Hilft das Förderprogramm den Veranstaltern in Bremen wirklich?

Gibt es bald wieder Konzerte und Kultur-Events in Bremen? Das neue Bremer Förderprogramm muss sich jetzt beweisen. Die ersten Anträge werden jetzt gestellt.

Zwei Hände halten ein Smartphone, dass eine Szene auf einer Bühne zeigt bei einem Konzert.
Hilft der Fonds der Veranstaltungsbranche in Bremen? Und wie können Events aussehen? (Symbolbild) Bild: DPA | Peter Gercke

Seit dieser Woche können Veranstalter in Bremen eine Förderung für konkrete Veranstaltungskonzepte für die Zeit nach dem Lockdown beantragen: 2,8 Millionen Euro sind im Topf der Wirtschaftssenatorin. Konzertveranstalter und Theaterbetreiber hoffen, so bald wieder Veranstaltungen planen zu können.

André Stuckenbrok ist einer von Ihnen. "Wir haben direkt Anträge gestellt, als das Programm online gegangen ist", sagt er. Der Geschäftsführer der Hellseatic UG und Vorsitzender des Vereins Wanderlust plant ein Metal-Festival in Blumenthal im Mai und zwei Konzertreihen. Dafür hofft er auf Förderung.

Wir haben uns alle viele Gedanken gemacht, wie Konzerte mit Hygienekonzept und Abstandsregeln stattfinden können. Aber eine Veranstaltung mit weniger Besuchern rechnet sich natürlich nicht.

André Stuckenbrok von der Bremer Musikszene
André Stuckenbrok, Veranstalter

Die Förderung der Stadt soll genau das auffangen. "Das Ziel ist, Veranstaltungen durch eine Fehlbedarfsfinanzierung zu ermöglichen, die unter den derzeitigen Corona-Bedingungen nicht wirtschaftlich umsetzbar wären", sagt Kristin Viezens, Pressesprecherin der Wirtschaftssenatorin. Das seien neben Konzerten auch Comedy, Theater und Varieté.

Wer Hoffnung schöpft und wer leer ausgeht

Das Theaterschiff am Anleger an der Weserpromenade Bremen
Das Theaterschiff an der Weserpromenade. Bild: Imago | Schöning

Darüber freut sich Knut Schakinnis. Er betreibt das Theaterschiff, die Komödie im Packhaustheater und das Spiegelzelttheater. "Wir werden Anträge für das Förderprogramm stellen. Durch die geplante Fehlbedarfsfinanzierung können Theater nach dem Lockdown wieder öffnen – auch mit weniger Zuschauern", sagt er.

Während kommerzielle Theater gefördert werden, können sich Kinos nicht bewerben. Sie werden über die Töpfe der Filmstiftung unterstützt. Auch für das Theater Bremen und alle Institutionen, die bereits über 50 Prozent gefördert werden, ist das Programm nicht gedacht. Damit kommt es für die Stadthalle Bremerhaven, für die Breminale, das Überseefestival und andere schon geförderte Einrichtungen nicht in Frage.

Lieber weniger Gäste als gar keine

Besucher im Open Air Kino in der Schlachthofarena
Open-Air-Kino: Im Sommer konnte der Schlachthof mit solchen Events noch Gäste locken. Bild: Schlachthof

Der Bremer Schlachthof fällt genau unter diese 50-Prozent-Grenze. "Das Programm schließt genau die Lücke, die noch gefehlt hat“, sagt Julia Chaker vom Kulturzentrum Schlachthof. Das sieht auch Katrin Windheuser so, die für die Fiftyeight GbR Veranstaltungen in den Pusdorf Studios organisiert. "Kleinere Veranstaltungen mit lokalen Künstlern oder in kleineren Läden haben sich ja schon vor Corona meist nur knapp gerechnet. Wenn dann noch Eintrittsgelder und Getränkeeinnahmen wegfallen, weil noch weniger kommen dürfen, lohnt sich so ein Konzert gar nicht mehr“, sagt sie.

Auch wenn im Moment noch unklar ist, wann überhaupt wieder Konzerte und Lesungen stattfinden können und wie, sagt sie: "Unser Beat in den Pusdorf Studios ist: Wenn wir was veranstalten können, dann versuchen wir das."

Soloselbstständige brauchen Arbeit

Für Veranstalter Oliver Brock ist am allerwichtigsten am Förderprogramm, die Soloselbstständigen zurück ins Geschäft zu holen. "Wir buchen bei unseren Konzerten Stagehands, Technikverleiher, Security, Tresenleute, Cateringhilfen und nicht zuletzt den einen oder anderen lokalen Künstler." Neben dem Förderprogramm soll es deshalb im  nächsten Jahr im Pier 2 den 'Club 100' geben. Die Idee: Bands sollen dort vor weniger Besuchern spielen und die Konzerte werden im Internet gestreamt.

Schild der Lila Eule
Lila Eule: Der Traditionsclub ist von den Lockdowns schwer gebeutelt. Bild: Radio Bremen

Clubs wie die Lila Eule setzen nicht viel Hoffnung auf das Förderprogramm allein. "Wir sind ja hauptsächlich ein Tanzbetrieb mit dem Geschäftsmodell 'körperliche Nähe', für die es keine Alternative zur Schließung gibt“, sagt Geschäftsführer Michael Pietsch. Für Outdoor-Veranstaltungen wie die 'Lila Laube' im Sommer könne die Förderung der Stadt ein gutes Programm sein, um finanzielle Risiken abzufedern. Er hofft, dass sich die ein oder andere Spielstätte und Veranstaltungsfirma so über die Nach-Corona-Zeit hinüberretten kann.

Wie gut das funktioniert, bezweifelt Oliver Mücke, Geschäftsführer von Koopmann Concerts und Sprecher der Bremer Veranstalter.

Es ist ein gutes Programm, es ist ein Anfang. Aber es wird nicht die gesamte Branche retten.

Oliver Mücke, Koopmann Concerts

Weil die Veranstaltungen mit bis zu 25.000 Euro gefördert werden, sei das Programm eher für kleinere bis mittelgroße Konzerte und Events geeignet. "Bei den richtig großen Konzerten in der ÖVB-Arena zum Beispiel sind ganz andere Summen im Spiel." Insgesamt müsse es noch mehr finanzielle Hilfen geben – auch vom Bund.

Kommen Hilfen auch schnell genug?

"Der Antrag ist nicht besonders kompliziert", sagt Veranstalter André Stuckenbrok. Aber wer dann wirklich gefördert wird und für wie viele Veranstalter und unterschiedliche Spielorte das Geld ausreiche, das sei im Moment noch spannend.

Abzuwarten bleibt auch, wie schnell das Geld aus den Bremer Töpfen bei den Veranstaltern ankommt, damit sie wirklich planen können. Die Wirtschaftsförderung Bremen nimmt die Anträge entgegen und bearbeitet sie möglichst schnell: "Vollständige Anträge sollen möglichst innerhalb von sieben Tagen entschieden werden", heißt es von der Wirtschaftsbehörde. Einmal wöchentlich stimme die Wirtschaftsförderung die Anträge mit der Wirtschaftssenatorin in Bremen und Bremerhaven ab.

Wie arbeiten und proben die Bremer Philharmoniker während Corona?

Video vom 13. November 2020
Eine Pianistin und eine Geigespielerin spielen zusammen in der Bremer Philharmoniker.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Lieselotte Scheewe

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier läuft, 20. November 2020, 12:15 Uhr