Fragen & Antworten

Der Bremer Januar ist so warm wie lange nicht

So warm wie dieses Jahr war der Januar lange nicht. Woran liegt das? Kommt überhaupt noch ein richtiger Winter oder steuern wir schon auf den Frühling zu?

Einige Schneeglöckchen haben ihre Köpfchen schon durch die Erde in Richtung Sonne gestreckt.
Einige Schneeglöckchen haben bereits erste Knospen geöffnet.

Von Schnee und Eis keine Spur – der eigentlich so frostige Januar hat uns dieses Jahr eher milde Temperaturen beschert. Autofahrer konnten die Eiskratzer bisher ungenutzt lassen. Doch woran liegt das? Und wie stehen die Chancen, dass Kinder in Bremen doch noch ihre Schlitten rausholen können? Antworten auf diese Fragen hat Meteorologe Christian Schubert von der Meteo Group.

War dieser Januar der wämste Januar aller Zeiten in Bremen?
In Bremen wird die Monatsmitteltemperatur voraussichtlich bei 5,2°C liegen, in Bremerhaven bei 5,4°C. Das sind rund vier bis fünf Grad mehr als im langjährigem Mittel. Damit liegt der Januar in Bremen gleichauf mit dem Januar 2008, der bislang der fünftwärmste Januar war.
Vor einem Jahr lag die Durchschnittstemperatur in Bremen bei 2,4°C und in Bremerhaven bei 2,9°C.
Der wärmste Januar in Bremen war 1975 mit 6,5°C Durchschnittstemperatur, das gleiche gilt für Bremerhaven, dort waren es 6,4°C.
Der kälteste Januar in Bremen war 1940, da lag die Monatsmitteltemperatur bei -8,2°C. In Bremerhaven reichen die Daten nur bis 1949 zurück – dort war 1963 das kälteste Jahr, mit einer Monatsmitteltemperatur von -5,4°C.
Wärmster Januar der Geschichte? +6,5° -8,2° +6,4° -5,4° WÄRMSTER JANUAR 1975 KÄLTESTER JANUAR 1940 WÄRMSTER JANUAR 1975 KÄLTESTER JANUAR 1963 * DURCHSCHNITTLICH: DURCHSCHNITTLICH: DURCHSCHNITTLICH: DURCHSCHNITTLICH: BREMEN BREMERHAVEN
*In Bremerhaven reichen die Daten nur bis 1949 zurück. *Die Durchschnittstemperatur ergibt sich aus der Summe der Tagesmitteltemperaturen, geteilt durch die Anzahl der Tage im jeweiligen Monat.
Woran liegt es, dass es dieses Jahr im Januar so warm ist?
Das liegt daran, dass wir in diesem Winter fast ausschließlich Süd-, Südwest- und Westwetterlagen hatten. Luft aus dem Mittelmeer, von der Biskaya oder von den Britischen Inseln strömte zu uns, die mild oder sehr mild ist. Hinzu kommt, dass die Wassertemperaturen der Nordsee in diesem Winter ein bis zwei Grad höher liegen als im jahreszeitlichen Mittel. Somit war auch die Luft bei seltenen Nordwestlagen etwas milder als üblich. Nord-, Nordost- und Ostlagen blieben nahezu aus, somit konnten keine Luftmassen aus Skandinavien oder Russland zu uns gelangen und den Winter bringen. Selbst dort war es auch meist deutlich weniger kalt als üblich.
Wird es im Norden noch Schnee geben?
Die von uns genutzten sogenannten Mittelfristmodelle berechnen das Wetter bis maximal 17 Tage in die Zukunft. In diesem Zeitraum ist aus heutiger Sicht kein nachhaltiger Wintereinbruch in Sicht. Was danach passieren wird, ist noch völlig offen. Späte Wintereinbrüche ab der zweiten Februarhälfte sind natürlich möglich und in der Vergangenheit auch immer wieder vorgekommen. Allerdings kann sich eine Schneedecke durch die längeren Tage und die zunehmende Kraft der Sonne in unserer Region dann meist nur noch kurz halten.
Würden Sie die aktuellen Temperaturen noch als "normal" bezeichnen?
Es ist schon ungewöhnlich mild. Wir erleben ja wie beschrieben einen der wärmsten Januarmonate der letzten 100 Jahre. Vieles spricht für Auswirkungen des Klimawandels. Man darf aber nicht den Fehler machen, jede positive Abweichung und Abnormalität dem Klimawandel zuzuordnen.

Autoren

  • Annelie Sturhann
  • Birte Hirsch

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 31. Januar 2020, 23:30 Uhr