Bremer Forscher: AstraZeneca-Entscheidung kann Menschenleben kosten

  • Bremer Forscher warnen vor Folgen einer verlangsamten Impfkampagne
  • Wissenschaftler schreiben offenen Brief an Kanzlerin Merkel
  • Schäden durch verzögerte Impfungen und seltene Nebenwirkungen müssten abgewogen werden
Eine Hand mit Einweghandschuhen nimmt eine Impfampulle der Firma AstraZeneca aus der Verpackung.
Bremer Forscher glauben, Impfverzögerungen lösen größeren Schaden aus als seltene Nebenwirkungen. (Symbolbild) Bild: DPA | Peter Endig

Menschen unter 60 Jahren werden nicht mehr mit dem Impfstoff AstraZeneca geimpft. Bremer Epidemiologen warnen jetzt vor möglicherweise schlimmen Folgen dieser Entscheidung. "Wenn die geänderte Altersempfehlung für den Impfstoff von AstraZeneca zu einer weiteren Verzögerung der Impfkampagne führt, wird der Schaden dieser geänderten Empfehlung deutlich überwiegen", heißt es in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sieben Professorinnen und Professoren des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie, darunter Hajo Zeeb, haben das Schreiben unterzeichnet.

Sollten Impfungen nur noch schleppend vorangehen, werde das Menschenleben fordern, heißt es in dem Brief weiter. Die Tendenz sei mit Blick auf anziehende Inzidenzwerte und eine wachsende Ausbreitung gefährlicher Virusmutationen steigend.

Schaden gegen Schaden abwägen

Die Epidemiologen weisen darauf hin, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen den aufgetretenen tödlichen Hirnvenenthrombosen und dem AstraZeneca-Impfstoff noch nicht erwiesen sei. Doch selbst wenn dieser bestünde, wäre der Schaden durch eine mögliche Impfverzögerung wohl größer. Denn dann würden laut den Epidemiologen weit mehr Menschen an einer Infektion mit dem Coronavirus sterben, als einer Thrombose als möglicher Nebenwirkung. Dazu komme außerdem das Risiko von schweren Verläufen und Spätfolgen.

In der jetzigen Situation ist es sehr kritisch, einseitige Entscheidungen zu treffen, die nur auf mögliche seltene Nebenwirkungen fokussieren, auch wenn diese Schicksale tragisch sind und man sie vermeiden möchte.

Bremer Epidemiologen in offenem Brief an Kanzlerin Merkel

"Ein Abwägen des Schadens durch eine seltene Nebenwirkung gegen den Schaden durch eine Verzögerung der Impfkampagne ist unumgänglich", heißt es in dem Brief weiter.

Bremen will Impftempo halten

Hintergrund des offenen Briefes ist die Entscheidung der Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Dienstagabend, den AstraZeneca-Impfstoff in der Regel nur noch Menschen ab 60 Jahren zu verabreichen. Bremen folgt der Empfehlung des Bundes und befürchtet bislang keine Verzögerungen. Ab kommender Woche werde mehr Impfstoff zur Verfügung stehen, die Hausärzte steigen mit in die Impfkampagne ein, hieß es am Donnerstag aus dem Gesundheitsressort. Bisher geplante Erstimpfungen mit AstraZeneca würden umgestellt, Zweitimpfungen nach hinten verschoben. Vielleicht komme es bei einzelnen priorisierten Gruppen im April zu Verzögerungen. "Diese Verzögerungen werden wir mit den angekündigten Lieferungen von Johnson & Johnson im April aber voraussichtlich abfedern", sagte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke).

Bis Anfang der Woche waren in Deutschland 31 Verdachtsfälle sogenannter Sinusvenenthrombosen nach Impfungen mit AstraZeneca bekannt geworden, wie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) kürzlich berichtete. Sie betreffen hauptsächlich jüngere Menschen.

Wie geht es in Bremen mit AstraZeneca weiter?

Video vom 31. März 2021
Eine Hand die eine Ampulle mit einer AstraZeneca Dosis hält.
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 2. April 2021, 21 Uhr