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Im Hier und Jetzt: Darum ist Wandergesellin Helene auf der Walz

Sie trägt rot, nicht das bekanntere schwarz. Zurzeit ist Helene in Bremerhaven. Sie verrät, was ihre Kluft bedeutet und warum nur wenig Frauen auf Wanderschaft sind.

Wandergesellin in roter Kluft vor einer Hausmauer.
Wandergesellin Helene macht Station in Bremerhaven. Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck
Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck

Auf der Walz sein, Wanderjahre oder Tippelei. Helene ist eine reisende Raumausstatterin. Drei Jahre und einen Tag wird sie quer durch die Welt tippeln. Ohne Smartphone, aber dafür mit Landkarte und Schlafsack im Gepäck.

Ohne Handy zu reisen, ist eine der größten Freiheiten auf Wanderschaft. Ich bin absolut im Hier und Jetzt.

Helene, Raumausstatterin

Was bedeutet die Kluft?

Die Kleidung der Gesellen auf Wanderschaft ist traditionell.

Kleidung Wandergeselle traditionell CHARLOTTENBURGER Charlottenburger oder auch Charlie ist das große, bedruckte Leinentuch, das zu einem festen Bündel gewickelt wird. Alle nötigen Habseligkeiten finden darin Platz. OHRRING Traditionell wird der Ohrring am linken Ohr „genagelt“. Also: Nagel ansetzen, Hammer rauf, fertig. DIE EHRBARKEIT Die Ehrbarkeit ist eine Art schmale Krawatte und zeigt die Zugehörigkeit zu einem Schacht, also der Vereinigung. Jeder Schacht hat seine eigene Farbe. STENZ Der knotige, verdrehte Wanderstab hilft beim Wandern und Verteidigen. Seine knotige Form bekommt er traditionell durch eine Schling- pflanze, die sich um den noch kleinen Ast ge- wickelt hat. PERLMUTTKNÖPFE Drei – Sechs – Acht, das sind die magischen Zahlen. Drei Knöpfe an jedem Ärmel für die drei Lehrjahre und die drei Jahre auf Wanderschaft. Sechs Knöpfe am Jackett für die 6-Tage-Woche und acht Perlmuttknöpfe vorne an der Weste für den 8-Stunden-Arbeitstag.
Bild: Radio Bremen

Klicken Sie auf die Grafik, um die Besonderheiten der Kleidung zu entdecken.

Die Farbe der Kluft ist vom Beruf abhängig. Oft sieht man Gesellen in schwarzer Kleidung. Sie arbeiten mit Holz. Gesellen mit heller Kleidung arbeiten mit Stein, und die blaue Kleidung steht für Metallberufe.

Helenes rote Kleidung zeigt, dass sie in einem farbgebenden Gewerk arbeitet. Sie ist Raumausstatterin.

Der Hut ist allerdings bei allen Gesellen schwarz.

Warum sieht man so wenig Frauen auf Wanderschaft?

Die meisten Wandergesellen, die wir auf der Straße sehen, sind Männer. Nur etwa 20 Prozent sind Frauen. Tendenz steigend.

Die Tradition der ältesten Schächte, also Gesellenverbindungen, verbietet Frauen auf Wanderschaft. Nur die in den 1980er Jahren neu gegründeten Schächte nehmen beide Geschlechter auf und lassen auch Frauen auf die Wanderschaft gehen. Von den acht Schächten insgesamt nehmen nur "der Freie Begegnungsschacht", "Axt und Kelle" und "die Freireisenden" auch Frauen auf.

Frauen sind eigentlich immer schon genauso gereist. Nur haben die Jungs das vor 130 Jahren einfach nicht berücksichtigt.

Helene, Raumausstatterin

Ob Geselle oder Gesellin, für Helene macht das keinen Unterschied auf der Walz. Auch ihren männlichen Kameraden ist das egal.

Warum gehen Gesellen auf Wanderschaft?

Wandergesellen lernen neue Arbeitspraktiken und fremde Orte kennen. Außerdem treffen sie neue Menschen und sammeln Lebenserfahrung.

Helene kam auf den Geschmack, nachdem sie andere Wandergesellen kennengelernt hat. Ihr war sofort klar: Das will ich auch machen.

Auch ihre Familie und Freunde gaben ihr Rückhalt. Wenn nicht Helene, wer sollte es sonst machen? Es passt einfach!

Weil's cool ist, weil's Spaß macht, weil's eine alte Tradition ist, weil ich Bock auf mein Handwerk habe, weil ich eine große Portion Fernweh habe, weil ich vielleicht ein bisschen verrückt bin. Es gab keinen Grund es nicht zu machen.

Helene, Raumausstatterin

Autorin

  • Stella Vespermann Volontärin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus dem Studio Bremerhaven, 11. November 2018, 13:20 Uhr

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