Vogel im Haus, Schlange im Garten: So gehen Sie richtig mit Wildtieren um

Vor allem im Sommer kann es vorkommen, dass man junge oder verletzte Wildtiere im Garten oder sogar in der Wohnung entdeckt. So hilft man ihnen am besten.

Ein Rauchschwalbenmännchen sitzt auf einem Pfosten und ruft.
Klein und schreiend: So sehen oft verwaiste Schwalben aus. Doch nicht selten trügt der Schein: Jungvögel brauchen nicht immer menschliche Hilfe. (Symbolbild) Bild: DPA | Agami / R. Martin / Blickwinkel

Eine aus dem Nest gefallene Schwalbe auf dem Balkon, ein Igel in der Garage oder eine Fledermaus im Schlafzimmer: Gerade im Sommer kommt es immer wieder vor, dass sich Wildtiere in Häuser verirren, wenn Fenster und Türen länger mal offen stehen. Doch wie kann man ihnen helfen – und wann kann die menschliche Hilfe ihnen sogar schaden?

1 Wildvögel

Harro Tempelmann, Stadtjägermeister in Bremen, warnt davor, Vögel, die aus einem Nest gefallen sind, mit in die Wohnung zu nehmen. "Am besten sollte man das Tier liegen lassen", sagt er. Wenn es aber gefährdet ist – beispielsweise wenn es auf der Straße liegt – kann man es vorsichtig an die Seite bringen und es am besten in ein Gebüsch oder in eine geschützte Ecke legen. "Solche Tiere erholen sich häufig nach einer Kollision oder einem Fall erstaunlich schnell", sagt Tempelmann.

Eine Amsel sitzt im hohen Gras.
Die Amsel ist die häufigste Vogelart in Deutschland. Bild: DPA | Giesbert Kühnle / Imagebroker

Einige Vogelarten bleiben durch Bettelrufe mit ihren Eltern in Verbindung, sodass jede menschliche Hilfe überflüssig wird, schildert der Naturschutzbund auf seiner Webseite. Nach einiger Zeit könne man nachschauen, ob das Tier wieder fliegen kann oder von den Eltern abgeholt wurde. Den Jungvogel zum Tierarzt zu fahren, dürfte wenig bringen, führt Tempelmann aus. "Der Tierarzt schläfert sie ein, da es niemanden gibt, der sich um sie kümmern könnte." Direkt in der Stadt Bremen gibt es offenbar keinen Verein, der sich solcher Tiere annimmt. In Niedersachsen befinden sich hingegen einige Auffang- und Vogelpflegestationen.

Das langfristige Halten von Wildvögeln ist zudem verboten, da sie geschützte Tierarten sind. "Alle, auch die Schwalben", sagt der Stadtjägermeister. Dafür braucht man eine Sondergenehmigung. Nackte Jungvögel sollten am besten ins Nest zurückgesetzt werden, schreibt der Naturschutzbund. Verirrt sich ein Vogel in der Wohnung – einfach Ruhe bewahren, alle Fenster sperrangelweit aufreißen und Zimmertür schließen, meint Tempelmann. Kommen die Tiere zur Ruhe, finden sie in der Regel selbst den Weg in die Freiheit zurück.

2 Greifvögel

Prinzipiell sollte man wie mit den anderen Vogelarten vorgehen: Am besten nicht eingreifen oder nur minimal, rät Tempelmann. Weder Jäger, noch Polizei oder Tierarzt seien da die Ansprechpartner. Grundsätzlich gilt bei allen Wildtieren: Zuständig ist die Naturschutzbehörde. "So schwer es einem fallen mag: Man darf Wildtiere nicht einsammeln. In der Regel ist das sogar ihr Todesurteil." Und bei Greifvögeln brächte man sich auch selbst in Gefahr: "Sie können einem mit den Krallen oder dem Schnabel Verletzungen zufügen", warnt Tempelmann. Daher: Bei erwachsenen Bussarden oder Falken sollte man lieber die Behörde alarmieren.

3 Kleine Säugetiere

Es ist immer empfehlenswert, das Tier nicht anzufassen. Meistens finden ausgewachsene Tiere alleine den Weg zurück in die Natur. "Man riskiert sonst, dass sie in Panik geraten und sich beim Fluchtversuch verletzen", sagt Tempelmann. Bei Jungtieren muss man vor dem Anfassen immer bedenken, dass der menschliche Geruch die Eltern stören und eine Wiederaufnahme unmöglich machen könnte. Genauso wie für Wildvögel gibt es auch für Wildsäugetiere in Niedersachsen einige Auffangstationen.

Fledermaus
Vor allem im Frühling und Sommer sind Fledermäuse aktiv.

Bei Fledermäusen empfiehlt der BUND zu schauen, ob sie wirklich Hilfe benötigen oder bereits alleine fliegen können. Dafür kann man das Tier abends an eine senkrechte Unterlage setzen und beobachten, ob es in den nächsten Stunden abfliegt. Sollte die Fledermaus zu jung sein, kann man sie in einem Schuhkarton mit Lüftungslöchern kurzzeitig unterbringen. Mehlwürmer eignen sich als Nahrung, Wasser sollte mit einer Pipette verabreicht werden. Bei nackten Jungtieren hilft nur ein Spezialist. Vorsicht ist beim Anfassen geboten: Die Tiere können in seltenen Fällen beim Beißen Tollwut übertragen. Langfristig müssen Fledermäuse den Naturschutzbehörden gemeldet werden.  

Ein Igel in der Hand eines Menschen
Igel kommen sogar in der Stadt und in dicht bewohnten Gebieten vor.

Igel sind hingegen etwas pflegeleichter. Haben sie sich lediglich verirrt, kann man sie irgendwo hinsetzen, wo sie geschützt sind, erläutert Tempelmann. Anfassen sollte man sie höchstens mit einem Handtuch. "Man sollte nicht vergessen, dass sie oft Flöhe und Läuse haben, die man sich einfangen kann", so Tempelmann. Spezialisierte Vereine können Auskunft über das weitere Prozedere geben.

4 Schlangen und exotische Tierarten

Immer mehr Menschen legen sich auch in der Stadt exotische Tiere als Haustiere zu. In dem unwahrscheinlichen Fall, dass man ein ausgebrochenes Tier in der eigenen Wohnung entdeckt, sollte man einen Tierarzt, einen Zoohandel oder – wie im Fall einer Python – am besten gleich die Polizei kontaktieren.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 12. Juli 2019, 23:30 Uhr