Windenergie-Branche: Gibt es noch Hoffnung für Bremerhaven?

Von der Goldgräberstimmung ist in Bremerhaven nichts mehr zu spüren. Viele Betriebe haben aufgegeben. Ein Blick auf die Branche.

Schafe grasen auf einer Wiese. Im Hintergrund sind Windräder zu sehen.
Einst setzten in Bremerhaven viele ihre Hoffnung auf die Windbranche. Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben. Bild: Imago | imagebroker

Die Windenergie-Branche steckt nach wie vor im Dilemma. Weil die Bundesregierung den Ausbau der Offshore-Windparks gedeckelt hatte, blieben die Aufträge aus. Tausende Arbeitsplätze brachen in den vergangenen Jahren weg. Doch die Branche schöpft wieder etwas Hoffnung – und das soll bei der 16. Windforce-Tagung deutlich werden, die an diesem Donnerstag und Freitag in der Stadthalle Bremerhaven läuft. 250 Experten beraten über mögliche Wege aus der Krise. Auch viele Bremerhavener hoffen, dass es wieder bergauf geht, denn von der einstigen Goldgräberstimmung ist nichts mehr zu spüren:

Ein Mann guckt in die Kamera.
Alan-Thomas Bruce, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender des Windanlagenherstellers "Powerblades", gibt der Politik die Schuld. Bild: DPA | Daniel Bockwoldt

Wenn Alan-Thomas Bruce, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender des Windanlagenherstellers "Powerblades", die leeren Produktionshallen im Bremerhavener Fischereihafen sieht, wird er wütend: "Das war eine Mischung aus den zögerlichen politischen Entscheidungen und dieser Deckelung, die dazu geführt haben, dass man die Investoren alle verschreckt hat", sagt er. "Insbesondere bei der langsam nach oben boomenden Offshore-Industrie.“

Für ihn bis heute unverständlich, dass es so weit kommen konnte. Bruce arbeitet heute als Personalverantwortlicher in einer Transfergesellschaft, die Beschäftigte weiterqualifiziert. Aber viele seiner alten Kollegen haben die Branche gewechselt, sagt er. "Aus unserer Firma 'Powerblades' haben wir höchstens ein bis zwei Hände voll Mitarbeiter, die noch entweder im Servicebereich oder für eine andere Firma tätig sind. Das ist ja nichts."

Da sind viele entweder in ihre erlernten Berufe zurückgegangen, wir hatten ja viele Maler, Lackierer, Bootsbauer und artverwandte Berufe. Aber auch die Ingenieure sind jetzt in völlig anderen Branchen tätig. Also mit Windindustrie hat das ganz wenig zu tun.

Alan Thomas Bruce, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender von "Powerblades"

Hoffnung auf die Bundesregierung

Ein Mann im schwarzen Mantel steht an einem Hafenbecken.
Dirk Briese vom Bremer Institut "Windresearch" glaubt, dass es wieder bergauf gehen kann. Bild: Radio Bremen

Eine Firma nach der anderen musste schließen. Dirk Briese vom Bremer Institut "Windresearch" beobachtet die Lage der Branche seit Jahren. "Wir haben 20 bis 30 Prozent der Marktteilnehmer verloren in den letzten Jahren", sagt er. Aber Briese sieht auch Hoffnung für die Branche – wenn noch was gerettet werden soll, dann ist jetzt die Zeit, sagt er und gibt der Chefin des Branchenverbands WAB, Heike Winkler, Recht. Sie fordert, dass die Bundesregierung nicht nur langfristig neue Windpark-Projekte freigibt, wie es nun geplant ist, sondern auch kurzfristig Netzanschlüsse und Bauvorhaben auf den Weg bringt – und zwar noch in diesem Jahr.

Wir müssen jetzt Lösungen finden, wie wir die Branche entsprechend auslasten und so Insolvenzen, Beschäftigungsverlust und Abwanderung verhindern.

Eine Frau mit Schwimmweste und Helm steht auf einem Schiff vor einem Windpark.
Heike Winkler, Chefin des Branchenverbands WAB
Ein Mann guckt in die Kamera.
Martin Skiba, Vorstandsvorsitzender des "World Forum Offshore Wind", setzt auf eine europäische Strategie. Bild: DPA | Marcus Brandt

Martin Skiba, Vorstandsvorsitzender des "World Forum Offshore Wind", warnt vor einem Alleingang Deutschlands: "Auf europäischer Ebene wird eine Strategie vorbereitet. Auch hier möchte man in den nächsten zehn, 20 Jahren mehr installieren. Und in dieser Phase wieder in Deutschland einen Alleingang anzustreben, halten wir für verkehrt.“

"Fischereihafen ist ein Friedhof"

Immerhin sehen die Experten Hoffnung für die Branche – Ex-Betriebsratsvorsitzender Alan-Thomas Bruce ist skeptisch: "Ich bin da pessimistisch, ob wir da noch was hinkriegen. Wenn man sich die Top-10-Player auf dem Windmarkt anguckt – in mindestens fünf davon sind die Chinesen drin. Man muss ja nur mal eine kleine Radtour durch den Fischereihafen machen. Das ist ja ein Friedhof.“

Windenergie in Bremerhaven am Ende: Wer trägt die Schuld?

Video vom 3. Januar 2020
Einige Offshore-Windkraftanlagen
Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Autoren

  • Dirk Bliedtner
  • Sonja Harbers Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 3. September 2020, 6 Uhr