Kommentar

Besser geprüfte Partydrogen als gepanschter Stoff

Der gesundheitspolitische Sprecher der Bremer Grünen will, dass Drogenkonsumenten prüfen lassen können, was sie schlucken. Unser Redakteur Milan Jaeger findet den Vorstoß richtig.

Ein Polizei-Männchen aus Plastik steht in einem Kreis aus Tabletten und Pillen.
Was die bunten Pillen wirklich enthalten, ist meistens unklar. Bild: Imago | Imago/Ralph Peters

Menschen, die illegale Substanzen erworben haben, sollen diese untersuchen lassen können, bevor sie sie schlucken. Das stellt sich der gesundheitspolitische Sprecher der Bremer Grünen, Nima Pirooznia, so vor. Er will sogenannte Drogen-Scouts überall dorthin schicken, wo Leute Ecstasy, Speed und Co. konsumieren – also vor allem auf Partys. Diese sollen dann prüfen, was in den Pillen und dem Pulver wirklich drin ist. Die Leute könnten so zumindest vor den schlimmsten Folgen des Drogenkonsums bewahrt werden und nebenbei könnten die Scouts weitere Aufklärungsarbeit leisten.

Klingt komisch? Tatsächlich ist Pirooznias Vorschlag sinnvoll. Wo Pillen und Pulver verboten sind, werden die Konsumenten kriminalisiert. Folglich hakt es auch bei der Aufklärung. Denn um eine Droge untersuchen zu können, muss man sie an sich nehmen – womit das Einfallstor für die Strafermittler geöffnet ist.

Klar, wo Gesetze bestehen, sollte der Rechtsstaat auch darauf pochen, dass sie eingehalten werden. Sonst macht er sich unglaubwürdig. Dennoch muss er auch in der Lage sein, immer mal wieder zu überprüfen, ob seine Gesetze noch die richtigen sind. Eine restriktive Drogenpolitik ist jedenfalls überholt, finde ich.

Jeder, der einmal durch das Bremer Viertel läuft, könnte zu diesem Schluss kommen. Es wird dort offen auf der Straße gedealt und konsumiert, die Polizei kommt nicht hinterher, allen Durchgreif-Versuchen zum Trotz.

Ecstasy, Speed und Co. werden zwar nicht so offen auf der Straße verkauft wie Cannabis. Für Leute, die regelmäßig zu Technopartys gehen, ist es aber dennoch ein Leichtes, an diese heranzukommen. Man kann diese Drogen nicht einfach verbannen. Man muss so viel wie möglich über die Gefahren und Risiken informieren.

Konsumenten werden sich selbst überlassen

Der Hinweis darauf, was die Pille wirklich enthält, die man gekauft hat, könnte dazu führen, dass der ein oder andere sie eben nicht einwirft. Oftmals werden die Drogen mit schädlichen Stoffen gestreckt. Wer keine Transparenz schafft, der überlässt die Konsumenten letztlich sich selbst. Und das hilft nur den Dealern. Das kann man auch als unterlassene Hilfeleistung seitens des Staates ansehen.

Dass Menschen durch Aufklärungsarbeit zu Drogen hingezogen werden, bezweifle ich. Wer konsumieren will, tut das. Die Schwierigkeit besteht darin, die Richtigen zu erreichen, um sie vielleicht doch noch vom Konsum abhalten zu können. Wer pauschal alles, was mit illegalen Drogen zu tun hat, unter den Verbots-Teppich kehrt, dem wird das nicht gelingen.

Ob das Vorhaben tatsächlich umgesetzt wird, ist fraglich. Bisher ist es lediglich der Vorschlag des gesundheitspolitischen Sprechers der Grünen. Falls seine Fraktion den Vorschlag mitträgt, muss ihm noch der Koalitionspartner, die SPD, zustimmen. Und da der Umgang mit verbotenen und verschreibungspflichtigen Substanzen im Betäubungsmittelgesetz geregelt ist, wird Bremen die Drogen-Scouts nicht im Alleingang auf den Weg bringen können.

Es sind also noch viele Konjunktive im Spiel. Die Debatte über unsere Drogenpolitik brauchen wir aber. Deshalb ist der Vorschlag so wichtig.

  • Milan Jaeger

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau, 16. Mai 2018, 7 Uhr