Endlich wieder schöne Haare: Bremer Friseure haben wieder geöffnet

Seit Montag dürfen Friseursalons wieder öffnen. Ein Friseurtermin wird jetzt aber ganz anders ablaufen als sonst. Drei Bremer Friseure berichten.

Video vom 4. Mai 2020
Eine Frau, die sich von einem Friseur die Haare waschen lässt. Beide tragen einen Nase-Mund-Schutz.

"Ich freue mich, die Kunden nach sechs Wochen wiederzusehen", sagt Stefan Hartmann, Obermeister der Friseur-Innung Bremerhaven-Wesermünde. Denn seit dem 4. Mai dürfen Friseure offiziell wieder öffnen. Das hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gemeinsam mit den Ministerpräsidenten der Länder entschieden. Allerdings gibt es dabei einiges zu beachten. "Unter Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen sowie unter Nutzung von persönlicher Schutzausrüstung“, heißt es in dem Beschluss.

"Es gibt in unserem Salon keinen Wartebereich mehr", erklärt Hartmann. Deswegen nehme man auch nur noch Terminkunden an. Die Friseure werden bei ihrer Arbeit Mundschutz tragen müssen, genauso wie die Kunden. "Der kann auch bei uns zu einem Selbstkostenpreis erworben werden", so der Obermeister. Für die Wiedereröffnung mussten unter anderem literweise Desinfektionsmittel und Masken erworben werden. "Die Auflagen der Berufsgenossenschaft sind heftig", urteilt Hartmann. Abstände müssen durch Aufkleber am Boden markiert werden, Kunden sollen vor ihrem Termin die Hände desinfizieren und sich in eine Liste mit ihrem Name, der Adresse und Aufenthaltsdauer eintragen. "Ich habe Gott sei Dank noch 40 Bleistifte, die wir dann im Nachhinein desinfizieren", erklärt Hartmann lachend.

Erhebliche Mehrkosten durch Coronakrise

Auch bei Stephanie Can, Leiterin der "Can Haarmanufaktur" in Schwachhausen, werden Vorbereitungen für die Wiedereröffnung getroffen. So hat sie ein mobiles Waschbecken und vier Standspiegel gekauft, um auch den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten zu können. "Schon vor der Eröffnung haben wir erhebliche Mehrkosten", berichtet Can. Auch die Öffnungszeiten wurden angepasst: "Durch die Hygienevorschriften brauchen wir erheblich mehr Zeit pro Kunde." Deswegen hat sie ihr Team in Schichten eingeteilt. Frühschicht von 8 bis 17 Uhr, mittags von 10.30 bis 19.30 und spät von 13 bis 22 Uhr. Der Salon ist nun von montags bis samstags geöffnet. "Dennoch werden wir es nicht schaffen, so viele Kunden zu betreuen wie sonst."

Um den Friseuren einen Leitfaden zu geben, wie sie ihre Salons wiedereröffnen können, hat die Berufsgenossenschaft den "SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard für das Friseurhandwerk" veröffentlicht. Darin heißt es: "Jegliche Bewirtung hat zu unterbleiben. Auch Zeitschriften dürfen nicht zur Verfügung gestellt werden."

Außerdem sollen Friseure mindestens von der Begrüßung des Kunden bis nach dem obligatorischen Haarewaschen Einnmalhandschuhe tragen. Diese müssen – so wie auch die Masken – nach jedem Kunden gewechselt werden. Arbeitsplatz und Zubehör, sprich Schere, Kamm und Co., sollen nach jedem Schnitt gereinigt werden. "Wir haben zum Glück einen Sterilisator mit Schwarzlicht", sagt Mike Piée, Leiter von "Salonfähig Friseure" in Fesenfeld.

Kein Augenbrauenzupfen oder Bartschneiden

Zwar werden Haarschnitte angeboten, spontanes Ponyschneiden mit trockenen Haaren oder Augenbrauenzupfen und Bart schneiden sind jedoch verboten. "Gesichtsnahe Dienstleistungen wie Augenbrauen- und Wimpernfärben, Rasieren und Bartpflege dürfen derzeit nicht ausgeführt werden", heißt es dazu in dem Schutzstandard. "Man befürchtet, dass Viren auf den Haaren sitzen könnten. Deswegen sollen wir vor jeder Behandlung die Haare waschen", so Can. Auch Selberföhnen ist nicht mehr gestattet. "Das sind erhebliche Veränderungen im Ablauf, die leider auch zu Preiserhöhungen führen." Das kündigte auch bereits der Zentralverband des Friseurhandwerks an. Dieser rechnete mit knapp zwei Euro pro Schnitt zusätzlich.

Solidarität unter Friseuren

"Finanziell ist es notwendig, dass wir den Betrieb wiederaufnehmen", schätzt Hartmann die Lage ein. Die Fixkosten seien hoch und ohne Rückhalt von Banken sei die Situation für viele Friseure problematisch. "Einige mussten bereits Insolvenz anmelden." Auch Can hat sicherheitshalber einen Kredit aufgenommen: "Momentan brauche ich das Geld nicht, ich warte noch auf die Zahlung meiner beantragten Soforthilfe. Aber ich habe eine Verantwortung für meine Mitarbeiter und will nicht in Zahlungsschwierigkeiten kommen."

Die Umsätze werden sinken.

Stefan Hartmann, Obermeister der Friseur-Innung Bremerhaven-Wesermünde

Piée versucht, die Situation positiv zu betrachten: "Es ist ein Privileg, dass wir wiederöffnen dürfen – im Gegensatz zu Theatern, Restaurants und Co." Sein Vermieter sei ihm sogar mit der Miete entgegengekommen. "Die Hilfsbereitschaft war wirklich groß." Auch Hartmann erlebt eine große Solidarität unter den Friseuren. Bei den Produktfirmen jedoch nicht: Stattdessen böten diese ihm Desinfektionsmittel und Masken zu Wucherpreisen an. "Es ist so schon schwierig genug, daran zu kommen. Das ist echt enttäuschend."

Autorin

  • Johanna Ewald

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 4. Mai 2020, 19:30 Uhr