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Bakterien beim Baden: Vibrionen-Gefahr auch in der Nordsee?

Sie können Hautverletzungen und Magenprobleme verursachen: Experten warnen vor einem steigenden Infektionsrisiko durch Vibrionen in der Ostsee. So ist die Lage in der Nordsee.

Ein Mann und zwei Jungen stehen hüfttief im Wasser. Eine Welle rollt auf sie zu.
Müssen auch die Badegäste an der Nordsee aufpassen, dass sie sich nicht infizieren? Bild: Imago | localpic

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) befürchtet, dass die Zahl der Vibrionen-Infektionen insbesondere an der Ostsee zunimmt. Ursache ist die globale Klimaerwärmung.

Was sind Vibrionen?
Vibrionen sind Bakterien. Es gibt verschiedene Arten. Sie leben im Süß- oder auch Salzwasser. Einige können beim Menschen Krankheiten verursachen. Die bekannteste Art ist der Choleraerreger. In der Ostsee kommt vermehrt die Art "Vibrio vulnificus" vor, sagt Katrin Luden, Leiterin der Außenstelle des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes in Aurich. Diese Bakterien sind ein natürlicher Bestandteil salzhaltiger Meere. Sie sind vor allem im Boden nachzuweisen. Wenn die Wassertemperatur über 20 Grad steigt, vermehren sie sich sprunghaft.
Warum können Vibrionen gefährlich werden?
Vibrionen können schwere Wundinfektionen hervorrufen. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Blutvergiftung kommen. In den vergangenen Jahren gab es an der Ostsee vermehrt Erkrankte und auch einige Todesfälle. Die Zahl bekannter Erkrankungen in Deutschland lag laut Bundesinstitut für Risikobewertung aber immer im ein- oder niedrigen zweistelligen Bereich. Gefährdet sind vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder einer chronischen Vorerkrankung. Wer etwa an Diabetes, Krebs oder einer Lebererkrankung leidet, hat ein höheres Infektionsrisiko und muss auch mit einem schwereren Krankheitsverlauf rechnen. Junge und gesunde Erwachsene erkranken laut Robert Koch-Institut (RKI) nur selten an einer Vibrionen-Infektion. Aber auch sie können sich infizieren, wenn sie eine offene Wunde haben.
Wie kann man sich mit Vibrionen infizieren?
Vibrionen können beim Baden in verletzte Haut eindringen. Wer rohe Meeresfrüchte isst, die mit Vibrionen kontaminiert sind, oder beim Schwimmen kontaminiertes Wasser schluckt, kann sich eine Magen-Darm-Infektion zuziehen.
Woran erkennt man eine Vibrionen-Infektion?
Vibrionen verursachen Hautausschlag. Es können sich sogar Blasen bilden. Die Stellen können stark schmerzen. Weitere Symptome sind unter anderem Schüttelfrost, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Fieber.
Warum ist die Gefahr in der Ostsee groß?
Die Ostsee ist bisher eher kühl, sagt Eckhard Strauch, Leiter des Konsiliarbüros für Vibrionen des BfR. Durch längere Hitzeperioden könnte die Wassertemperatur in Zukunft häufiger über 20 Grad klettern, sodass sich die Bedingungen für Vibrionen verbessern. Hinzu kommt, dass die Salzkonzentration in der Ostsee moderat ist.
Besteht die Gefahr auch in der Nordsee?
Das Niedersächsische Landesgesundheitsamt hat genau diese Fragestellung seit 15 Jahren im Blick, sagt Katrin Luden. Regelmäßig werden Proben von Badestellen an der Nordseeküste und den Ostfriesischen Inseln genommen. Inzwischen liegt der Fokus aber auch auf den Flussmündungen. An den Küsten zeichnet sich laut Luden derzeit kein Problem mit Vibrionen ab. Grund ist insbesondere der gegenüber der Ostsee höhere Salzgehalt der Nordsee. Nachweise gibt es allenfalls in Flussmündungen zum Beispiel von Weser und Elbe. Dort nämlich vermischt sich das Salzwasser mit Süßwasser und es ist nicht auszuschließen, dass dort Vibrionen vorkommen. Auch das sei aber kein flächendeckendes Problem wie in der Ostsee.
Wie kann man sich vor Vibrionen schützen?
Personen mit offenen oder schlecht heilenden Wunden sollten nicht in Kontakt mit warmem Meer- oder Brackwasser kommen, insbesondere wenn sie an Vorerkrankungen leiden und ein geschwächtes Immunsystem haben. Um eine Magen-Darm-Infektion zu vermeiden, sollten Meerestiere nicht roh verzehrt werden. Außerdem sollte man aufpassen, dass man beim Baden kein Wasser schluckt.

Rückblick: Gefährliche Bakterien: Diese Strände im Cuxland schneiden schlecht ab

Video vom 20. Juni 2020
Luftaufnahme: Der Weserstrand bei Sandstedt. Im Hintergrund ein Campingplatz.

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Autorin

  • Sonja Harbers

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 26. Juni 2020, 23:30 Uhr