Fragen & Antworten

Darum kommen sich Surfer und Naturschützer in Cuxhaven ins Gehege

Audio vom 5. September 2021
Ein Windsurfer und mehrere Kite-Surfer sind auf dem Wasser unterwegs.
Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich
Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich

Naturschutz versus Wassersport – in Cuxhaven und entlang der niedersächsischen Nordseeküste gibt es Diskussionen darüber, wo gesurft werden darf und wo nicht. Darum geht es.

Egal ob Kitesurfen, Windsurfen oder Stand-Up-Paddling – seit Jahren sind immer mehr Menschen mit einem Board auf dem Wasser unterwegs. Aber: Umweltschützer sehen darin teilweise ein Problem. In Cuxhaven ist um den Wassersport im Nationalpark Wattenmeer ein Konflikt entstanden.

Ein Mann im blauen Hemd blickt in die Kamera. Um seinen Hals hängt ein Fernglas.
Aus Sicht von Naturschützer Hans-Joachim Ropers stellen Kites ein Problem für Vögel dar. Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck
Worum geht es im Streit zwischen Wassersportlern und Naturschützern?
Es prallen zwei Interessen aufeinander. Auf der einen Seite stehen die Wassersportler, die am liebsten möglichst ungehindert auf dem Wasser unterwegs sein möchten. Und auf der anderen Seite die Naturschützer, die sich um die Vögel sorgen, die dort leben. Denn laut des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) machen in den beiden Surfzonen in Cuxhaven viele Zugvögel Pause. Und durch die Kitesurfer, werde diesen Vögeln geschadet, sagt Hans-Joachim Ropers, Vorsitzender der NABU-Gruppe Cuxhaven.

"Das Problem ist der Drachen, weil die rastenden Vögel den Drachen als Greifvogel, als Gefahr, aus der Luft sehen", so Ropers. "Ein einziger Kiter reicht, um ganze Vogelschwärme aufzuscheuchen." Diesen Konflikt zwischen Wassersportlern und Umweltschützern gibt es schon viele Jahre. Allerdings werden es immer mehr Surfer. Und deshalb verschärft sich die Lage.
Ein Mann steht mit einem Surfbrett vor einem Auto.
Jogi Hinrichs betreibt eine Surfschule in Cuxhaven, hat aber auch Verständnis für die Argumente von Naturschützern. Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck
Was sagen die Wassersportler in Cuxhaven dazu?
Die sehen das Problem auch und haben größtenteils Verständnis für die Argumente der Gegenseite. Sie wollen sich aber ihren Sport auch nicht wegnehmen lassen. Das sagt zum Beispiel Jogi Hinrichs, der eine Surfschule in Cuxhaven-Sahlenburg betreibt:

"Die Umweltleute sagen: 'Alles raus', was ich verstehen kann. Das ist ein Nationalpark mit Ruhezonen. Und der Wassersportler sagt, er will seinen Sport betreiben. Und so treffen zwei Gruppen aufeinander. In beiden Gruppen gibt es Hardliner. Also wird es dann eng. Im wahrsten Sinne des Wortes. Der Sport hat immer mehr zugenommen. Die betreibenden Leute haben sich verzehnfacht in den letzten 15 Jahren. Und die Reviere sind einfach zu klein. Und jetzt müssen wir in den Dialog. Und das ist etwas schwierig."

Zwei Surfreviere hat Hinrichs mit seiner Surfschule in Cuxhaven momentan. Diese sind mit Bojen im Wasser abgesteckt. Allerdings seien diese beiden Bereiche mittlerweile so voll, dass das Surfen teilweise schon gefährlich geworden sei.
Und wie soll es in dem Konflikt weitergehen?
Die Auseinandersetzung ist auch eine politische Frage. Zuständig ist der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD). Nachdem eine Landesregelung zum Kitesurfen im Wattenmeer gerichtlich gekippt wurde, scheint ein neuer Kompromiss zwischen Wassersportlern, Nationalparkverwaltung und Umweltministerium entlang der Küste gefunden. Kitesurf-Zonen sollen größer werden – es gibt aber auch Beschränkungen.

Die Regelung sieht die Ausweisung von deutlich mehr Kitesurf-Zonen vor als bislang. Zudem wurden Beschränkungen zu bestimmten Jahres-, Tages-, und Tidezeiten vereinbart, die den Vogelschutz sicherstellen sollen. Der Verband Deutscher Wassersport Schulen (VDWS), der an den Gesprächen teilnahm, begrüßte die Lösung. Das sehen aber nicht alle so. Einige Surfer sind unzufrieden. Das Thema scheint also noch nicht endgültig ausdiskutiert und steht laut des Umweltministeriums in den nächsten Wochen auch noch auf der Tagesordnung einiger Gremien.

Autoren

  • Leonard Steinbeck
  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 3. September 2021, 12:40 Uhr