Interview

Regen, Sonne, Regen? Welche App versteht das Bremer Wetter wirklich?

Audio vom 2. Juni 2021
Ein Mann hält ein Smartphone in der Hand, das eine Wetter-App zeigt (gestellte Szene).
Bild: DPA | Robert Guenther
Bild: DPA | Robert Guenther

Das Wetter gehört zu den beliebtesten Gesprächsthemen überhaupt und dazu gehört auch der Blick auf die Smartphone-Apps. Was können unsere Apps und worauf muss man achten?

Warum machen Wetter-Apps häufig unterschiedliche Prognosen? Welche sind gut, welche schlecht und worauf können User achten? Das erklärt der Meteorologe Alexander König im Interview mit buten un binnen.

Herr König, Sie sind Meteorologe und Moderator im ARD-Wetter-Kompetenzzentrum und damit Experte, wenn es um Wettervorhersagen geht. Viele Menschen richten sich mittlerweile nach Wetter-Apps. Sie haben selbst mal eine entwickelt. Wie funktionieren diese Apps eigentlich?
Was alle Apps gemeinsam haben ist, dass sie auf sogenannten Wettermodellrechnungen basieren. Dazu werden weltweit Wetterdaten gesammelt und dann in die Zukunft berechnet. Dafür braucht es die größten Rechnerleistungen, die es überhaupt gibt und dementsprechend findet das in großen Rechenzentren statt, meistens bei den staatlichen Diensten wie dem Deutschen Wetterdienst. Es gibt aber zum Beispiel auch ein europäisches oder ein amerikanisches Wettermodell. Diese Daten fließen dann in die Apps ein und zeigen uns idealerweise das richtige Wetter für die nächsten Tage an.
Alexander König vom ARD-Wetterkompetenzzentrum
Alexander König ist Teil des ARD-Wetter-Kompetenzzentrums und hat selbst schon eine App mitentwickelt. Bild: HR
Wieso gibt es gute und schlechte Apps?
Hier sind besonders zwei große Bereiche entscheidend. Zum einen werden unterschiedliche Daten verwendet. Das heißt, verschiedene Wettermodellberechnungen fließen in unterschiedliche Apps. Die kommen dann eben auch mal zu unterschiedlichen Ergebnissen. Ein weiteres, ganz großes Thema ist die Visualisierung. Wie stelle ich das Wetter eigentlich dar? Ganz oft wird auf Wettersymbole zurückgegriffen, wie eine Sonne oder Regenwolken. Die sollen dann möglichst genau erklären, wie dieses sehr komplexe und dynamische Wetter bei mir und an meinem Ort ist. Aber an der Stelle wird es schwierig. Diese Symbole vereinfachen das Wetter extrem. Hier kommt es auf eine hohe zeitliche Auflösung an, aber auch darauf, wie viele Wettersymbole eigentlich in so einer App zur Verfügung stehen. Und es kommt auf die Gewichtung an, und hier sind die Apps unterschiedlich eingestellt. Zeigen sie beispielsweise schon Regentropfen an, obwohl es nachmittags nur einen kurzen Schauer gibt oder erst, wenn es für mehrere Stunden anhaltend regnet. Hier wird uns also teilweise auch Wetter mit unterschiedlichen Symbolen angezeigt obwohl die Datengrundlage möglicherweise sogar die gleiche ist.
Gibt es Merkmale an denen ich gute oder schlechte Apps erkenne?
Es gibt ein paar Dinge auf die man achten kann. Zunächst einmal die zeitliche Auflösung. Die sollte für den heutigen und vielleicht für den nächsten Tag möglichst stundengenau sein, um einen Eindruck von der Entwicklung des Wetters zu bekommen. Ein Niederschlagsradar ist auch besonders hilfreich. Denn da handelt es sich nicht um Vorhersagedaten, sondern um Messwerte. Das heißt: Da sieht man dann genau, wo es jetzt gerade regnet und auch, ob es ein breites Regenband ist, das da gerade auf einen zuzieht oder ob es sich nur um kurze Schauer handelt. Zu guter Letzt ist da auch noch der Preis. Man kann sich vorstellen, dass jemand, der eine kostenlose Wetter-App programmiert, kein großes Interesse an laufenden Kosten für die Datengrundlage hat. Es gibt nämlich kostenlose Wetterdaten im Netz, die dafür verwendet werden können. Die sind aber meistens nicht besonders hoch aufgelöst, weder regional noch zeitlich. Deshalb lohnt es sich für Nutzer meistens, den einen oder anderen Euro mehr in eine Wetter-App von Wetterdiensten zu investieren. Die haben in der Regel auch einen höheren Anspruch an die Vorhersagequalität, weil auch ihr Ruf davon abhängt.
Was können die Apps denn und wo sind die Grenzen?
Zunächst bieten Wetter-Apps natürlich einen guten Überblick über das Wetter in den nächsten Tagen. Weiterer Vorteil: Ich habe sie mobil dabei und bekomme je nach Einstellung immer die Vorhersage für den Ort, an dem ich mich gerade befinde. Ein wichtiger Faktor sind Unwetterwarnungen. Wenn die in der App enthalten sind, kann man sie sich häufig per Push-Nachricht zusenden lassen. Dann wird man automatisch informiert, wenn es ein warnwürdiges Ereignis in der Nähe gibt. Damit ist man also mobil sehr gut informiert und sicher etwas besser als früher, als es die Apps noch nicht gab. Übrigens: Oftmals sind fundierte Wetter-Apps schon sehr gut und besser als ihr Ruf. Bei der Vorhersage von sehr kleinräumigen Phänomenen wie Schauern, Gewittern oder Nebel kommen die Apps allerdings oft an ihre Grenzen. Gerade jetzt im Frühjahr hat man das häufiger.
Wo sollte man sich informieren, wenn es wirklich auf eine möglichst präzise Wetterinformation ankommt?
Wenn man es mal ganz genau wissen muss, braucht es auf jeden Fall eine hohe Regionalisierung und das am besten meteorologisch, journalistisch aufgearbeitet. Mit Sprache und Text kann das Wetter deutlich differenzierter wiedergegeben und eingeordnet werden, im Gegensatz zu reinen Symbolen. Zudem sollte die Vorhersage möglichst aktuell sein. Da bieten sich beispielsweise regionale Wetterinformationen von regionalen Fernsehsendern, regionalen Radiostationen an. Oder auch regionale Texte online oder im Videotext. Dort wird das Wetter im Optimalfall von Meteorologen präsentiert und eingeordnet. Zusammen mit einem Niederschlagsradar und einem Blick aufs Satellitenbild sowie den Warnungen des Deutschen Wetterdienstes ergibt sich schon ein recht umfassendes Gesamtbild. Die höchstmögliche Qualität erhält man immer durch die Einordnung von einem Meteorologen, denn bei aller technischer Errungenschaft spielt die Erfahrung weiterhin eine enorm wichtige Rolle bei Wettervorhersagen.

Sommer, Sonne, Bootfahren: Die Bremer zieht es auf’s Wasser

Video vom 30. Mai 2021
Zwei Bremerinnen paddeln auf einem Boot auf dem Wasser.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Kerstin Staben Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 1. Juni 2021, 19:30 Uhr