Walross-Dame im Wattenmeer ist verletzt – Naturschützer alarmiert

Video vom 14. September 2021
Ein Walross schwimmt im Wasser vor Wangerooge.
Bild: Nonstopnews
Bild: Nonstopnews

Sie ist seit Tagen im niedersächsischen Wattenmeer unterwegs. Jetzt ist klar: Die Walross-Dame hat eine Verletzung an der linken Flosse. Wer sie sieht, soll die Behörden informieren.

Bereits seit einer Woche erkundet ein junges Walross das niedersächsische Wattenmeer und ruht sich immer wieder auf Ostfriesischen Inseln aus. Wer das Weibchen sieht, sollte sofort die Nationalparkverwaltung oder einen Ranger kontaktieren, teilte die Behörde in Wilhelmshaven mit.

Nach ihrer Einschätzung beeinträchtigt die Hautverletzung des Tieres aus der Arktis seine Fitness nicht maßgeblich. Daher sei keine Veranlassung für einen tierpflegerischen oder tierärztlichen Eingriff gegeben, hieß es. Wichtig bleibe, das Walross keinem unnötigen Stress auszusetzen, damit die Heilung nicht gestört werde.

Walross-Dame ist verletzt – Naturschützer zeigen sich besorgt

Video vom 15. September 2021
Videoscreenshot des verletzten Walrosses
Bild: Robbenzentrum Föhr | Janine Bahr-van Gemmert
Bild: Robbenzentrum Föhr | Janine Bahr-van Gemmert

Noch ein junges Tier

Janine Bahr-van Gemmert vom Robbenzentrum Föhr hat einen etwas anderen Eindruck vom Gesundheitszustand der Walross-Dame. "Sie macht einen erschöpften Eindruck und hat eine Verletzung an der linken Flosse", sagt Bahr, die auf Föhr als Tierärztin arbeitet.

Das Walross kann seine linke Flosse nicht bewegen.

Janine Bahr - van Gemmert, Robbenzentrum Föhr

Nach dem Eindruck von Bahr-van Gemmert, die das Walross am Sonntag auf Wangerooge selbst beobachtet hat, ist es wohl fünf oder sechs Jahre alt. An den noch kleinen Stoßzähnen sei zu erkennen, dass es sich um ein Jungtier handelt. Walrosse können zwischen 15 und 25 Jahre alt werden.

Das Weibchen war erstmals am 7. September auf Baltrum aufgetaucht, es machte Station auf Spiekeroog und mehrmals auf Wangerooge – zuletzt an diesem Mittwoch. Nach Angaben des Nationalparks wird das Walross meist in der Morgendämmerung gesichtet, etwa wenn es sich in der Sonne ausruht. Mit der nächsten Flut gehe das Tier dann wieder auf Beutezug.

Walross zurück in die Arktis bringen?

Es handelt sich um einen extrem seltenen Gast. Zuvor hatte sich im Januar 1998 ein Walross im Wattenmeer blicken lassen, erst auf Ameland (Niederlande), dann auf Juist und schließlich auf Sylt. Mutmaßlich die gleiche Walross-Kuh, die jetzt rund um die Ostfriesischen Inseln unterwegs ist, war Mitte Februar an der dänischen Nordseeküste aufgetaucht.

Bahr-van Gemmert will das Walross weiter im Auge behalten und sich mit anderen Experten austauschen. Dabei soll es dann auch darum gehen, warum sich das Walross überhaupt so lange im niedersächsischen Wattenmeer aufhält, ob das schon mit der Klima-Katastrophe zu tun hat und was am besten mit ihm geschehen soll. Dabei könnte auch herauskommen, dass es am besten ist, das Walross zurück in die Arktis zu bringen. "Das ist immer eine Möglichkeit. Es hat schon mal eine Rückführung einer arktischen Robbe, einer Klappmütze, gegeben", sagt Bahr-van Gemmert.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 8. September 2021, 6 Uhr