So stellen sich Bremens Verkehrsbetriebe auf das Coronavirus ein

Allein die BSAG befördert mit 338 Fahrzeugen täglich hunderttausende Fahrgäste. Damit wir weiter mobil bleiben, wappnet sich der Bremer ÖPNV – auch für den Notfall.

Video vom 12. März 2020
Ein Bus der BSAG in einer Halle.
Bild: Radio Bremen

Wer viel pendelt, kennt das: Dicht gedrängt steht man neben anderen Fahrgästen in Bus und Bahn. Der Mann rechts hustet, die Frau links schnieft. Die Ansteckungsgefahr ist immer hoch in öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) will gut vorbereitet sein, sollte es in Bremen zu einer Corona-Epidemie kommen. Das Ziel ist erst einmal, die Beschäftigten zu schützen und so den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Kein Ticketverkauf mehr, einsteigen nur noch hinten

Ab Freitag dürfen Fahrgäste in den Bussen der BSAG deshalb nur noch hinten einsteigen, wie das Unternehmen am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mitteilte. Eine Ausnahme gilt für Rollstuhlfahrer, die den Hublift benutzen müssen. Die Fahrer der BSAG verkaufen außerdem keine Tickets mehr im Bus. Der vordere Bereich wird direkt hinter dem Fahrerplatz deutlich sichtbar abgesperrt und darf von Fahrgästen nicht mehr betreten werden. Die BSAG kündigte außerdem an, dass in allen Bussen und Straßenbahnen Haltestangen, Griffe und ähnliches täglich intensiver gereinigt würden. Hinweise zur richtigen Hygiene sollen an den Haltestellen ausgehängt werden.

Das Unternehmen hat einen Krisenstab eingerichtet, der täglich zusammenkommt, um die jüngsten Entwicklungen zu besprechen und darauf zu reagieren. "Wir haben eine besondere Verantwortung in der Stadt – wir haben den Anspruch, unseren Verkehr auch dann am Laufen zu halten, wenn alles andere stillstehen sollte", sagt Jens-Christian Meyer, Sprecher der BSAG. Täglich informiere der Stab die Mitarbeitenden über aktuelle Entwicklungen und geplante Hygiene- und Schutzmaßnahmen.

Schutz der Fahrerinnen und Fahrer

"Wir konzentrieren uns darauf, unsere Fahrerinnen und Fahrer zu schützen. Denn der öffentliche Verkehr ist davon abhängig, dass sie gesund bleiben", sagt Meyer weiter. Das gelte auch für die Kolleginnen und Kollegen in den Büros der BSAG, die für die Koordinierung und Kundenbetreuung zuständig sind. "Wenn die Infektionsrate in Bremen steigt, können diese Jobs teilweise von Zuhause erledigt werden", erklärt Meyer.

Wir warten nicht darauf, dass uns eine Behörde sagt, was wir zu tun haben. Wir bereiten uns jetzt schon vor.

Jens-Christian Meyer, Sprecher der BSAG

Profitieren könne die BSAG nun von den Erfahrungen mit SARS, Schweine- und Vogelgrippe. "Es ist wichtig, nun nicht hysterisch zu werden, sich aber sehr gut und überlegt vorzubereiten", so Meyer. Da es bisher noch keinen Grund für Änderungen im Betriebsablauf gab, seien diese Vorbereitungen für die Kundinnen und Kunden aber von außen nicht sichtbar. Für den Fall einer Epidemie hätte das Verkehrsunternehmen aber feste Abläufe in der Schublade.

Ebenso wie die Bremerhavener Verkehrsgesellschaft, wobei deren Vorstand Robert Haase hofft, dass die Notpläne nicht zum Einsatz kommen. Eng auf eng in Bus und Bahn in Zeiten von Corona: Haase reagiert bereits auf die möglichen Sorgen seiner Fahrgäste.

Es gibt verstärkte Hygiene-Maßnahmen in den Bussen.

Robert Haase, Bremerhaven Bus

Der "Einstieg vor" wird auch bei Bremerhaven Bus ausgesetzt, "um Kontakte einzudämmen und so die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des Coronaviruses entgegen zu wirken", wie es in einer Mitteilung heißt. Fahrgäste werden gebeten, für den Ein- und Ausstieg die hinteren Türen zu nutzen. Fahrerinnen und Fahrer verkaufen entsprechend auch keine Tickets mehr, die entsprechend vor der Fahrt an den Verkaufsstellen oder am Ticketautomaten besorgt werden müssen. „Mit dem Aussetzen des „Einstiegs vorn“ und der Einstellung des Ticketverkaufs in den Fahrzeugen erhoffen wir uns, der Verbreitung des Coronaviruses entgegen zu wirken und so im Sinne unserer Fahrerinnen und Fahrer und Fahrgäste zu agieren“, so Robert Haase.

Zugbegleiter der Bahn sollen Verdachtsfälle melden

Viele Menschen bewegen sich auf einem Gleis am Bahnhof
Damit das Coronavirus nicht unsere Mobilität beeinträchtigt, bereiten sich Verkehrsunternehmen entsprechend vor. Bild: DPA | Kay Nietfeld

Die Deutsche Bahn bestätigt, dass es derzeit keine besonderen Hygiene-Vorkehrungen an Bahnhöfen und Bahnsteigen gäbe: Man halte sich aber an die Vorgaben der Behörden, sobald es welche geben sollte, sagte ein Sprecher.

Abgesehen davon seien die Zugbegleiter und -begleiterinnen angehalten, bei Verdacht auf einen Corona-Fall die Notfallleitstelle zu informieren. Daraufhin würde ärztliche Hilfe kommen und die betreffende Person untersuchen. Das Vorgehen sei ähnlich wie bei anderen Notfällen. Jedoch würden in einem solchen Fall die anderen Fahrgäste im Waggon aufgefordert, ein Formular mit ihren Daten auszufüllen. So könnten die Behörden mögliche Kontaktpersonen schnell ermitteln, sollte tatsächlich ein Fall bestätigt werden.

Außerdem würden die Züge häufiger gereinigt als sonst, und für die Mitarbeitenden stelle die Bahn eigene Desinfektionsmittel bereit.

Besondere Kulanzregelung

Für Kundinnen und Kunden, die Fahrten mit der Bahn nicht antreten können, weil Veranstaltungen, Kongresse oder Fußballspiele abgesagt wurden, gilt eine besondere Kulanzregelung: Den Preis ihrer Fahrkarten erstattet die Bahn voll zurück, heißt es auf der Seite der Bahn. Das gilt derzeit auch für Fahrten nach Italien. Entsprechende Formulare können die Betroffenen sich an den Kundeninformationen der Bahn abholen.

Wie Sie sich und andere vor Infektionen schützen

Video vom 27. Februar 2020
Teaserbild zur einem Video, in dem erklärt wird, wie man sich vor Viren schützen kann.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Helena Brinkmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 12. März 2020, 16 Uhr