Infografik

Das schlechte Image von Beamten – und was wirklich dran ist

Der Ruf von Beamten ist durchwachsen, dennoch genießen Berufe wie Feuerwehrmann hohes Ansehen, wie eine aktuelle Studie zeigt. Wir räumen mit den gängigsten Mythen auf.

Ein Beamter steht vor einem Aktenregal, im Vordergrund sind diverse Stempel zu sehen
Wird von Beamten gesprochen, haben viele Behördenzimmer vor Augen. Dabei trifft man Beamte in verschiedensten Berufssparten an. Bild: Imago | Teutopress

Feuerwehrmänner genießen laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Deutschen Beamtenbundes und von Tarifunion das höchste Ansehen in der Bevölkerung. 2.006 Menschen nahmen an der von Forsa durchgeführten repräsentativen Umfrage zu Erwartungen an den öffentlichen Dienst teil. 94 Prozent der Befragten maßen dem Beruf Feuerwehrmann ein hohes Ansehen zu. Mehr als 80 Prozent bewerteten außerdem das Ansehen von Ärzten, Pflegepersonal und Polizisten als hoch. Obwohl fast durchweg Berufe aus dem öffentlichen Dienst – wie auch Lehrer und Richter – die Beliebtheitsskala anführen, ist das Image der Beamten im allgemeinen eher dürftig. Es hat sich sogar wieder leicht verschlechtert. 34 Prozent der Befragten maßen Beamten demnach ein hohes Ansehen zu, fünf Prozent weniger als noch 2018.

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Beamte unbeliebt, Behörden werden gut bewertet

Laut Jürgen Köster, Bremer Landesvorsitzender des Deutschen Beamtenbundes und von Tarifunion, haben viele Menschen eine falsche Vorstellung. Im Land Bremen gibt es mehr als 40.000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Weit über die Hälfte davon sind Angestellte und nicht verbeamtet. "Die Meinung, Beamten ginge es sowieso gut, ist nicht unbedingt richtig", sagt Köster. Gleichzeitig verweist er darauf, dass Berufsbilder wie Feuerwehrmann oder Polizist regelmäßig ganz weit oben auftauchten, wenn es um Berufe geht, die in der Bevölkerung ein hohes Ansehen genießen. "Allerdings zeigt die Politik nicht so viel Wertschätzung für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Das müsste noch gesteigert werden", meint Köster.

Befragt nach den einzelnen Einrichtungen und Behörden schneiden in der Umfrage des Beamtenbundes vor allem Straßenreinigung und Müllabfuhr gut ab (Note 1,8).

So bewerten Bürger die Arbeit von Behörden Kindergärten 2,2 Schulen 2,7 Gerichte 2,7 Polizei, Kriminalpolizei 2,3 Straßenreinigung, Müllabfuhr 1,8 Finanzämter 2,8 Arbeitsämter 3,4 Quelle: DBB Bü r gerbef r agung öf f entlicher Dienst 2019

Beamten-Mythen und was dahinter steckt

Woran liegt es also, dass einige Berufsgruppen zwar geschätzt werden, der Beamtenstatus an sich aber kaum gut gelitten ist? Hier die drei gängigsten Mythen und ein Faktencheck.

1 Beamte verdienen viel

Stimmt bedingt. Die Bezüge von Beamten sind kein Gehalt im herkömmlichen Sinn wie bei normalen Angestellten. Sie funktioniert nach dem Alimentierungsprinzip. Die Besoldung soll sicherstellen, dass der Beamte jederzeit wirtschaftlich unabhängig ist, um seine ganze Kraft seinem Dienst zu widmen. Damit soll mögliche Korruption vorgebeugt werden. Die Entgelte variieren stark – je nachdem, ob es sich um Reinigungskräfte, Lehrkräfte oder Abteilungsleiter handelt. Die Besonderheit: Beamte zahlen weder in die Sozial- und Arbeitslosenversicherung noch in die Rentenkasse ein. Ihre privaten Krankenversicherungen müssen sie selbst zahlen. Anders als bei anderen Arbeitnehmern wird als Basis für die Beamten-Pension nicht der Durchschnittswert des Lebensverdienstes angesetzt, sondern der letzte Sold. Was bei einer entsprechenden Karriere von großem Vorteil sein kann. So liegt die durchschnittliche Beamten-Pension für die derzeit über 13.000 verrenteten Beamten im Land Bremen bei monatlich über 2.946,33 Euro brutto (zum Vergleich: die Durchschnittsrente liegt laut Rentenversicherung derzeit bei 1.199 Euro). Die Beamten-Pension muss jedoch voll versteuert werden.

2 Beamte sind unkündbar

Stimmt grundsätzlich. Soweit sie dem "öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverhältnis" gerecht werden, werden Beamte nach der Probezeit (beziehungsweise nach spätestens fünf Dienstjahren) auf Lebenszeit verbeamtet. Aber auch Beamten kann dann das Dienstverhältnis gekündigt werden. Die Hürden dafür sind nur recht hoch. Gründe wären beispielsweise eine Verurteilung zu einer Haftstrafe oder grobes Fehlverhalten im Dienst mit entsprechenden disziplinarrechtlichen Konsequenzen. Aber auch ein ungenehmigter Umzug ins Ausland kann ein Kündigungsgrund laut Bundesbeamtengesetz sein. Und auch ein nichtgeleisteter Diensteid.

3 Beamte genießen nur Vorzüge

Stimmt nicht. Es gibt auch einige Nachteile gegenüber anderen Arbeitnehmern. Für Beamte gilt in der Regel die 40-Stunden-Woche. Beamte dürfen nicht streiken. Sie dürfen selbst nach Ende des Dienstverhältnisses keine Geschenke und Belohnungen annehmen, die sich auf ihr Amt beziehen könnten. Das Gesetz sagt: "Beamtinnen und Beamte dienen dem ganzen Volk, nicht einer Partei“. Entsprechend sind sie im besonderen Maße Recht und Gesetz verpflichtet, müssen sich neutral und unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Einflüssen zeigen. Bedeutet beispielsweise: Demonstrieren während der Dienstzeit ist nicht gestattet. Beamte sind immer Beamte – auch in ihrer Freizeit. Und über die kann den Dienstherr im Zweifel auch bestimmen. Bei Wahlen werden Beamte und Angestellte aus dem öffentlichen Dienst regelmäßig als Wahlhelfer zwangsverpflichtet. Außerdem steht im Bundesbeamtengesetz: "Der Beamte hat seine Wohnung so zu nehmen, dass er in der ordnungsmäßigen Wahrnehmung seiner Dienstgeschäfte nicht beeinträchtigt wird." Bedeutet im Klartext: Der Dienstherr kann auch einen Umzug in die Nähe der Dienststelle anordnen.

  • Verena Patel
  • Eva Linke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 20. August 2019, 23:30 Uhr