Interview

Herbst in Bremen: War's das jetzt mit der Sonne?

Die letzten Tage gab es in Bremen und Bremerhaven noch mal richtiges Spätsommer-Wetter. Was uns im Herbst bevorsteht: Meteorologe Marcus Boljahn wagt einen Ausblick.

Ein Mann, eine Frau und ein Hund während eines Spaziergangs in einem Wald.
Bald fallen die ersten Blätter: Dürfen wir im Land Bremen auf einen ebenso goldenen wie sonnigen Oktober hoffen? Bild: Radio Bremen

Pünktlich zum Herbstanfang drängt sich die Frage auf: Wie warm wird wohl dieser Herbst? Meteorologen geben in der Regel ungern Auskünfte, wenn sie nach langfristigen Wetterprognosen befragt werden. Marcus Boljahn vom Wetteranbieter Meteogroup macht heute eine Ausnahme.

Was "blüht" uns diesen Herbst? Geht der Sommer nochmal in die Verlängerung oder wird es jetzt schnell richtig herbstlich?
Der Altweibersommer hält sich leider nur bis zum Mittwoch mit Sonne und Höchstwerten von 22 bis 26 Grad in Bremen und Bremerhaven. Am Donnerstag wird es bereits wechselhafter und auch an die 20 Grad kommen wir gerade so noch heran. Von Freitag bis zum Montag der nächsten Woche gibt es dann einen Vorgeschmack auf den Herbst. Bei einigen Schauern, auffrischendem Wind und Höchstwerten von nur noch 14 bis 16 Grad kommt ein spürbarer Wetterwechsel.

Der Temperaturtrend zum Oktober hin zeigt dann aber wieder leicht nach oben in Richtung der Normalwerte für die Jahreszeit. Alles darüber hinaus lässt sich aber derzeit quasi nicht vorhersagen.
Wie lassen sich überhaupt längerfristige Wettervorhersagen machen?
Bei mittel- und langfristigen Prognosen fließen verstärkt auch Daten über die Meerestemperaturen mit in die Berechnung ein. Zudem lässt man mit der sogenannten Ensemble-Methode die Wettermodelle mit jeweils leicht veränderten Bedingungen die Prognose neu berechnen, um so eine Aussage über die Stabilität der Wetterlage und damit der Prognose-Genauigkeit zu gewinnen.

Aktuell ist die Prognosegüte für den Mittel- und Langfristzeitraum allerdings recht gering. Dies liegt vor allem an der ungewöhnlich hohen Hurrikan-Aktivität. Tropische Stürme haben häufig die Angewohnheit, dass sie im Laufe ihrer Entwicklung nach Norden abdriften und dann als außertropische Tiefdruckgebiete zu uns gelangen. Derzeit haben wir die stärkste Aktivität in Sachen tropische Stürme seit 2005.
Was sagen die Werte der letzten Jahre über den Herbst 2020 aus? Wie warm war es da und womit rechnen Sie für jetzt?
Es kann im Oktober generell noch erstaunlich warm werden. In Bremen wurden am 1. Oktober 2011 noch 28,6 Grad erreicht. Vor zwei Jahren gab es am 15. Oktober mit glatt 25,0 Grad den spätesten Sommertag aller Zeiten, wobei es am 13.Oktober 2018 auch noch 27,3 Grad warm war. Ebenso vom 13. Oktober 2018 stammt auch der Rekordwert von Bremerhaven mit 26,0 Grad. Die Wahrscheinlichkeit für einen sonnigen und damit goldenen Oktoberstart liegt derzeit bei rund 10 Prozent.
Werden wir im Corona-Herbst lange an der frischen Luft bleiben können – auch ohne Heizpilz?
Die Nächte werden nun täglich kürzer, folglich bleibt auch mehr Zeit zum Auskühlen. Bereits ein bis zwei Stunden vor dem Sonnenuntergang wird es schnell merklich kühler. Selbst in Bremerhaven kann es im Oktober schon Frost geben, wie zuletzt am 24. Oktober 2003, wo es -1,4 Grad kalt wurde. Am gleichen Tag zitterte man sich in Bremen sogar bei -7,0 Grad durch die Nacht, was nur knapp hinter dem Allzeitrekord von -7,8 Grad vom 28.Oktober 1997 liegt.
Können wir ansonsten dieses Jahr Besonderheiten oder auch Probleme durch das Wetter wie zum Beispiel durch Trockenheit oder fehlenden Frost erwarten?
Bisher sind im September nur 20 bis knapp 40 Prozent des üblichen Niederschlags gefallen. Auch generell war das Jahr insgesamt etwas zu trocken, was andererseits aber bedeutet, dass Starkregen derzeit kein großes Problem für die Böden wäre, die aktuell nicht feuchtegesättigt sind. Anhaltende Trockenheit ist aber immer ein Problem für die Landwirtschaft, genau wie unter Umständen auch der fehlende Frost. Heute Morgen gab es übrigens in Worpswede nordöstlich von Bremen mit -1 Grad in fünf Zentimetern Höhe bereits leichten Bodenfrost.

Autorin

  • Elena Pintus

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 22. September 2020, Der neue Morgen, 6:50 Uhr