So erkennen auch Bremer Rammelkammern und Borkenkäfer im Wald

Eine Försterin schaut unter die Rinde eines angesägten Baumstamms
Bild: Radio Bremen | Jana Wagner
Bild: Radio Bremen | Jana Wagner

Der Wald ist ein beliebtes Ausflugsziel. Warum Ameisen die wichtigsten Helfer im Wald sind und wie man Borkenkäfer erkennt, erklärt Försterin Natalie Leichnitz.

Der Arbeitsplatz von Natalie Leichnitz ist idyllisch: Ein Waldweg schlängelt sich durch das dunkle Grün, vorbei an hochgewachsenen Nadelbäumen. Etwas Sonne fällt durch kahle Baumkronen. Das ist ihr Reich: Die 28-Jährige betreut rund um das niedersächsische Nienburg 34 Wälder als Försterin der Niedersächsischen Landesforsten – insgesamt 1.600 Hektar Waldfläche. Und hat dabei auch immer einen besonderen Blick auf alles, was dort an kleinem Getier krabbelt, kriecht und herumfliegt. Denn der Wald ist natürlich Lebensraum für Insekten und je nachdem, wie man sie betrachtet, können sie nützlich wie Ameisen oder schädlich wie der Borkenkäfer sein.

Schon am Waldrand fliegt und krabbelt es: Zwei Zitronenfalter folgen Natalie Leichnitz auf dem Weg zu einem Baumstamm. Es ist so genanntes Totholz, in dem sich Käfer und andere Krabbeltiere besonders wohl fühlen. Eine graue Assel tippelt unter der Baumrinde hervor. Sie und andere Käfer beißen und bohren sich ins tote Holz – und das dürfen sie auch, findet die Försterin. Denn wenn sie das Holz zersetzen, gelangen wieder Nährstoffe wie Magnesium, Natrium, Calcium und Kalium in den Boden.

Es krabbelt unterm Holz

Ein Baumstamm mit den Spuren von Borkenkäfern
Totes Holz ist Heimat für viele nützliche Waldbewohner. Bild: Radio Bremen | Jana Wagner

All das, was der Baum zu Lebzeiten gespeichert hat, landet wieder im Waldboden – dank der Insekten. Natalie Leichnitz hockt vor dem Baumstamm – es riecht nach feuchtem Laub und nach modriger Rinde. Die zerbröckelt zwischen ihren Fingern: "Wenn wir jetzt unter die Rinde schauen, dann ist das der Mulm, der sich gebildet hat. Das waren früher die Holzleitbahnen, die sich zersetzt haben. Da ist ein kleines Würmchen, das runterfällt."

Unterm Holz ist es lebendig.

eine Frau steht im Wald und lacht in die Kamera
Natalie Leichnitz, Försterin

Und nicht nur da: Schwebfliegen und Bremsen umkreisen die Försterin weiter rein im Laub- und Mischwald, denn das Flüsschen Alpe ist nicht weit. "Egal in welche Schicht wir gucken, wir finden irgendwelche Insekten: ob hier im Boden, wo sie das Laub zersetzen, ob hier vorne im Totholz, das hier rumliegt und das Holz zersetzen – dann gibt es Insekten, die Blätter anfressen und sich von Blättern ernähren und dann kommen wieder Ameisen, die die Läuse melken."

Der unerwünschte Borkenkäfer

Gefällte Bäume und Baumstümpfe im Wald
Diesen Fichten konnte nicht mehr geholfen werden. Försterin Natalie Leichnitz muss 2022 wieder aufforsten. Bild: Radio Bremen | Jana Wagner

Es liegt immer im Auge des Betrachters, ob Insekten nützlich oder schädlich sind. Bei einem Waldbewohner ist allerdings klar: Er ist unerwünscht – der Borkenkäfer. Natalie Leichnitz musste gut 50 Fichten aus diesem Waldstück holen, weil sie befallen waren. "Da ist ein Loch entstanden, das ich nächstes Jahr voraussichtlich aufforsten muss. Hier auf der rechten Seite haben wir das Holz aufgepoltert. Das wird in den nächsten Tagen abgefahren, damit der Käfer, der unter der Rinde sitzt, nicht noch mehr Schäden anrichtet."

Die Baumstämme liegen übereinandergestapelt am Wegesrand. Die Försterin zieht vorsichtig die Rinde hoch. Darunter erscheint ein nahezu künstlerisches Muster. Ganz verästelt hat der Buchdrucker – so heißt der Borkenkäfer im unteren Stamm – sich durchgefressen. "Hier zum Beispiel haben wir ein Loch, da geht der Käfer rein und legt die Rammelkammer an. Von dort aus gehen die Muttergänge ab – es wird ein Muttergang gebohrt und dort werden die Eier ran gesetzt. Die Larven fressen die waagerechten Striche."

Trockenheit macht Bäume anfällig

Die gebohreten Wege von Borkenkäfern auf einem Baumstamm
Das Schadbild des Borkenkäfers ist klar erkennbar. Bild: Radio Bremen | Jana Wagner

Und diese Striche sorgen dafür, dass der Baum stirbt. Denn diese Striche und Rillen durchtrennen die Wasserleitbahnen im Stamm. Kurz gesagt: Der Baum vertrocknet. Der Baumbestand im Rodewald oder ganze Wälder wie im Harz müssen abgeholzt werden. Die Fichten sind durch die Trockenheit der letzten Jahre anfälliger und schwächer geworden. Der Borkenkäfer war dieses Jahr schnell und hartnäckig unterwegs.

Am Anfang des Jahres wendet sich der Käfer dem Rand zu, weil es da sonnig ist. Wenn es wärmer wird, dann geht er ins Innere. Dieses Jahr war es direkt warm, da ist er direkt in den Bestand reingegangen.

eine Frau steht im Wald und lacht in die Kamera
Natalie Leichnitz, Försterin

Deshalb steht Natalie Leichnitz jetzt auf einer kahlen abgeholzten Fläche – die Sommersonne fällt auf den mit Nadeln und Zapfen bedeckten Boden. Ein trister Anblick – aber wenn alles klappt, dann pflanzt die Försterin neue Bäume. In denen dann Insekten leben – aber hoffentlich als Nützlinge und nicht als Schädlinge.

Darum geht es den Wäldern in Deutschland immer schlechter

Video vom 21. März 2021
Ein umgefallener Baumstamm in einem Wald.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Tinia Würfel Redakteurin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 24. Juli 2021, 13:40 Uhr