Warum Mercedes E-Autos bauen muss

Daimler will in absehbarer Zeit nur noch abgasfreie Autos bauen. Der Bremer Werksleiter sieht darin mehr Chancen als Risiken – anders als viele Beschäftigte.

Zu sehen ist ein Mercedes Auto.

Spät im Vergleich zur Konkurrenz schwenkt Daimler auf umweltfreundlichere Autos um – dafür aber mit umso mehr Entschlossenheit. In 20 Jahren will der Konzern ausschließlich CO2-neutrale Neufahrzeuge bauen. Auch für die rund 12.500 Beschäftigten im Bremer Mercedes-Benz-Werk sieht Werksleiter Markus Keicher in diesem Wandel mehr Chancen als Risiken.

Wenn wir uns nicht verändern, werden wir verändert.

Markus Keicher, Werksleiter Mercedes-Benz Bremen

Diese Meinung teilen nicht alle, die im Bremer Werk arbeiten. Das wurde deutlich bei einer Automobilkonferenz der IG Metall Küste im Mercedes-Benz-Kundencenter in Bremen. "Es ist das Tempo der Veränderung", sagt der Betriebsratsvorsitzende Michael Peters, das seine Kolleginnen und Kollegen beschäftige. Es gebe die Angst, nicht mithalten zu können.

Beschäftigte haben Zukunftsängste

Grundsätzlich, so Volker Stahmann, Geschäftsführer der IG Metall Bremen, bestehe durchaus die Bereitschaft sich fortzubilden. Aber es gebe eben auch Beschäftigte, die von sich selbst sagten, dass sie kaum ihr Smartphone bedienen könnten. Neben der Befürchtung, neue Technik nicht zu beherrschen, gebe es vor allem bei Zulieferern Sorge, dass Arbeitsplätze verloren gehen.

Mercedes ECQ auf einer Ausstellung
Der EQC von Daimler hat keinen Auspuff mehr – und auch sonst ist einiges anders. Das hat zum Teil gravierende Folgen vor allem für Zulieferbetriebe.

Der Grund: Einige Komponenten werden bei Elektroautos nicht mehr gebraucht, erklärt Frank Iwer. Er ist bei der IG Metall zuständig für strategische und politische Planung. Für ein Montagewerk wie in Bremen seien die Chancen ganz gut – zumal hier mit dem EQC das erste Elektroauto von Daimler gebaut werde. Schwieriger dürfte es für einige der rund 1.000 Zulieferer werden, die vom Bremer Werk abhängig sind. Sie müssten jetzt anfangen, sich umzustellen.

Wenn man eins im Elektroauto nicht mehr braucht, dann ist es der Auspuff.

Frank Iwer, Leiter strategische und politische Planung IG Metall

Ein ganz anderes Risiko sieht Iwer noch in dem Wandel zu E-Autos: Es gebe keine Garantie, dass diese Fahrzeuge auch ausreichend gekauft werden. Noch seien sie teurer als Verbrenner und auf Dauer lasse sich das nicht durch staatliche Subventionen auffangen.

Auch in Bremen eine Batteriefabrik?

Daimler – und auch VW – haben dennoch gerade angekündigt, sich von Verbrennungsmotoren zu verabschieden. Bei der Automobilkonferenz in Bremen war sogar schon die möglicherweise übernächste Generation von Antriebstechnologien zu sehen. Mit dem "F 125!" hat Daimler ein Forschungsfahrzeug entwickelt, das mit Wasserstoff angetrieben wird.

Einen Schritt zurück: Der Bremer Werksleiter Keicher hält – wie es gerade VW für den Standort Salzgitter angekündigt hat – den Aufbau einer Batteriefabrik für Elektroautos auch in Bremen grundsätzlich für denkbar. Er wolle sich dafür einsetzen, sagte er vor den Konferenzteilnehmern. Allerdings sieht die Strategie des Konzerns das derzeit nicht vor.

Ohne Elektromobilität haben wir keine Chance.

Meinhard Geiken, Bezirksleiter IG Metall Küste

Zunächst bleibt es damit zumindest beim Zusammenbau des EQC. Und laut Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, haben Daimler und die anderen deutschen Autohersteller auch gar keine andere Wahl, als auf den Bau von E-Autos zu setzen. Zwei Gründe gebe es dafür: einerseits die Klimaziele, die nur so erreicht werden könnten, andererseits die Konkurrenz aus China, Korea und den USA, die sonst an Mercedes & Co. vorbeiziehe.

Mercedes F 125 auf einer Ausstellung
Der "F 125!" ist womöglich schon die übernächste Generation von Fahrzeugen; es fährt mit Wasserstoff.

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  • Sven Weingärtner

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. Mai 2019, 19:30 Uhr