In diesen 2 Postämtern landen die Wunschzettel der Kinder

Post an Nikolaus und Christkind landen in Niedersachsen: Die Weihnachtspostämter in Nikolausdorf und Himmelpforten beantworten die Briefe und den Wunsch nach Gesundheit.

Eine Postkiste voll mit Briefen an den Nikolaus.
Kistenweise landen Briefe und Wunschzettel an den Nikolaus und das Christkind in Nikolausdorf und Himmelpforten – zwei Dörfer in Niedersachsen. Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Trotz Corona-Pandemie schicken Kinder aus aller Welt ihre Wünsche an den Weihnachtsmann. Einige von ihnen landen auf dem Schreibtisch von Hubert Weddehage aus Nikolausdorf. Wie jedes Jahr werden sie beantwortet, diesmal allerdings im Homeoffice. "Die Kinder wollen bei uns ihre Weihnachtswünsche loswerden und bitten den Nikolaus, die bunt bemalten Wunschzettel weiterzuleiten", so der 67-jährige Steuerberater Weddehage.

Wunschzettel von Jette an den Weihnachtsmann
Bunt gemalte Wunschzettel landen jedes Jahr in den Weihnachtspostämtern. Bild: Christkind-Postamt Himmelpforten | Wolfgang Dipper

In vielen Briefen spielt Corona eine Rolle, sie enden mit der Grußformel: 'Bleib gesund'. Andere schreiben, dass Corona weggehen soll, weil es in der Schule keinen Spaß mehr macht, so Weddehage, der schon als Jugendlicher für den Nikolaus tätig war.

40.000 Wunschzettel mit persönlicher Geschichte

Normalerweise handeln die Wunschzettel von Wünschen nach Spielzeugen, Büchern und Haustieren, aber auch Corona ist bei Wolfgang Dipper ein Thema. Er leitet das Weihnachtspostamt im niedersächsischen Himmelpforten seit 17 Jahren.

Jedes Jahr landen rund 35.000 Briefe aus der ganzen Welt in Himmelpforten, in Nikolausdorf kommen etwa 6.500 Wunschzettel an. Die Briefe, die eigentlich an den Weihnachtsmann, das Christkind oder den Nikolaus gerichtet sind, werden von Ehrenamtlichen beantwortet. Dieses Jahr schreiben sehr viele Kinder, dass sie Angst haben, weil sie nicht wissen, was passiert, so Dipper.

Die Kinder wünschen sich, dass das Virus verschwindet.

Wolfgang Dipper, Leiter des Weihnachtspostamts
Ein Brief eines Kindes mit Nasenschutz für den Weihnachtsmann
Statt Plätzchen gibt es dieses Jahr einen Mundschutz für den Weihnachtsmann. Bild: Christkind-Postamt Himmelpforten | Wolfgang Dipper

"Und sie schicken dem Weihnachtsmann Geschenke wie einen Mundschutz, damit er nicht krank wird und am 24. Dezember Geschenke verteilen kann" – sonst gab es meist Schokolade, Pralinen oder selbst gebackene Plätzchen, so Dipper. Auch Weddehage hat schon eine Mund-Nasen-Bedeckung bekommen – aus Taiwan.

Besuche beim Weihnachtsmann: Mit Abstand oder telefonisch

Hunderte Kinder kommen normalerweise am Tag zum Weihnachtsmann in die Weihnachtsvilla in Himmelpforten, setzen sich auf seinen Schoß und erzählen von ihren Wünschen und Sorgen. Das geht dieses Jahr an den Adventswochenenden nur am Fenster und am Telefon.

Handgeschriebener Weihnachtsbrief.
Wenn die Kinder noch nicht selbst schreiben können, helfen die Eltern und schreiben dem Nikolaus. Bild: Nikolaus-Postamt Nikolausdorf / Hubert Weddehage

Telefonisch berichten die Kinder von ihren Wünschen: "Die erzählen mir, dass sie schon oft beim Weihnachtsmann waren, aber dieses Jahr leider nicht kommen können", sagt Jörn Apel, einer der fünf ehrenamtlichen Weihnachtsmänner in Himmelpforten. Neben den materiellen Wünschen wollen die Kinder auch oft, "dass diese schreckliche Krankheit aufhört", so Apel.

Kinderwünsche verändern sich

Ein Brief eines Kindes an den Weihnachtsmann
Gesundheit ist ein häufiger Weihnachtswunsch. Bild: Christkind-Postamt Himmelpforten | Wolfgang Dipper

"Früher haben die Kinder einen Wunschzettel geschrieben oder gemalt, heute kleben sie ausgeschnittene Bilder aus Prospekten auf den Wunschzettel", so Weihnachtsmann Apel. "Manchen hängen auch eine Preisliste an, damit wir auch wissen, was die ganze Sache kostet", fügt Weddehage hinzu.

Der Wunschzettel wirkt manchmal wie ein Bestellzettel, so Apel. Am Telefon hinterfragt er die Wünsche der Kinder. Ihn interessiert, warum sich die Kinder gerade diese bestimmte Puppe wünschen oder warum so viel auf dem Zettel steht: "Ich merke dann, dass die Kinder sich kaum Gedanken gemacht haben und einfach ihr Herz ausschütten wollen und sich auch über etwas anderes freuen würden." Dabei ist der Wunsch nach Gesundheit oder nach einem gemeinsamen Fest mit den Großeltern neu. Für Apel selbst sind diese emotionalen Wünsche berührend: "Die Kinder merken ganz gut, dass dieses Jahr etwas anders ist."

Post übernimmt das Porto

Während der Weihnachtsmann am Wochenende telefonisch erreichbar ist, beantworten 22 Ehrenamtliche die Briefe der Kinder mit einer kleinen Weihnachtsgeschichte, einer Postkarte zum Ausmalen und einer Bastelanleitung für einen Stern.

Wunschliste eines Kindes mit selbstgemalten Bildern von Spielzeugen
Wer noch nicht schreiben kann, malt seine Wünsche. Bild: Christkind-Postamt Himmelpforten | Wolfgang Dipper

Die Helfer des Weihnachtsmanns sind zwischen 26 und 87 Jahre alt und schaffen auch mal 150 Briefe in einer Schicht. Viele schreiben coronabedingt vom eigenen Schreibtisch im Homeoffice, andere Wechseln sich im Postamt ab. Vorwiegend schreiben Kinder, aber auch Erwachsene wollen sich manchmal etwas von der Seele schreiben, so Dipper und Weddehage.

Jeder Brief, der spätestens zehn Tage vor Heiligabend in der Schreibstube in Himmelpforten oder Nikolausdorf ankommt, wird beantwortet und kommt hoffentlich rechtzeitig zum Fest bei den Schreibenden an.

Das rät eine Bremer Psychologin für die Weihnachtszeit während Corona

Video vom 29. November 2020
Die Psycholgogische Psychotherapeutin Amelie Thobaben im Interview bei buten un binnen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Marike Deitschun Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 4. Dezember 2020, 23:30 Uhr