Bremerhavener Tüftler baut Waschanlage für Einkaufswagen

50 Stunden hat Michael Euent am Prototyp gewerkelt: Nun steht Bremerhavens erste Einkaufswagen-Desinfektionsanlage im Supermarkt – gebaut aus Auto- und Computerteilen.

Ein Mann schiebt einen Einkaufswagen in einen Kasten.
Michael Euents Desinfektionsanlage steht direkt im Eingangsbereich des Bremerhavener Supermarktes.

In nur drei Sekunden sprühen feine Düsen Desinfektionsmittel auf den Griff und schon ist der Einkaufswagen einsatzbereit. Aus Auto- und Computerteilen hat der Bremerhavener Michael Euent eine Einkaufswagen-Desinfektionsmaschine gebaut. Die steht seit wenigen Tagen im Eingangsbereich des Edeka-Centers Streubel in Bremerhaven – und wird ordentlich genutzt. Einer nach dem anderen schiebt seinen Wagen in die Waschstraße. Auf seinem Tablet kann der Tüftler verfolgen, wie viele Wagen desinfiziert wurden.

Neben einem Kasten liegt Werkzeug.
Unter seinem Carport hat Michael Euent die Anlage zusammengebaut.

Auf die Idee kam er durch einen Fernsehbeitrag. "Ich habe das bei einer Reportage im Hintergrund gesehen“, erzählt der Berufskraftfahrer, der in seiner Freizeit leidenschaftlich gerne bastelt und programmiert. "Ich bin also nicht der Erfinder, sondern habe das nachgebaut.“ Mit einer Skizze auf einem Schmierzettel fuhr der 46-Jährige zum ansässigen Supermarkt und konnte mit seiner Idee überzeugen.

Nachts kamen Geistesblitze

Rund 50 Stunden hat Euent unter seinem Carport an der Anlage gewerkelt – manchmal auch nachts. "Dann hatte ich plötzlich einen Geistesblitz und habe irgendwas schnell umgebaut oder schnell aufgeschrieben“, sagt er und lacht. Mit angepackt hat auch sein zwölfjähriger Sohn Lennard.

Schule gab’s ja nicht. So hat der Lütte wenigstens ein bisschen Werkunterricht bekommen.

Michael Euent, Hobbybastler aus Bremerhaven

Die Bedienung ist einfach: Der Kunde muss nur auf einen Knopf drücken, dann verteilt die Maschine das Desinfektionsmittel mithilfe einer Pumpe auf der Griffstange. Nach nur drei Sekunden springt die Lampe auf Grün – der Einkaufswagen ist desinfiziert. Währenddessen kann der Kunde seine Hände desinfizieren und anschließend mit einem Papiertuch aus einem Spender den Griff abtrocknen.

Es besteht Optimierungsbedarf

Euent will das Gerät aber noch optimieren: Per Push-Nachricht auf dem Handy sollen die Mitarbeiter informiert werden, wenn Desinfektionsmittel nachgefüllt werden muss oder es eine Störung gibt. Außerdem soll das Gerät den Kunden zukünftig ansagen, ob der Einkaufswagen richtig steht. Die Desinfektionsanlage war übrigens nicht die erste Aktion für den Supermarkt. Schon zu Beginn der Corona-Pandemie hat der 46-Jährige Gesichtsvisiere für die Mitarbeiter gebaut.

Man hätte es schicker machen können, aber das ist halt nur ein Prototyp.

Michael Euent, Hobbybastler aus Bremerhaven

Eine Massenproduktion hat der Tüftler bisher nicht geplant. "Dafür bräuchte man jemanden, der das zu einem angemessenen Preis baut“, sagt er. Aber den Edeka-Markt Streubel will er noch besser ausstatten. Aktuell entwirft der Bremerhavener eine weitere Desinfektionsanlage, die draußen, direkt neben den Einkaufswagen, stehen soll. Die neue Maschine soll mithilfe von Solarpanels angetrieben werden.

Ein Name fehlt noch

Euent hofft, dass die Anlagen auch nach der Corona-Pandemie noch genutzt werden. Ihm geht es auch um Umweltschutz. "Diese Desinfektionstücher sind nicht unbedingt umweltfreundlich“, sagt er.

Was ihm jetzt noch fehlt, ist ein geeigneter Name. "Einkaufswagen-Desinfektionsmaschine" ist ihm zu lang. Einen ersten Vorschlag gibt es schon: "Also meine Frau sagt, und ich muss ja darauf hören, das Ding ist ein Eddi – ein Einkaufswagen-Desinfektionsinstrument.“

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Video vom 30. April 2020
Zwei Männer, die vor einer Obsttheke in einem Supermarkt stehen.

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Autoren

  • Leonard Steinbeck
  • Sonja Harbers

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Die Vier am Morgen, 27. Mai 2020, 9:15 Uhr