Wein aus Ostfriesland – erdig, salzig und schmeckt nach Meer

Audio vom 12. Mai 2021
Einige Weinreben
Bild: Radio Bremen
Bild: DPA | Franck Dubray

Eine Winzergemeinschaft hat mitten in Ostfriesland Ackerfläche gepachtet, um dort Wein anzubauen. Was sagt Bremens Ratskellermeister zum neuen Friesling?

Braucht es zum Weinanbau hohe Berge? Nein. Entsprechend macht Ostfriesland jetzt Franken, Rheinhessen und der Pfalz Konkurrenz: 40 Ostfriesen haben vor zwei Jahren die Ostfriesische Winzergenossenschaft (OWG) gegründet, um in Breinermoor im Landkreis Leer Wein anzubauen. Für 120.000 Euro wurde eine Ackerfläche von rund einem Hektar Größe gepachtet und dort diese Woche die ersten Reben gesetzt.

Damit versuchen sich die Ostfriesen nach 150 Jahren wieder am Weinanbau. Der Name des künftigen Weißweins ist schon gefunden: Friesling soll er heißen, weil er nach Riesling schmecken soll und in Ostfriesland angebaut wird.

Eigentlich haben wir hier so viel Sonnenstunden wie in Stuttgart. Und alle Weinanbaugebiete gehen Stück für Stück weiter nach Norden.Wir haben schon welche in Finnland, in Norwegen, in Dänemark.

Thorsten Oltmanns, Chef der Winzergenossenschaft

Der gebürtige Bremer und Neu-Winzer Thorsten Oltmanns ist zuversichtlich, dass der Weinanbau keine Schnapsidee ist: "Wir haben vor einigen Jahren mal einen Winzer im Rheingau besucht und der sagte, der baut schon Wein auf Sylt an. Und da haben wir gesagt, was die Friesen können, das können die Ostfriesen schon lange."

Ein Wein mit besonderer ostfriesischer Note

Ein Winzer beim ernten von Weintrauben
Wein gedeiht durchaus auch im Norden – wie hier Mitten in Bremen. Bild: Radio Bremen

Aus 4.000 Rebstöcken aus dem Rheingau sollen 4.000 Flaschen Wein entstehen. Bei den Weinreben handelt es sich um zwei Sorten: um die Sorte Sauvignon Gris aus Frankreich und der Schweiz und um die Sorte Solaris, die in Finnland und Dänemark geerntet wird. Letztere Sorte wird speziell für das nördliche Gefilde gezüchtet. Der ostfriesische Wein soll aber nicht nach Frankreich, der Schweiz oder Finnland schmecken, sondern eine besondere ostfriesische Note haben, sagt Thorsten Oltmanns.

Weil die Luft hier etwas salzhaltiger ist, erwarten wir, dass der Wein auch etwas salziger schmeckt.  Man wird merken, dass er etwas ungewöhnlich ist. Dann sind wir gespannt, wie sich der Boden auswirkt, denn das ist ja kein klassischer Weinboden. Den muss man ein bisschen vorbereiten. Ich würde sagen, er wird erdig und bisschen nach Meer schmecken.

Thorsten Oltmanns, Chef der Winzergenossenschaft

"Heiterer Treibstoff" statt Edeltropfen

Blick in einen Verkaufsraum voller Weinflaschen.
Der Bremer Ratskeller bietet rund 650 Weine, ausschließlich aus 13 deutschen Weinanbaugebieten. Bild: Ratskeller

Ob der Wein geschmackstechnisch auch gut werden kann? Warum nicht, sagt Bremens Ratskellermeister Karl-Josef Krötz gegenüber Bremen Eins. Schließlich werde dank des Klimawandels bereits in Oslo Weinanbau betrieben. Also warum nicht auch in Friesland? Ganz nach dem Motto "gut Ding will Weile haben", will auch guter Wein Weile haben. So ist Krötz der Ansicht, dass man da geduldig sein muss, denn die Winzer stünden noch ganz am Anfang ihres Weinanbaus, und die Qualitätsschraube müsse nach und nach nachgezogen werden.

Ich kann mir gut vorstellen, das sind dann nachher mehr Weine, die leichter, beschwingter sind, die weniger den ganz großen Anspruch hegen. Sondern, dass sie eigentlich mehr so der heitere Treibstoff für schöne lockere Gespräche sind.

Karl-Josef Krötz, Kellermeister des Ratskellers

Gekostet werden kann der Wein aber erst in ungefähr zwei Jahren, denn dann wollen die Ostfriesen die ersten Trauben ernten. Der Wein soll vor allem an die 40 Genossen gehen, aber auch an Restaurants verkauft werden. Wenn es gut läuft, will die Winzergenossenschaft weitere Ackerflächen pachten. Andernfalls wollen die Winzer aus den Trauben Schnaps oder Branntwein machen. Damit haben Ostfriesen deutlich mehr Erfahrung als mit Wein. Und dann wäre es am Ende doch eine Schnappsidee gewesen.

Bremens Ratskellermeister zur Ostfriesland-Rebe

Audio vom 12. Mai 2021
Ratskellermeister Karl-Josef Krötz vor einem Weinregal im Ratskeller
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Ansgar Langhorst
  • Necla Süre Volontärin
  • Thomas Stahlberg

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 12.05.2021, 11:15 Uhr und 11:40 Uhr