Bremen ohne Winter: Die Gewinner und Verlierer des milden Wetters

Der Februar war der dritte zu warme Wintermonat in Folge und auch der März soll mild bleiben. Für wen das im Land Bremen Fluch und für wen das ein Segen ist.

Ein Igel auf einer Wiese
Manche Igel sind früher aus dem Winterschlaf erwacht – und könnten in Not geraten, ausreichend Futter zu finden.

1 Verlierer: Allergiker

Vor allem viele Allergiker bekommen die Folgen des milden Winters seit Wochen am eigenen Leib zu spüren: Der Pollenflug setzte bereits viel früher ein als sonst, da die Gräser und Bäume früher blühten. Wer auf Hasel- oder Erlenpollen allergisch reagiert, dem setzen seit Ende Dezember die Pollen zu. Derzeit kommen vermehrt Eschen- und Pappelpollen dazu.

2 Gewinner: Zecken und Mäuse

Für einige Tiere hat die Wärme durchaus Vorteile: "Zecken nehmen zu und auch viele Kreuzspinnen überleben diesen Winter besser", so Sönke Hofmann vom NABU Bremen. "Die absoluten Gewinner sind Mäuse, Nutrias und Eisvögel." Insbesondere den Mäusen geht es durch die milden Wintermonate besonders gut. Ihre Bauten wurden von Schneeschmelzen verschont und die Tiere konnten sich ungestört fortpflanzen. Die Folge: Die ungewöhnlich große Mäuse-Population könnte die kommende Ernte bedrohen.

Video vom 28. Februar 2020
Zu sehen ist eine Maus die aus einem Loch in der Erde rausguckt.

3 Verlierer: Winterschläfer

Probleme bereiten die warmen Temperaturen hingegen Winterschläfern. Igel, die früher von November bis in den März hinein eigentlich Winterschlaf hielten, wachen bei mildem Wetter zu früh auf. Was das Risiko birgt, dass sie verhungern, da sie nicht ausreichend Nahrung finden können. Auch viele Insekten kommen zu früh aus ihrer Winterstarre.

4 Verlierer: Landwirte

„Ist der Winter warm, wird der Bauer arm“, zitiert Markus Eggers von der Bremer Landwirtschaftskammer eine alte Bauernregel. "Ein milder Winter kann zu mehr Schädlingen führen, da viele Schadpilze und tierische Schädlinge überleben und dann rascher gedeihen als sonst." Der Frost im Winter hat laut Eggers durchaus eine wichtige Funktion: "Denn Frost sprengt den Boden und verbessert dadurch die Struktur. Das ermöglicht bessere Wasserversorgung und besseres Wurzelwachstum der Pflanzen." Die größte Gefahr für die Landwirtschaft sieht er nicht so sehr im milden Wintern, sondern in knackigen Spätfrösten. "Häufig werden die Triebe und Blüten im Wein- und Obstbau, aber auch bei Ackerkulturen wie Raps oder Kartoffeln dabei so stark beschädigt, dass es zu hohen Ernteausfällen kommt." Auch Sönke Hofmann machen späte Frostphasen Kopfzerbrechen: "Je länger es warm bleibt, umso schlimmer sind die Spätfröste. Ansonsten freuen sich gerade alle Salbei-, Rosmarin- und Lorbeerbüsche im Freien."

5 Gewinner: Autofahrer

Kaum Glätte oder versagende Autobatterien – für den Straßenverkehr hat das warme Wetter positive Auswirkungen. So macht sich der warme Winter auch für den ADAC bemerkbar: "Es betrifft natürlich auch die Pannenhilfe: Die Straßenwachtfahrer haben bei niedrigeren Temperaturen wesentlich mehr zu tun", so Nils Linge vom ADAC Weser-Ems. Dazu passe auch die Pannenstatistik aus dem letzten Jahr: 2019 ergab sich im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Rückgang von vier Prozent – Hauptgrund dafür waren die milden Temperaturen im Winter.

Kaum Auswirkungen hatte der milde Winter auf die Arbeit der Stadtreinigung. "Der Winterdienst ist nur ein Teil der vielfältigen Aufgaben der Stadtreinigung, sodass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch ohne großen Wintereinbruch ausgelastet sind", erklärt Thomas Möhring, Abteilungsleiter der Stadtreinigung Bremen Nord. Personal musste also nicht eingespart werden.

Diesen Winter wurden in acht Nachteinsätzen lediglich vier bis fünf Tonnen Salz-Lauge-Gemisch verbraucht, wir halten aber natürlich einen Vorrat von rund 600 Tonnen Salz weiterhin vor.

Thomas Möhring, Abteilungsleiter der Stadtreinigung Bremen Nord

In diesem Rahmen seien immer entsprechend Mitarbeiter in Rufbereitschaft, die dann bei Bedarf hinzugezogen werden und ansonsten ihren gewerblichen Regeltätigkeiten nachgehen. "Die erneut milden Temperaturen in diesem Winter hatten daher keine signifikanten Auswirkungen auf die Arbeit der Stadtreinigung", so Möhring.

Autoren

  • Annelie Sturhann
  • Birte Hirsch
  • Elena Pintus
  • Madita Thomas

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. Februar 2020, 19:30 Uhr