Superwahltag im Mai: So will Bremen einen "Albtraum" vermeiden

Seit Monaten arbeitet Martin Kesper für die Bürgerschaftswahl am 26. Mai. Alles muss stimmen: Vom Klopapier über die Wahlhelfer bis hin zur Technik – nur keine Panne riskieren!

Martin Kesper, Referatsleiter im Wahlamt Bremen
Seit Monaten bereiten er und das Team die Bürgerschaftswahl vor: Martin Kesper ist Referatsleiter im Bremer Wahlamt und kümmert sich um die Logistik.

Für das vierköpfige Kern-Team im Wahlamt Bremen und deren drei Kollegen in Bremerhaven hat die konkrete Planungsphase zu den Wahlen schon im Spätsommer 2018 begonnen: Im September musste der Druck der Stimmzettel europaweit ausgeschrieben werden und parallel bereits nach geeigneten Wahllokalen Ausschau gehalten werden.

Bis zum Wahltag kommen noch 36 Kollegen dazu

Außerdem machte sich Bremens Amtsleiterin Carola Janssen auf die Suche nach zusätzlichem Personal, um die bevorstehenden Aufgaben bewältigen zu können. "Bis zum Wahltag werden hier noch insgesamt 36 befristete Kollegen dazukommen", sagt sie. Entsprechend werde auch Bremerhaven seine Kapazitäten aufstocken. Eine recht überschaubare Aufgabe – verglichen mit den rund 4.800 ehrenamtlichen Wahlhelfern, die beide Städte derzeit suchen, um am Wahltag die Wahllokale personell auszustatten und in der Woche danach die Stimmen auszählen zu lassen.

So steht es im Gesetz: Das Wahlvolk organisiert die Wahl selbst und wir helfen nur dabei. Deshalb sind alle Wahlhelfer ehrenamtlich im Einsatz.

Wahlamt Referatsleiter Martin Kesper
Martin Kesper, Referatsleiter im Wahlamt Bremen

Gewusst wo: Die Suche nach den Wahllokalen

Die rund 150 verschiedenen Standorten für die Wahllokale in Bremen stehen weitestgehend schon fest – ebenso die 75, für die das Wahlamt in Bremerhaven zuständig ist. Auch dieses Mal mussten teilweise neue Räumlichkeiten gefunden werden: Manche Gebäude sind seit der letzten Wahl beispielsweise abgerissen oder umgebaut worden. Außerdem haben für dieses Mal haben einige Kirchengemeinden abgesagt, weil im Mai Konfirmationszeit ist. Gern gesehen sind bei den Planern als Wahllokale Altenheime, wohingegen sie Kindergärten immer wieder vor das Problem stellt, dass das vorhandene Inventar nicht den Bedürfnissen entspricht: "Da ist oft die Bereitstellung des Mobiliars schwierig. Denn wir brauchen natürlich Stühle und Tische für Erwachsene" schmunzelt Bremens Referatsleiter Martin Kesper.

Das Equipment: Urnen, Kabinen und Toilettenpapier

Das Lager im Erdgeschoss des Alten Postamts am Bremer Hauptbahnhof füllt sich nach und nach. Hier wird der logistische Aufwand der Wahl greifbar: Transportboxen, Sackkarren und zusammengeklappte Wahlkabinen werden hier gebunkert, hunderte kleine graue Wahlurnen stehen mannshoch gestapelt in der Ecke, umfunktionierte schwarze Mülltonnen sind bereits mit den Wahlbezirks-Nummern beschriftet – alles für den großen Einsatz am Wahltag. Gläsere Wahlurnen hätten durchaus auch Vorteile, meint Referatsleiter Martin Kesper. Aber: Seit einem Besuch einer Zaubershow sei er selbst da nicht sicher, ob bei denen Manipulationen ausgeschlossen sind. Er vertraut auf die neu bestellten Produkte aus dem Wahlurnen-Fachhandel und auf Altbewährtes, was hier bevorratet wird. Bremerhavens Amtsleiter Thomas Herbrig muss seine Wahlutensilien dezentral unterbringen. Entsprechend hat man sich hier wiederholt für Einweg-Kabinen aus Pappe entschieden.

Wahlurnen müssen verschließbar und versiegelbar sein. Umfunktionierte Mülltonnen erfüllen da durchaus ihren Zweck.

Wahlamt Referatsleiter Martin Kesper
Martin Kesper, Referatsleiter vom Wahlamt Bremen

Das Bremer Wahlamt-Lager füllt sich nach und nach: Weiere Urnen und kalppbare Kabinen werden angeliefert. Selbst das Klopapier für die 550 Auszähl-Wahlhelfer steht schon bereit.

