Warum in Bremen so wenige Väter Unterhalt zahlen

Knapp drei Viertel der Alleinerziehenden in Bremen erhält keinen Unterhalt vom Ex-Partner. Oft springt das Land Bremen ein – es bleibt auf fast allen Kosten sitzen.

Ich wünsche mir, dass die, die keinen Unterhalt zahlen (möchten), zur Rechenschaft gezogen werden.

Alleinerziehende Mutter, in einer Befragung der Arbeitnehmerkammer

Rund 18.000 Alleinerziehende mit Kindern unter 18 Jahren gibt es laut Statistik in Bremen, 16.000 davon sind Frauen. In einer umfangreichen Untersuchung befragte nun die Arbeitnehmerkammer Bremen Betroffene zu ihrer Lebenssituation, ihren Nöten und Wünschen. Dabei gaben 71 Prozent der Alleinerziehenden an, dass sie keinen Unterhalt vom Ex-Partner erhalten – weil dieser nicht will oder kann. "Das ist für viele ein großes Thema", sagt Helga Heydinger vom Verband Alleinerziehender Mütter und Väter Bremen e.V. (VAMV Bremen). "Schließlich kommt ein Großteil der Alleinerziehenden finanziell kaum über die Runden."

Ein Mindestmaß an finanzieller Sicherheit

Um Alleinerziehende in einer solchen Situation zu unterstützen, zahlen Bund, Länder und Kommunen den sogenannten Unterhaltsvorschuss. Im Jahr 2016 waren das bundesweit knapp 850 Millionen Euro. Dieser liegt mit 150 Euro für Kinder bis 5 Jahre, 201 Euro Kinder bis 12 Jahre und 268 Euro für ältere Kinder zwar weit unter den eigentlichen Ansprüchen gegenüber den Ex-Partnern. Dennoch gibt der Unterhaltsvorschuss zumindest eine gewisse finanzielle Sicherheit.

In Bremen nahmen im Juli 2017 6.397 Alleinerziehende den Unterhaltsvorschuss in Anspruch. Das sind etwa ein Drittel der Betroffenen. Seit einer Gesetzesänderung im Sommer dieses Jahres können zudem mehr Alleinerziehende Ansprüche geltend machen.

Rückgriffquote in Bremen ist sehr gering

Eigentlich können die Jugendämter diese Vorschüsse von den zahlungspflichtigen Eltern zurückfordern. Doch diese sogenannte Rückgriffqoute lag im Jahr 2016 bundesweit bei nur 23 Prozent. Bremen war mit gerade einmal 11 Prozent im Ländervergleich jahrelang Schlusslicht. 2016 erzielte das Land erstmals eine Rückgriffquote von 14,7 Prozent und überholte damit Hamburg mit 11 Prozent.

Der Vater zahlt seit 2010 nicht mehr und vorher auch nicht das, was er müsste. Dem Jugendamt ist es anscheinend egal, kümmert sich nicht!

Alleinerziehende Mutter, in einer Befragung der Arbeitnehmerkammer

Dass die Zahlen so niedrig sind, hat einen Grund: "Ein Großteil der Eltern, die nicht zahlen, hat überhaupt kein Einkommen. Entsprechend kann man auch nichts zurückfordern", sagt Bernd Schneider, Sprecher der Sozialsenatorin Anja Stahmann (Bündnis 90/ Die Grünen). "Die Vorstellung, dass man 100 Prozent der Zahlungen zurückholen könnte, ist deshalb illusorisch."

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Viele der Ex-Partner beziehen Sozialleistungen

Die niedrige Rückgriffquote in Bremen entspreche der sozialen Struktur der Stadt, so Schneider.

Wir sind zufrieden, wenn der zahlungspflichtige Elternteil seinen Verpflichtungen nachkommen kann. Dass das in Bremen oft nicht der Fall ist, ist Ausdruck der sozialen Lage mit immer noch vergleichsweise hoher Arbeitslosigkeit, hoher Sozialhilfequote, hoher Armutsgefährdungsquote für Kinder, hohem Anteil an Zeit- und Teilzeitarbeit. All das sind Faktoren, die die Rückgriffquote prägen. Darunter ist nichts, womit wir zufrieden sein könnten.   

Bernd Schneider, Sprecher der Sozialsenatorin

Dass in der Befragung ein großer Teil der Alleinerziehenden ohne Alimente angab, keinen Unterhaltsvorschuss zu beziehen, führt Helga Heydinger vom Verband Alleinerziehender Mütter und Väter Bremen e.V. auch darauf zurück, dass das Verfahren zu komplex sei. "Die Formulare schrecken viele ab", sagt sie. So müsse etwa angegeben werden, wie viel der Ex-Partner verdiene und welches Eigentum er besitze. "Das wird Ihnen Ihr Ex-Partner so genau aber bestimmt nicht aufschlüsseln", so Heydinger.

Außerdem profitierten gerade Arbeitslose nicht vom Unterhaltsvorschuss. Dieser wird nämlich auf Sozialleistungen wie das Arbeitslosengeld Zwei angerechnet.

Gerade da, wo das Geld am nötigsten wäre, kommt es nicht an.

Helga Heydinger, Verband Alleinerziehender Mütter und Väter Bremen
  • Tanja Krämer

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten von Radio Bremen, 6. Oktober 2017, 12 Uhr