"Kein Klitschko im Glas": 5 Fakten über Wein aus dem Bremer Ratskeller

Bremer Ratskeller stellt den neuen Jahrgang des Senatsweins vor

Video vom 29. Juli 2021
Ein Mann schaut in ein Glas mit Weißwein.
Bild: DPA | Franck Dubray
Bild: DPA | Franck Dubray

Der Bremer Ratskeller präsentiert seinen neuen Jahrgang. Damit Sie beim Smalltalk richtig punkten können, haben wir das Wissen rund um den Wein gesammelt.

Wer in Bremen wohnt, kommt nicht an ihm vorbei: Der Bremer Ratskeller ist wohl jeder Bremerin und jedem Bremer ein Begriff. Seit mehr als 600 Jahren werden dort Weine gelagert und verkauft. Zusammen mit dem Martinshof, dessen Beschäftigte auch bei der Weinlese unterstützen, stellt der Ratskeller nun wieder den "Senatswein" vor. Er kommt vom Bremer Weinberg an der Mosel. Damit beim Anstoßen die Themen nicht ausgehen, haben wir Fakten rund um die Bremer Weinwelt gesammelt.

1 Das macht den diesjährigen Senatswein aus

Wie immer wird an den Erdener Treppchen an der Mosel der Riesling angebaut, oder wie Ratskellermeister Karl-Josef Krötz sagt: "der König der Weißwein-Rebsorten". Durch die starke Trockenheit im letzten Sommer seien die geerneten Trauben besonders gesund und geeignet für die Geschmacksrichtungen "trocken" und "feinherb". Auch die Alkoholwerte seien durch das Wetter nicht so hoch und die Säure moderat. "Der Jahrgang 2020 steht nicht für Fülle, nicht für Macht, nicht für Power, nicht für Klitschko im Glas", so Krötz. Vielmehr stehe er für das, was Riesling typischerweise darstelle: Filigranität, Leichtigkeit, ein feiner Ausbau der Fruchtaromatik.

2 Gute Weinjahre werden wegen Klimaerwärmung in Deutschland zur Regel

Voraussetzungen für einen guten Jahrgang seien laut Ratskellermeister Krötz sonniges Herbstwetter, zur richtigen Zeit etwas Niederschlag, kein Hagel und ein Frühjahr ohne Frost. Stimmt dann noch die Erntemenge würde ein Winzer von einem "guten Weinjahr" sprechen. Starker Frost zur Blützezeit schränke nämlich die Erntemenge stark ein: "Hagelschauer, zu starke Nässe und kühle Temperaturen in der Wachstumsphase der Pflanze, sowie vor oder während der Traubenlese, können im schlimmsten Fall zu einem Totalausfall führen", erklärt Krötz. Allerdings gebe es heutzutage keinen wirklich schlechten Jahrgang mehr, da Grenzregionen für den Weinbau, wie Deutschland eine ist, von der Klimaerwärmung profitieren. Die erhöhten Temperaturen halten die Säurewerte des Weißweins ihm Rahmen, während die Farbintensität des Rotweins kräftiger wird.

3 Was hat es mit dem Prädikatswein auf sich?

Das Prädikat ist vielen vor allem aus der Grammatik bekannt. Im Zusammenhang mit Weinen taucht das Wort aber auch auf – als Prädikatswein. Hierbei handelt es sich um die höchste Qualitätsstufe, die ein Wein in Deutschland haben kann. Damit steht der Rebensaft mit Prädikat an der Spitze der Wein-Pyramide, noch über anderen Qualitätsweinen, sowie den Land- und Tafelweinen. Generell gilt: Je höher das Mostgewicht des Traubensafts, also der natürliche Zuckergehalt des Saftes vor der Gärung, desto höher ist die Qualitätsstufe des Weins.

4 Ein 100-Jahre alter Wein schmeckt tatsächlich gut

Oft hört man zum Thema Wein: Je älter, desto besser. Und so hat der Ratskeller erst kürzlich für fast 6.000 Euro eine hundert Jahre alte Flasche versteigert. Doch diese Weine sind mittlerweile sehr rar und kaum noch zu bekommen. Und so beschreibt der Ratskellermeister, dass edle, ältere Tropfen oftmals fälschlicherweise verschmäht werden: "Eigentlich giert die Weinwelt nach jungen Tropfen, dabei sind es oft die reifen Gewächse, die erst den wahren Genuss verschaffen." Oft werde hier unterschätzt, dass der Wein von der Lagerung profitiert und die besseren Qualitätskategorien über eine erstaunliche Haltbarkeit verfügen.

5 Der Bremer Weinberg ist 470 Kilometer entfernt

Was als Lösung einer Notlage begann, ist heute dafür verantwortlich, dass der Bremer Senatswein von einem Rheinland-Pfälzischen Weinberg kommt. Genauer gesagt aus Erden an der Mosel. Dort befindet sich die älteste Kelter-Anlage nördlich der Alpen, in denen bereits die Römer Wein produzierten. Dieser historische Fund wurde in den 90er Jahren entdeckt und sollte erhalten werden. Doch das Geld fehlte und so entstand die Notlage. Ratskellermeister Karl-Josef Krötz, der selbst von der Mosel kommt, wurde daraufhin von dem ansässigen Förderverein angesprochen und gefragt, ob der Bremer Ratskeller nicht einspringen wollen würde. Die Idee zu der Patenschaft war geboren und seitdem wird der Bremer Senatswein aus den 800 Rieslingreben von eben diesem Weinberg gewonnen. Je nach Ernte können zwischen 800 und 1.500 Flaschen Senatswein aus den Rebstöcken gewonnen werden.

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Autoren

  • Johanna Kroke
  • Rena Lossau
  • Alexander Noodt Redakteur und Autor
  • Laura Lippert

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. Juli 2021, 19:30 Uhr