es bestehe aktuell auch eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit, hieß es im Ausschuss. Daher habe die Bergung unverzüglich veranlasst werden müssen.

Wir haben hier wirklich Gefahr im Verzug. Uns sitzt die Zeit im Nacken.

Konrad Otten, Geschäftsführer des Deutschen Schifffahrtsmuseums
Experten hängen in einer Gondel am Kran und montieren die letzten Stangen von den Masten der Seute Deern ab.
Ein Kran hievte die Experten in einer Gondel an die Masten.

Die "Seute Deern" war in der Nacht vom 31. August auf den 1. September gesunken. Es hätte nicht viel gefehlt, dann wäre der historische Dreimaster auf die Straße gekippt. Das hätte Tote geben können, machte der Bergungsexperte Hans-Joachim Möller im Ausschuss deutlich. Es sei nur Glück im Unglück gewesen, dass das Schiff dann doch in die andere Richtung in Schieflage gerutscht ist.

Das Schiff war nach Auskunft von Konrad Otten, Geschäftsführer des Deutschen Schifffahrtsmuseums, nicht gegen solch eine Havarie versichert. Sollte die Havarie aber Folge des Brandes im Februar gewesen sein, würde die Versicherung zahlen. Das Schifffahrtsmuseum wartet auf das endgültige Gutachten des Sachverständigen Hans-Joachim Möller. Aktuell werden Planken im Labor analysiert, teilte Möller mit. Eine in Folie verpackte Planke hatte Möller dem Ausschuss mitgebracht, um den maroden Zustand zu demonstrieren.  

Wasser wird herausgepumpt

Der Segler "Seute Deern" liegt in Schieflage im Museumshafen.
Am Donnerstagnachmittag waren alle Rahen entfernt.

Am Montag hatten Experten damit begonnen, die tonnenschweren Stangen an den Masten, die sogenannten Rahen, abzumontieren, um zu verhindern, dass die "Seute Deern" während der Bergung kentert. Am Dienstag verschlossen Taucher parallel Löcher an der Verkleidung des Schiffes. Als nächstes bereiten die Taucher alles für den Einsatz von Luftkissen vor. Damit soll das Schiff stabilisiert werden. Möller hofft, dass dann am Sonntag oder Montag das Wasser abgepumpt werden kann. Was nach der Bergung mit dem Schiff passiert, ist noch unklar.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 12. September 2019, 17 Uhr