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Temperatur-Rekord in Bremerhaven – ist das der Klimawandel?

Nie war es in Bremerhaven im Februar wärmer als am Sonntag. Auch Bremen hat am Temperatur-Rekord gekratzt. Eine Meteorologin erklärt das Phänomen und gibt einen Ausblick.

Weserstrand in Bremerhaven
So warm wie am Sonntag war es noch nie in Bremerhaven in einem Februar (Symbolbild). Bild: DPA | Titus E.Czerski
Am Wochenende wurde in Bremerhaven ein Rekord geknackt, was war da los?
Am Sonntagnachmittag wurden an der Station des Deutschen Wetterdienstes (DWD) genau 17,2 Grad gemessen, sagt Annika Brieber, Meteorologin am Bremerhavener Klimahaus. "Das war nicht nur warm, sondern wirklich etwas besonderes." Denn der bisherige Höchstwert von 16,7 Grad in 2019 wurde deutlich um ein halbes Grad übertroffen. Sonst liegen die Unterschiede laut Brieber eher im Beireich um die 0,1 Grad.
Meteorologin Annika Brieber steht in einem Raum mit Monitoren
Annika Brieber arbeitet als Meteorologin am Klimahaus in Bremerhaven. Bild: Radio Bremen
Wie sieht es mit dem Temperatur-Rekord für Februar in Bremen aus?
In Bremen ist der Rekord knapp verfehlt worden, sagt Brieber. Am Montag wurden dort 18,2 Grad gemessen, das war nochmal wärmer als der Vortag. "Der offizielle Wärme-Rekord für Februar in Bremen im DWD-Archiv liegt bei 18,5 Grad", so Brieber. "Der ist allerdings uralt und stammt von 1900, da muss man ein bisschen vorsichtig sein." In den vergangenen beiden Jahren lag der Höchstwert jeweils bei 18,1 Grad, sagt die Meteorologin. "Über 18 Grad im Februar scheint in Bremen also schon ein Normalfall zu sein."
Wie lassen sich diese Temperaturen erklären?
Von einem eindeutigen Trend will Brieber noch nicht sprechen. Allerdings fänden sich in der Rekord-Liste für Februar vor allem die letzten Jahre, in den Top-Ten seien viele 2000er. Auffällig sei es schon, dass sich die Wärme im Februar häufe. Zustande kommt dieses Phänomen laut Brieber, wenn die Luftströme wechseln. "Dann kommt die Luft plötzlich nicht mehr aus dem Norden sondern aus dem Süden, wo es jetzt schon sehr warm ist." Und das habe durchaus auch mit dem Klimawandel und der Erwärmung zu tun.

Zwar bedeute dies nicht, dass es jetzt jeden Februar so warm werde – doch die Wahrscheinlichkeit dafür nehme zu. Im Gepäck hat die Luft aus Afrika laut Brieber übrigens Sahara-Staub, der für einen milchigen Schleier sorge. "Dass der es so weit zu uns in den Norden schafft, ist schon ungewöhnlich", so die Meteorologin.
Wie besorgniserregend ist diese Entwicklung?
Subjektiv kann Brieber dieser frühen Wärme durchaus etwas abgewinnen, vor allem in Corona-Zeiten, wenn man gut rausgehen kann. "Problematisch wird es, wenn es anschließend nochmal sehr kalt wird und im März friert", so die Meteorologin. Das sei dann zum Beispiel schädlich für die Landwirtschaft. Und dieses Risiko für schädliche Auswirkungen nehme mit der Wahrscheinlichkeit früher Wärme zu. "Je früher es warm wird, umso wahrscheinlicher wird es danach auch nochmal kalt." Ob es diesmal tatsächlich so kommt, wie beispielsweise im sehr kalten März 2018, sei jetzt allerdings noch nicht absehbar.
Wie schneidet der Februar im Vergleich insgesamt ab?
Die Meteorologen erwarten zum Ende der Woche einen Temperaturrückgang, allerdings keinen neuen Wintereinbruch. Ab Freitag pendeln sich die Temperaturen laut Brieber bei maximal 10 Grad ein, nachts fällt das Thermometer nicht unter 0 Grad. Ab dann könnte es auch wieder Regen geben. Davon gab es bisher viel zu wenig, der Februar war zu trocken, so die Meteorologin. Insgesamt werde der Februar allerdings nicht aus der Reihe tanzen. "Die zu kalte Hälfte des Februars wird durch die stabile Wärmephase ausgeglichen, sodass es ein durchschnittlicher Monat wird – obwohl es sich eher extrem anfühlt."

Die Kälte Anfang des Monats ist auf einen kollabierenden Polarwirbel zurückzuführen, sagt Brieber. Diese Luftmasse über dem Nordpol sei instabil geworden und habe kalte Luft Richtung Süden zu uns schwappen lassen. Eine indirekte Folge sei dann auch die Wärme gewesen, denn kalte und warme Luft schwappten quasi im Wechsel hin und her. "Aus meteorologischer Sicht ist es sehr spannend diesen Februar zu verfolgen und zu sehen, was sich von dem Polarwirbel bis vor unsere Haustür durchzieht", sagt Brieber. "Es ist gefühlt viel in Bewegung."

So ordnet eine Bremerhavener Meteorologin das Klima 2020 ein

Video vom 6. Dezember 2020
Meterologin Annika Brieber im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 23. Februar 2021, 23:30 Uhr