Warum wir vor Unwetter gewarnt haben – es in Bremen aber ruhig blieb

Warum das Unwetter in Bremen ausgefallen ist

Audio vom 15. Juli 2021
Wolken ziehen bei stürmischem Wetter über den Himmel über Windräder hinweg.
In Norddeutschland gab es am Mittwoch nur vereinzelt Gewitter und Starkregen. (Symbolbild) Bild: DPA | Moritz Frankenberg
Bild: DPA | Moritz Frankenberg

Wo bleibt denn jetzt dieses Unwetter? Das haben sich am Mittwoch wohl einige in Bremen und umzu gefragt. Wir erklären, warum die Warnungen trotzdem angemessen waren.

Unwetter und Starkregen in Bremen und Niedersachsen erwartet – das meldeten wir am Mittwochmorgen aufgrund von Vorhersagen von Meteorologen. Auch sämtliche Smartphone-Apps warnten die Menschen in Bremen und umzu. Und dann passierte: nicht viel. Während die Zustände in Teilen Deutschlands katastrophal sind, blieben Bremen und umzu weitgehend verschont. Waren die Prognosen der Meteorologen also falsch?

Nein, sagt Alexander König, Meteorologe beim Wetter-Kompetenzzentrum der ARD. "Der Eindruck täuscht, dass die Voraussagen daneben liegen. Es gab diese Niederschlagsmengen." Im Bremer Raum war es relativ wenig, im Umland sieht es schon anders aus. Als Beispiel nennt König Bremervörde, wo innerhalb von zwei Stunden gebietsweise bis zu 60 Liter Regen fielen, und Aurich, wo es in 48 Stunden fast 80 Liter pro Quadratmeter waren und zahlreiche Keller vollliefen.

Das ist auch ordentlich für ein Sommergewitter. Aber wenn man das vergleicht mit den Regenmengen in Nordrhein-Westfalen beziehungsweise im nördlichen Rheinland-Pfalz, da waren es 170 Liter in 36 Stunden.

Hartmut Mühlbauer, Wetterexperte von Bremen Eins

Wenn man dazu beachte, dass in der stark betroffenen Region normalerweise im kompletten Juli im Durchschnitt nur knapp 70 Liter Regen fallen, mache das klar, wie massiv die Unwetter waren, sagte der Wetterexperte von Bremen Eins, Hartmut Mühlbauer. Dass es Bremen nicht so hart getroffen habe, liege daran, dass sich das Regengebiet über dem Sauerland und der Eifel "festgekrallt" habe, und "da hat es die Energie rausgehauen in Form von Regenmengen", sagte Mühlbauer.

Im Norden nur lokale Schauer und Gewitter

Insgesamt sei die Lage aber nicht vergleichbar mit beispielsweise Nordrhein-Westfalen: "Wir haben es mit unterschiedlichen Ausprägungen der Extremwetter zu tun", sagt König. Es sei klar gewesen, dass es sich im Südwesten um flächendeckende Niederschläge handeln würde, während im Norden andere Teile des Frontensystems von Tief "Bernd" gewirkt haben: "Es war klar, dass es nur lokale Schauer und Gewitter geben würde."

Selbst in einer Stadt wie Bremen muss bei einem Unwetter nicht mal die ganze Stadt betroffen sein.

Meteorologe Alexander König

Wo genau der Regen runterkommt, ist schwer zu prognostizieren – deshalb gibt es flächendeckende Warnungen und die Menschen wundern sich, wenn dann nichts kommt. Und beschweren sich bei den Meteorologen: "Wir beobachten das jedes Jahr, wenn die Schauer- und Gewitteraktivität zunimmt. Im Sommer gibt es eher regionale Ereignisse, während im Winter die Wetterlage oft flächendeckender ist. Die regionalen Unterschiede sind nicht so extrem", sagt König. "Selbst in einer Stadt wie Bremen muss bei einem Unwetter nicht mal die ganze Stadt betroffen sein." So kleinteilig könne man die Voraussagen nicht machen.

Flachland bei Starkregen im Vorteil

Ob es zu Überflutungen kommt, sei bei Extremwetterlagen stark davon abhängig, wo der Regen runterkommt. "Wenn 80 Liter in kurzer Zeit auf einen Acker regnen, dann geht vielleicht die Ernte kaputt, aber es gibt keine Überflutung", veranschaulicht König. Prasselt diese Menge auf eine Stadt nieder, sehe es schon anderes aus. Auch die topografischen Begebenheiten spielen eine Rolle, zum Beispiel ob es Berg- oder eher Flachland ist. Im Bergland können sich Bäche schnell in reißende Ströme verwandeln, wenn zu viel Regen fällt. "Bei hohen Niederschlagsmengen im Weserbergland sehe es aber auch in Bremen an der Weser anders aus", sagt König.

Autorin

  • Greta Block Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Wettergespräch, 15. Juli 2021, 6:50 Uhr