Bremerhavener Klimaforscher fordert Rückzug des Menschen aus der Natur

  • AWI-Forscher fordert: Mensch muss sich von einem Drittel der Erde zurückziehen
  • Hans-Otto Pörtner zufolge würde dies auch gegen weitere Pandemien helfen
  • In Europa müssen laut dem Experten Wälder erhalten bleiben
Ein Weg schlängelt sich durch einen Wald. Die Sonne scheint.
Rund ein Drittel der Fläche Deutschlands sind laut Pörtner von Wald bedeckt. Er warnt jedoch davor, dass steigenden Temperaturen das Überleben heimischer Arten gefährdet. Bild: Imago | Hoch Zwei Stock/Angerer

Der Bremerhavener Klimaforscher Hans-Otto Pörtner hat sich für einen kompletten Rückzug des Menschen aus vielen Regionen der Erde ausgesprochen. Damit könnte die Menschheit gegen die Erderwärmung vorgehen, die Artenvielfalt schützen und sich gleichzeitig gegen den Ausbruch neuer Pandemien wappnen, sagte Pörtner der Agentur epd.

In Gebieten, in denen der Mensch sich nicht niederlässt, könnten auch keine Ökosysteme zerstört werden, so Pörtner. Er fordert, dass mindestens jeweils ein Drittel der Landfläche und der Meere dem menschlichen Zugriff komplett entzogen werden.

Die Erderwärmung und Pandemien wie Covid-19 sind Ausdruck derselben menschlichen Eingriffe in die Natur.

Hans-Otto Pörtner, Klimaforscher am Alfred-Wegener-Insitut in Bremerhaven
Hans-Otto Pörtner
Der Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven, Hans-Otto Pörtner erklärt den Zusammenhang zwischen Pandemien und dem Klimaschutz. Bild: DPA | Lars Grübner/Alfred-Wegener-Institut

Nach den Worten des Forschers gehören zudem der Schutz vor Klimawandel und Pandemien zusammen. Denn durch die klimabedingte Wanderung der Menschen in bislang nicht erschlossene Gebiete kommen sie auch immer stärker mit der Tierwelt in Kontakt – und damit auch immer stärker mit neuen Viren. Als Beispiel nennt der Klimaforscher Sars, Ebola und Covid-19, die vom Tier auf den Menschen übergesprungen seien. Pörtner gehört dem Weltklimarat an, der sich mit den Risiken und Folgen des Klimawandels auseinandersetzt.

Wälder müssen laut Experte in Deutschland erhalten bleiben

Der Klimaforscher hält das 30-Prozent-Ziel auch in hoch entwickelten Regionen wie Europa für erreichbar. "Rund ein Drittel der Fläche Deutschlands sind von Wald bedeckt", sagte Pörtner. "Allerdings bedrohen die steigenden Temperaturen das Überleben heimischer Arten in unseren Wäldern", machte Pörtner klar. "Die Buche etwa leidet unter dem Klimastress. Logische Folge der schon jetzt beobachtbaren Schäden ist das ambitionierte und vorrangige Einhalten der Pariser Klimaziele."

Die Arbeitsgruppe II des Weltklimarates setzt sich unter der Leitung Pörtners mit den Risiken und Folgen des Klimawandels auseinander. Zudem zeigt sie Möglichkeiten zur Anpassung an den Klimawandel auf.

Klima, Meer und ewiges Eis: Die wichtige Botschaft des AWI

Video vom 6. Juni 2020
Der Boden ist eben und mit Schnee bedeckt. In der Ferne türmen sich schneebedeckte Berge auf.
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 2. August 2020, 15 Uhr