Infografik

Metro AG verkauft Real-Supermärkte an Investor

Der Handelskonzern Metro hat den Lebensmittelkette Real an einen Investor verkauft. Unklar ist, wie es mit den Bremer Standorten weitergeht.

Logo der Supermarktkette Real auf Einkaufswagen.
Die angeschlagene Supermarktkette stand zum Verkauf. Der Investor SCP hat nun zugeschlagen. Bild: Imago | Emmanuele Contini

"Wir alle wissen seit über einem Jahr nicht, wie es weitergeht! Wir haben alle Angst!" Das berichtet eine Mitarbeiterin, die bei Real arbeitet und aus Sorge um ihre Zukunft nicht namentlich genannt werden möchte. Die Beschäftigten fühlen sich ohnmächtig, sagt Sandra Schmidt von der Gewerkschaft Verdi. Sie seien sauer und gefrustet.

Das macht die Kolleginnen und Kollegen auch krank.

Sandra Schmidt, Verdi-Gewerkschaftssekretärin Einzelhandel

Unter den Beschäftigten gebe es eine große Wut darüber von der Unternehmensführung im Unklaren gelassen zu werden. Hinzu komme die Angst vor der Zukunft, so Schmidt. Viele der Mitarbeiterinnen seien schon älter und hätten kaum noch Chancen bei anderen Arbeitgebern.

Standortschließungen und Entlassungen gelten als sicher

Nun hat sich der Mutterkonzern Metro mit dem Investor SCP Group auf einen Verkauf geeinigt. Mit dem Vertrag steht die Supermarktkette mit 276 Real-Märkten, 34.000 Beschäftigten, 80 Immobilien und dem Online-Shop "real.de" faktisch vor der Zerschlagung. SCP kündigte an, dass der Großteil der heutigen Real-Märkte an andere Einzelhändler verkauft oder aufgeteilt werden soll. Ein Kern von etwa 50 Real-Märkten werde für 24 Monate unter der Marke Real weitergeführt. Bisher geht SCP der Mitteilung zufolge davon aus, das etwa 30 Standorte geschlossen werden. Was die Pläne für die Märkte in Bremen und umzu bedeutet, steht noch nicht fest. Die Filialen in den Einkaufszentren Roland-Center und Weserpark sind bereits geschlossen.

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Die SCP Group hat ihren Ursprung 2009 im Telekommunikationskonzern einer russischen Oligarchenfamilie und legt Geld von Versorgungswerken, Pensionskassen, Versicherungen sowie wohlhabenden Familien und Privatpersonen an.

Verkaufsverhandlungen verzögern sich – Unsicherheit bleibt

Die Metro hatte bereits 2018 angekündigt, die Supermarktkette abgeben zu wollen, um sich ganz auf das Großhandelsgeschäft mit Gastronomen und kleinen Händlern konzentrieren zu können. Doch erwies sich der Verkaufsprozess als deutlich schwieriger als erwartet. Mit großen Hoffnungen begonnene, exklusive Verhandlungen mit dem Immobilieninvestor Redos scheiterten.

Erst im zweiten Anlauf gelang nun eine Einigung. Die Verkaufsbemühungen wurden nicht zuletzt durch die hohe Konzentration im deutschen Lebensmittelhandel erschwert. Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit ihrem Discounter Lidl dominieren den deutschen Markt schon heute so sehr, dass der geplante Weiterverkauf zahlreicher Real-Märkte an die "großen Vier" bei den Wettbewerbshütern mit Sorge gesehen wird.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 31. Januar 2020, 19:30 Uhr