Infografik

Lkw schaden Bremens Straßen viel mehr als Autos – und es werden mehr

Wie im gesamten Bundesgebiet nimmt auch auf Bremens Fernstraßen der Verkehr zu. Sorgen bereiten Verkehrsplanern vor allem die vielen Lkw.

Stau auf einer Autobahn
Immer mehr Verkehr: Die Belastung der Fernstraßen in ganz Deutschland hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen (Symbolbild). Bild: DPA | Roland Weihrauch

Wer auf Bremens Fernstraßen unterwegs ist, der hat sie vielleicht schon mal gesehen: meist viereckige unscheinbare Felder mitten auf der Straße. Daneben, auf dem Grünstreifen stehen hellgraue Kästen oder ein kleines Holzhäuschen. Es handelt sich um automatische Zählstellen. Exakt 1.914 davon stehen an Deutschlands Straßen, davon sieben in Bremen. Induktionsschleifen im Boden erfassen die vorbeifahrenden Kraftfahrzeuge und senden die Daten an das Bundesamt für Straßenwesen (BASt) in Bergisch Gladbach.

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Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Das Verkehrsaufkommen auf Deutschlands Fernstraßen nimmt unaufhaltsam zu, insbesondere das der Lkw. Derzeit donnern über die A1 auf Höhe der Weserbrücke täglich im Durchschnitt fast 120.000 Pkw und rund 19.000 Lkw. Etwa 85.000 Pkw und 6.100 Lkw sind es auf der A27 im Bremer Stadtgebiet.

Eine Induktionsschleife bzw. Zählstelle auf einer Autobahn
Über solche Induktionsschleifen in der Fahrdecke können die Zählstellen feststellen, wie viele und welche Art von Fahrzeugen vorbeigefahren sind. Bild: Radio Bremen

Dass die Bremer Zählstellen in den kommenden Jahren noch mehr Kraftfahrzeuge zählen werden, sei sehr wahrscheinlich, sagt Michael Flassig, Verkehrsplaner bei der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau der Freien Hansestadt Bremen. "Das Güterverkehrszentrum stagniert ja nicht", sagt Flassig. Auch der Gewerbepark Hansalinie am Bremer Kreuz sei im Wachstum begriffen. Beides spreche für eine Zunahme des Wirtschaftsverkehrs.

"Alle Flächen, die man erschließt, sorgen letztlich für mehr Verkehr", erläutert Flassig. Im Übrigen bildeten Bremens Fernstraßen die bundesweiten Entwicklungen erfahrungsgemäß präzise ab.

Mann mittleren Alters zeigt mit Bleistift auf Stadtplan
Rechnet mit einem wachsenden LKW-Aufkommen auf Bremens Fernstraßen: Verkehrsplaner Michael Flassig. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Was das bedeutet, lässt sich in der aktuellen Verkehrsbelastungsprognose des Bundesverkehrsministeriums nachlesen. Dort steht: "Beim Lkw-Verkehr (...) nimmt die Fahrleistung von 51 Milliarden Fahrzeugkilometern (im Jahr 2010, die Redaktion) auf 65 Milliarden Fahrzeugkilometer in 2030 um 29 Prozent zu." Der Pkw-Verkehr steige dagegen im selben Zeitraum lediglich um 13 Prozent.

Lkw schädigen Straßen viel stärker als Pkw

Wobei der Pkw-Verkehr Straßenbauern ohnehin deutlich weniger Kopfzerbrechen bereitet als jeder der Lkw. So gehen Straßenbauingenieure davon aus, dass ein Laster Straßen und Brücken etwa 100.000-mal so stark schädigt wie ein Kleinwagen. Der Grund hierfür liegt im so genannten Vierte-Potenz-Gesetz. Hiernach steigt der Fahrbahn-Verschleiß mit der vierten Potenz der Achslast.

Ein Beispiel: Drückt ein eine Tonne schwerer Pkw mit 500 Kilo pro Achse auf die Straße, so lasten bei einem vierachsigen 30-Tonner 7,5 Tonnen pro Achse auf der Straße, also das 15-fache Gewicht. Das Vierte-Potenz-Gesetz sagt nun: Die Belastung für die Straße und damit der angerichtete Schaden ist pro Achse nicht nur 15-mal so groß wie beim Pkw. Der Faktor beträgt 15⁴, also 15x15x15x15, entsprechend 50.625. Da der Laster in diesem Beispiel aber doppelt so viele Achsen hat wie der PKW, schädigt er die Straße sogar um mehr als das 100.000-fache.

Allein mit Pkw kann man eine Autobahn gar nicht kaputtfahren.

Martin Stellmann, Leiter des Amts für Straßen und Verkehr

Der Leiter des Bremer Amts für Straßen und Verkehr, Martin Stellmann, findet denn auch, dass die Belastung einer Autobahn oder einer Bundesstraße durch PKW, zumindest aus Sicht des Straßenbaus, zu vernachlässigen sei. Ein weiter wachsendes Aufkommen an Lastwagen dagegen könne jede noch so vorsichtige Prognose zur Lebensdauer einer Fernstraße schnell ad absurdum führen.

Müsse man dennoch Vorhersagen treffen, so gehe man bei Autobahnen, die in Asphalt gebaut würden, üblicherweise davon aus, dass sie nach etwa zehn bis zwanzig Jahren saniert werden müssten. Bei Autobahnen aus Beton dagegen seien meist erst nach 20 bis 40 Jahren Sanierungsarbeiten fällig.

Martin Stellmann vom ASV
Gibt nur ungern Prognosen zur Lebensdauer einer Fernstraße ab, zumal, wenn Lkw darüber donnern: Martin Stellmann. Bild: Radio Bremen

Allerdings, so Stellmann, ließen sich asphaltierte Autobahnen leichter abfräsen als betonierte, sodass man die Decke vergleichsweise gut erneuern könne. Um aber eine Autobahn aus Beton zu sanieren, sei ein "Riesenaufwand" vonnöten. Aus diesen Gründen habe Bremen nach reiflichem Abwägen aller Vor- und Nachteile die A1 und die A27 in Beton, die minder stark frequentierten A281 und A270 dagegen in Asphalt fertigen lassen.

Es werden voraussichtlich die letzten Autobahnen gewesen sein, die Bremen geplant hat. Denn ab kommendem Jahr sind aufgrund der Neuordnung der Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern nicht mehr die Bundesländer, sondern die Bundesautobahngesellschaft für Planung, Bau und Erhalt der Autobahnen zuständig. Auch die Bundesstraßen Bremens fallen mit Beginn des Jahres 2021 in die Zuständigkeit dieser Gesellschaft, mit ihnen die B6 und B75.

Schon jetzt ist klar: Diese beiden Straßen werden dem Bund viel Arbeit und hohe Kosten bereiten. Durchschnittlich 5.670 Lastwagen pro Tag erfasste die Zählstelle an der Landesgrenze zu Bremen-Huchting im Jahr 2018, fast 2.200 mehr als noch zwölf Jahre zuvor.

Autoren

  • Jochen Duwe
  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 21. Januar 2020, 23:30 Uhr