Die Stimmzettel werden erst Anfang April erwartet. Nach der Auszählung landen die übrigens wieder eben hier und werden – wie derzeit auch die Stimmzettel der Bundestagswahl 2017 – so lange vom Wahlamt verwahrt, bis sie offiziell zum Schreddern freigegeben werden.

Wer die Wahl macht, hat die Qual?

Die Bremerhavener Fishtown Pinguins kassieren ein Gegentor
Wo jetzt noch die Fischtown Pinguins den Puck jagen, wird am 26. Mai gewählt.

Die Wahlorganisatoren tragen eine große Verantwortung – auch ihren Wahlhelfern gegenüber. Bei der vergangenen Wahl litten diese massiv unter den klimatischen Verhältnissen im Bremer Auszählzentrum im Alten Postamt. Bis zu 600 Menschen saßen da an fünf Tagen über acht Stunden täglich zusammen in einem Großraum vor PCs – ohne Klima-Anlage. Lüften über die Fenster war kaum eine Option, denn der Raum grenzt direkt an die Bahngleise. Nach dieser leidvollen Erfahrung wurde für die Wahl 2019 als erstes eine Lüftungsanlage geordert. Und in Bremerhaven? Wird man dieses Problem nicht haben: dort wird da ausgezählt, wo sonst die Fischtown Pinguins den Puk jagen – auf der bis dahin abgetauten Eisfläche der Eisarena.

Alte Stimmzettel mit dicken Kreisen
Bei der letzten Wahl erschwerte das Stimmzetteldesign die Auswertung.

Auch eine Idee der letzten "Wahlhelden": Die Stimmzettel werden auf Wunsch der Ehrenamtlichen hin ein neues Design bekommen. Die fettumrandeten Wahlmarkierungen waren beim Auszählen schwer zu identifizieren und werden jetzt durch filigranere Kreise ersetzt. Wie die umfangreichen Stimmzettelhefte final aussehen, entscheidet sich allerdings erst Ende März, wenn endgültig feststeht, welche Parteien und Kandidaten sich zur Wahl stellen dürfen. Dann muss es allerdings schnell gehen: eine Druckerei in Bonn wird die Wahlzettel umgehend drucken, denn ab dem 16. April werden schon die Wahlbenachrichtigungen rausgeschickt. Ab dann lässt sich dann auch die Briefwahl beantragen, die beim letzten Mal rund 20 Prozent der Wählerinnen und Wähler in Anspruch genommen haben. Die Wahlplaner haben übrigens am Wahltag so viel um die Ohren, dass auch sie alle vorab wählen gehen werden.

4 Wahlen auf einen Streich

Am 26.Mai muss alles wie am Schnürchen laufen. Immerhin stehen vier wichtige Entscheidungen an: Gewählt wird die neue Besetzung der Bürgerschaft, der Stadtverordnetenversammlung beziehungsweise der Stadtbürgerschaft und der Beiräte. Und parallel läuft die Wahl zum Europäischen Parlament. Ganz zu Schweigen von der Volksabstimmung über die Bebauung der Galopprennbahn. Für so einen Wahltag muss alles generalstabsmäßig durchgeplant sein. Nachdem die Wahllokale geschlossen sind, wird Vorort die Europawahl ausgezählt, während die restlichen versiegelten Wahlurnen von einem Beauftragten – begleitet von einem Polizeischüler – abgeholt werden. Und damit der Urnen-Transport möglichst nicht unplanmäßig stecken bleibt, wird die Tour vorab sogar mit dem Bauressort und deren Baustellenplanung detailliert abgestimmt.

Bei dieser großen Organisation kann schon eine Menge schiefgehen.

Wahlamt Referatsleiter Martin Kesper
Martin Kesper, Referatsleiter im Wahlamt Bremen


Das Seestadtfest in Bremerhaven, die Lange Nacht der Museen in Bremen und selbst das DFB-Pokalfinale am Abend vorher haben die Wahlämter in ihren Planungen auch mit im Blick. Man will nichts dem Zufall überlassen und jede Panne tunlichst im Vorfeld schon ausschließen. Noch hat Carola Janssen vom Wahlamt Bremen aber keine Alpträume: "Das schöne ist ja, dass die schrecklichen Dinge nie zweimal hintereinander passieren!". Jeder Arbeitsschritt würde deshalb genau überlegt. Und um Betriebsblindheit zu vermeiden, gilt in allen Bereichen grundsätzlich das Mehraugen-Prinzip.

Und nach der Wahl? Ist vor der Wahl! Abteilungsleiterin Carola Janssen prophezeit lachend: "Dann haben wir eine vorgezogene Bundestagswahl und dann fängt alles wieder von vorne an!".

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  • Eva Linke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 8. März 2019, 9:45 Uhr