Staub für die Königin der Küste – darum liebt ein Bremer Fotograf Müll

Fotograf Phil Porter fordert in der Pandemie mehr Umweltschutz. Warum er dafür eine Tierpflegerin in den Koiteich setzt und einen Biologen in Bremerhaven versenkt.

Phil Porter: Königin der Küste
"Königin der Küste": Vivien Catharina Altenau in Gardinen gehüllt. Auf dem Kopf trägt sie einen Leuchtturm. Die Staubwolke hat Porter mit Resten gerösteter Kaffeebohnen erzeugt. Bild: Phil Porter

Phil Porter liebt Müll. Insbesondere dann, wenn sich der Abfall in Unmengen vor ihm auftürmt. So, wie auf dem Recyclinghof der Firma Hirsch in Bremen-Hemelingen. "Alles, was es hier gibt, gibt es in Massen", schwärmt der Fotograf mit Blick auf gigantische Schrotthaufen und Papierberge. "Luxus pur" sei das, fügt er hinzu.

Porter verwandelt Schrott und Abfall zu imposanten Kulissen, schafft aus dem, was andere weggeworfen haben, opulente Kostüme und verewigt das Ganze schließlich mithilfe ehrenamtlicher Models in spektakulären Porträt-Fotos. Sie tragen Titel wie "Der Bote", "Die Näherin" oder "Königin der Küste" und zeugen von dem Überfluss, in dem wir leben.

Noch in diesem Sommer möchte Porter aus diesen Fotos einen Bildband machen. "Waste" (Müll), so der schlichte Titel des Bands, soll ein Plädoyer für mehr Umweltschutz und bewussten Konsum im Land Bremen werden.

Ein Team aus Diven und Dandys

Fotograf Phil Porter steht vor einer Müllhalde
Liebt Müll: Phil Porter. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Bis dahin macht Porter den Hemelinger Recyclinghof jeden Sonntag, wenn dort kein Betrieb herrscht, zu einem riesigen Outdoor-Fotostudio. Dabei kann er sich der vollen Unterstützung des Hausherrn sicher sein: "Das ist ein Super-Projekt. Und Phil ist ein überragender Fotograf. Ich finde es schön, dass wir ihm helfen können, indem wir ihn hier einfach machen lassen", sagt Recyclinghof-Geschäftsführer Christian Hirsch, seinerseits begeisterter Hobbyfotograf.

Damit steht Hirsch nicht allein da. Porter ist umgeben von einem "Team aus Diven und Dandys", wie er sagt. Dazu zählt auch die Jura-Studentin Chantal Wittrock. Wie alle macht sie "für lau" bei dem Projekt mit, aus Spaß an der Freude: "Wann hat man schon mal die Möglichkeit, auf so viel Altpapier zu turnen – und dann kommen solche Fotos dabei raus?", fragt sie. Im Übrigen seien die Shootings für sie eine wunderbare Abwechslung: "Verwaltungsrecht ist wahnsinnig langweilig", findet die angehende Juristin.

Auch Vivien Catharina Altenau betätigt sich mit Freude als Model für das Buch "Waste". Mit Hinblick auf die Corona-Pandemie sagt die Schriftstellerin, die auch in einer Buchhandlung arbeitet: "Wir leben in einer Zeit, in der wir sehr achtsam sein müssen. Und wir nutzen diese Achtsamkeit der Menschen, um ihnen zu zeigen, in welcher Welt wir leben."

"Ich würde eingehen, wenn ich nichts machen könnte"

Phil Porter steht mit zwei Frauen vor Müllbergen und schaut in die Luft
Team aus Diven und Dandys: Phil Porter mit seinen Models Chantal und Vivien auf dem Recyclinghof der Firma Hirsch in Hemelingen. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Zwar thematisieren Porter und seine "Diven und Dandys" Corona nicht direkt in ihrem Bildband. Dennoch hat der Fotograf die Idee für das Buch in unmittelbarer Folge der Pandemie entwickelt, aus Kreativität und Not heraus: "Wir wollen damit möglichst gut durch die Krise kommen", sagt er. Seit Ausbruch der Seuche könnten Fotografen kaum noch arbeiten, schon gar nicht in Studios. Das sei nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht eine katastrophale Lage, sondern auch für das Lebensgefühl: "Ich würde eingehen, wenn ich gar nichts machen könnte", sagt Porter.

Tierpflegerin im Koiteich der Botanika

Phil Porter: Süße See
"Süße See" heißt dieses Bild von Phil Porter. Es zeigt Tierpflegerin Vanessa Conrad im Koiteich der Botanika. Bild: Phil Porter

Das Buchprojekt bringt ihn ständig auf neue Ideen. Der Abfall der Menschen erzähle eigene Geschichten, die nur darauf warteten, fotografisch umgesetzt zu werden, sagt Porter. Der Recyclinghof mit seinen sensationellen Abfällen bilde eine "unschlagbare Basis" für die Arbeit an "Waste".

Einige Fotos für das Buch aber nimmt Porter an anderen Orten im Land Bremen auf. So hat er kürzlich in der Botanika die Tierpflegerin Vanessa Conrad auf eigentümliche Weise in Szene gesetzt: schwimmend im Koiteich, mit orange gefärbtem Haar und in ein ebenso orangefarbenes Kleid gehüllt, mit Sushi anstelle von Ringen an den Ohren und mit einem Schlüsselanhänger im Mund, der wie ein Fisch aussieht. Porter hat sie von oben, vom Dach der Botanika fotografiert.

Spektakuläres Foto im Zoo am Meer

Ein vielleicht noch spektakuläreres Bild möchte der Fotograf am 15. Mai in Bremerhaven aufnehmen, im Zoo am Meer. "Wir wollen einen Meeresbiologen im Seehundbecken versenken", kündigt Porter an. Dazu wolle er den Wissenschaftler in Plastik und in Netze einwickeln, um so auf die Verschmutzung der Meere aufmerksam zu machen.

Schon jetzt darf man getrost davon ausgehen, dass das Foto in die Geschichte des Zoos am Meer eingehen wird, vielleicht auch in jene der Stadt Bremerhaven und des Landes Bremen. Auf alle Fälle aber in das Buch "Waste".

Wie Phil Porter das Bild "Territorium" gemacht hat

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2019 im Porträt: Das ist der Hüter des "Salon Obscura"

Video vom 25. November 2019
Phil Porter sitzt am Tisch mit Hut in seinem 20er Jahre Hotel.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 7. Mai 2021, 23:30 Uhr