Interview

Klimareport – Expertin sieht auch weitreichende Folgen für Bremen

Von Starkregen überraschte Passanten (Archivbild)
In Bremen und der Region ist laut Neele Meyer vom Bremerhavener Klimahaus aufgrund des Klimwandels künftig mit Extremwetterereignissen zu rechnen. (Archivbild) Bild: DPA | Julian Stratenschulte

Der neue Bericht des Weltklimarats vom Montag zeigt einen schnelleren Klimawandel als erwartet. Für Bremen könnten die Folgen laut einer Klimahaus-Wissenschaftlerin heftig werden.

Der Klimawandel vollzieht sich schneller und folgenschwerer als bislang angenommen – das ist das Ergebnis des ersten Teils des neuen Sachstandsberichts des Weltklimarats IPCC. Die Erde werde sich bei der derzeitigen Entwicklung bereits gegen 2030 um 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erwärmen – und damit zehn Jahre früher als noch 2018 prognostiziert, heißt es in dem am Montag in Genf veröffentlichten Bericht. Dazu haben wir die Geowissenschaftlerin Dr. Neele Meyer befragt. Sie arbeitet als Referentin für Wissenschaftskommunikation am Klimahaus in Bremerhaven.

Frau Meyer, wie haben Sie als Expertin auf den Bericht reagiert?
Ich habe mir die Pressekonferenz angeguckt und war tatsächlich auch geschockt. Obwohl ich das ja erwartet habe und vieles aus den vorherigen Berichten einfach nur bestätigt wurde, musste ich doch ein bisschen schlucken.
Eine Frau steht vor einem Gewässer und blickt in die Kamera.
Die Geowissenschaftlerin Dr. Neele Meyer arbeitet als Referentin für Wissenschaftskommunikation am Klimahaus in Bremerhaven. Bild: Sina Simon
Was bedeuten die Ergebnisse des Berichts für die Region Bremen und Bremerhaven?
In diesem Klimabericht steht tatsächlich drin, dass alles, was wir schon vermutet haben, jetzt erstmal den Tatsachen entspricht. Dass es nicht nur gefühlt so war, dass wir in den letzten Jahren mehr Extremwetter hatten, sondern, dass auch das der Tatsache entspricht. Außerdem ist jetzt eindeutig klar, dass der Mensch zweifelsfrei Einfluss darauf hatte.

Das bedeutet für Bremen und Bremerhaven, dass wir mehr Hitzewellen haben werden. Wir werden generell höhere Temperaturen bekommen, aber auch mehr Starkregenereignisse haben. Und auch der Meeresspiegel wird ansteigen, was dann zu Küstenüberschwemmungen führen kann.
Was könnte das bedeuten, wenn der Meeresspiegel ansteigt?
Erstmal haben wir glücklicherweise noch unsere Deiche. Aber es bedeutet auf jeden Fall, dass wir uns jetzt um sie kümmern müssen. Denn weil wir sagen, der Meeresspiegel steigt wahrscheinlich um 30 bis 60 Zentimeter, bedeutet das nicht, dass der Deich nur um diese Höhe erhöht werden muss. Es gibt dann nämlich natürlich auch höhere Sturmfluten, die noch on Top kommen.
Kann man die Entwicklung noch stoppen?
In dem Bericht steht, dass wir das 1,5-Grad-Ziel noch erreichen können. Von dem wird ja immer gesprochen. Aber es wird auch ganz klar kommuniziert, dass wir jetzt sofort handeln müssen.
Was kann jeder einzelne jetzt fürs Klima tun?
In unserem Alltag müssen wir zum Beispiel schauen, wie wir uns bewegen. Müssen wir in den Urlaub fliegen oder können wir mit dem Zug fahren? Müssen wir wirklich für jeden Weg das Auto nehmen oder reicht auch das Fahrrad? Dann können wir auch durch unser Konsumverhalten ein wenig Einfluss nehmen, also im Sinne von: Was kaufen wir eigentlich im Supermarkt, ist das regional oder wird es weit transportiert?

Wir vom Klimahaus empfehlen aber zum Beispiel auch, dass wir bei der Bundestagswahl einfach die Programme der einzelnen Parteien hinsichtlich des Klimaschutzes nochmal genauer anschauen. Denn: Wir müssen jetzt handeln, damit wir das Ziel noch erreichen können.

Wie denken die Radio Bremen Meinungsmelder über Klimaschutz?

Video vom 3. August 2021
Ein Kraftwerk unter einem düsteren Himmel, hinter einer Steinmauer.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor
  • Michelle Fausten

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Läuft, 9. August 2021, 15:15 Uhr