Bremer, trinkt Wasser! Aber diese 4 Mythen sollten Sie kennen

Eine Person trinkt aus einem Wasserglas.
Unser Körper besteht zu 70% aus Wasser, davon müssen jeden Tages einiges durch Trinken aufnehmen. Bild: Imago | photothek
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Unser Körper besteht zu 70 Prozent aus Wasser, davon müssen wir jeden Tag einiges durch Trinken aufnehmen. Doch wie machen wir das am besten? Welche Tipps sind sinnvoll?

Allein einen Liter über die Atmung und fast nochmal einen Liter über den Gang zur Toilette: Das sind also rund zwei Liter Flüssigkeit, die wir täglich ausscheiden. Deshalb empfehlen Mediziner und auch die deutsche Gesellschaft für Ernährung jeden Tag zwischen 1,5 und 2 Liter zu trinken. Doch weil schon mit Mitte 20 das Durstgefühl beim Menschen langsam abnimmt, müssen wir uns konzentrieren, um das Trinken nicht zu vergessen. Da kommt die Frage auf: Wann soll man wie viel am besten trinken? Diese Tipps haben wir geprüft – welche sind lediglich Mythen?

1 Warmes Wasser nach dem Aufstehen stärkt die Darmgesundheit

Ein weit verbreiteter Mythos. Fakt ist, wer morgens gleich etwas trinkt, egal ob warm oder kalt, Wasser oder Kaffee, weckt tatsächlich damit den Verdauungsapparat auf, so Martin Scherer, Professor für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf. Er nennt dieses morgendliche Wachrütteln den "Gastrokolischen Reflex".

So oder so wache der Darm aber auch von alleine auf. Bis dahin geht unser Körper sparsam mit Wasser um. Denn im Schlaf sinkt unsere Körpertemperatur ab, zudem atmen wir weniger. Dazu kommt, dass bestimmte Hormone ausgeschüttet werden, die die Leistung der Nieren verbessern. Sie können dann den Urin besser filtern. Das Ergebnis: Anstatt, dass wir im Schlaf auf Toilette müssen, recycelt unser Körper das Wasser mehrfach.

2 Am Vormittag einen Großteil des Tagesbedarfs trinken

Rund einen Liter, also knapp zwei Drittel des Tagesbedarfs, am Vormittag zu trinken, beugt nicht nur Konzentrationsschwierigkeiten am Nachmittag vor, sondern füllt die Vorräte des Körpers wieder auf. Je länger wir schlafen, desto besser schafft es unser Körper auch, die eigenen Reserven zu recyceln, das haben Forscher aus den USA herausgefunden. In kurzen Nächten können die Wasserspar-Hormone jedoch nicht so gut wirken und wir fühlen uns nach dem Aufstehen gerädert.

Gerade nach einer kurzen Nacht ist es wichtig, den stärkeren Flüssigkeitsverlust sofort auszugleichen und sowieso einen Großteil des Tagesbedarfs am Vormittag zu trinken. Das beugt flüssigkeitsmangelbedingtem Kopfschmerz oder sogar Migräne vor.

Matthias Riedl, Ernährungsmediziner

3 Trinken zu den Mahlzeiten verdünnt die Magensäure

Um dieses Thema ranken sich gleich mehrere Mythen. Angeblich soll "zu viel Trinken" die Magensäure verdünnen, was dann die Verdauung verschlechtert. Doch das sei Unsinn, erklärt Martin Scherer. Egal ob man viel trinke oder nicht – die Magensäure funktioniere. "Ich muss mir auch keinen Gedanken machen, dass die Magensäure verdünnt wird, wenn ich etwas trinke. Im Gegenteil, die Verdauung wird eher angeregt", so der Mediziner.

Außerdem kann der Körper Vitamine aus dem Essen besser aufnehmen, wenn genug Flüssigkeit im Darm vorhanden ist. Aber keine Sorge: Wer vergisst beim Essen zu trinken, trocknet seinen Darm nicht aus. Unser Körper ist ein Recycling-Meister. Vereinfacht gesagt, zieht er am Ende des Dickdarms alle Verdauungssäfte raus und schickt sie über die Gallenblase und das Lymphsystem wieder nach oben zum Dünndarm und gießt sie dort wieder ein. Fünf bis sechs Liter Flüssigkeit wandern so jeden Tag durch den Darm hindurch.

4 Wasser trinken hilft beim Abnehmen

Hunger und Durst liegen beim Stammhirn nahe bei einander. Deshalb fällt es oft schwer, im Alltag Hunger, Durst und Appetit ganz klar von einander zu unterscheiden. Wer also das Gefühl hat, einen Snack essen zu wollen, könnte erst einmal mit einem Glas Wasser starten. Oft erübrigt sich das Hungergefühl dann schon. Ernährungsmediziner Matthias Riedl empfielt außerdem zur Hauptmahlzeit ein Glas Wasser zu trinken. Das fördere den Sättigungsprozess und verhindere gleichzeitig die Aufnahme von zu viel Energie.

Anders als bei der Sättigung oder beim Sättigungsgefühl, das ja relativ schnell eintritt, dauert das beim Trinken ein bisschen. Etwa eine halbe Stunde kann vergehen, bis eine Rehydratation, also eine Wiederherstellung der Flüssigkeitssituation, stattgefunden hat.

Tee gegen Hitze

Video vom 3. August 2015
Elisa Vales am Küchentüch
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 29. Juni 2021, 13:13 Uhr